Die Herrschaft Château-Bréhain (deutsch auch Herrschaft Bruchkastel) war eine im Mittelalter entstandene Adelsherrschaft im lothringischen Saulnois. Sie gehörte ursprünglich zum Territorium der Grafschaft Bar, stand jedoch in einem komplexen Geflecht von Lehensbindungen und Rechten, an dem neben den Grafen von Bar auch das Bistum Metz sowie verschiedene Adelsfamilien beteiligt waren.

Geographie und Umfang Zur Herrschaft Château-Bréhain gehörten unter anderem:

Bréhain Château-Bréhain Villers-aux-Dies (Villers an der Nied)

Zeitweise wurden weitere Gebiete, wie der sogenannte Ban de la Rotte, mit der Herrschaft verbunden, wobei es sich dabei um eine Personalunion verschiedener Lehen handelte.

Geschichte Der Raum von Château-Bréhain gehörte ursprünglich zum Gut Thil (Marthil), das im Jahr 952 von Rudolf, dem Sohn Matfrids und Schwiegersohn des Grafen Odoaker, der Abtei St. Arnulf in Metz geschenkt wurde. In der Folge scheint das Bistum Metz aufgrund nicht näher bekannter Vereinbarungen mit der Abtei die Landeshoheit sowie die Hochgerichtsbarkeit über Teile dieses Besitzkomplexes erworben zu haben. Die Herrschaft Château-Bréhain wurde daraufhin der bischöflichen Kastellanei Habudingen zugeteilt und war im Jahr 1335 gemeinsam mit dieser verpfändet. Bereits im Hochmittelalter entwickelten sich hier komplexe und mehrfach überlagerte Herrschaftsverhältnisse, wie sie für den lothringischen Raum typisch waren.

Seit dem 13. Jahrhundert waren die Rechte an Château-Bréhain zwischen verschiedenen Lehensträgern aufgeteilt. Dabei teilten sich insbesondere die Herrschaften Viviers und Oriocourt die herrschaftlichen Befugnisse im Ort, wobei auf Château-Bréhain ein Teil der Rechte entfiel. Die Herrschaft bestand damit nicht als geschlossenes Territorium, sondern als Bündel von Nutzungs-, Gerichts- und Abgabenrechten, die auf mehrere Träger verteilt waren. mini|Wappen der Bayer von Boppard Im 13. und frühen 14. Jahrhundert waren zunächst die Herren von Chambley Lehnsträger von Château-Bréhain. Über Erbverbindungen ging das Lehen spätestens 1369 an die Beyer von Boppard über, vermutlich durch Heirat mit einer Erbtochter aus dem Hause Chambley. Damit gelangte die ursprünglich am Mittelrhein ansässige Familie zu einem bedeutenden Herrschaftssitz in Lothringen und verlagerte ihren Schwerpunkt zunehmend in diese Region. Im 15. Jahrhundert wurde der Besitz erneut geteilt. Eine Hälfte gelangte durch die Ehe der Lise Beyer von Boppard mit Friedrich von Baucourt an die Familie von Baucourt. Nach dem kinderlosen Tod ihres Sohnes Dietrich von Baucourt fiel dieser Anteil an Margarethe von Baucourt, die mit Johann IV. von Kriechingen verheiratet war. Die andere Hälfte verblieb zunächst bei den Beyer von Boppard.

Die konkurrierenden Rechte und Lehensbindungen führten wiederholt zu Spannungen. Bereits im 15. Jahrhundert versuchten die Grafen von Salm offenbar, die bischöflichen Rechte in Château-Bréhain zu bestreiten. Im Jahr 1443 wurde die Burg Château-Bréhain im Zusammenhang mit regionalen Konflikten zwischen dem Bistum Metz und Teilen des umliegenden Adels durch Truppen des Bistums zerstört. Die Familie Beyer von Boppard erscheint jedoch auch danach weiterhin als Inhaberin von Rechten an der Herrschaft. Auch die Belehnungsverhältnisse blieben umstritten. Als sich die Beyer von Boppard 1463 weigerten, das Lehen ordnungsgemäß zu empfangen, ließ der Herzog von Lothringen als Erbe der Grafen von Bar das Lehen durch den Lehenshof in Saint-Mihiel einziehen. Nach erneuter Huldigung kam es jedoch zu einem Vergleich mit den bisherigen Lehensträgern. mini|Das Wappen der Herren von Kriechingen Im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen Lothringen und Burgund traten die unterschiedlichen Lehensbindungen der Familie erneut hervor. Johann Beyer von Boppard nahm am 14. Februar 1474 Güter in Château-Bréhain, Bourdonnaye, Moncourt und weiteren Orten vom Bistum Metz zu Lehen. Zeitgleich huldigte Rudolf Beyer von Boppard dem mit dem Bistum verbündeten Herzog Karl von Burgund für das bischöfliche Lehen Saaralben. Dies wurde als möglicher Versuch gedeutet, sich in den damaligen Machtkämpfen der lothringischen Lehensoberhoheit teilweise zu entziehen. Tatsächlich bezogen sich diese Vorgänge jedoch nur auf die älteren bischöflichen Lehen der Familie. Zu ihnen gehörte in Château-Bréhain insbesondere die sogenannte Seckengasse, für welche Johann Beyer von Boppard noch 1488 dem Bistum Metz huldigte.

Im 16. Jahrhundert wurden die zuvor stark zersplitterten Besitzverhältnisse allmählich zusammengeführt. Die Familie Kriechingen gewann nach und nach weitere Anteile hinzu. Im Jahr 1503 nahm Wyrich von Kriechingen die eine Hälfte von Burg und Gericht zu Château-Bréhain zu Lehen, während die andere Hälfte 1537 noch Johann Beyer von Boppard innehatte. Erst 1595 tauschte Georg Beyer von Boppard seinen verbliebenen Anteil an Château-Bréhain gegen die Hälfte der Herrschaft Lösnich, die Thomas von Kriechingen besaß. Damit gelangte die Herrschaft vollständig an die Familie Kriechingen. Auch weitere, zwischenzeitlich an andere Erben der Beyer gelangte Rechte wurden von den Kriechingen erworben.

Noch im späten 17. Jahrhundert huldigte Anna Dorothea von Ostfriesland als Erbin der Kriechingen für Château-Bréhain vor der Reunionskammer in Metz. Zu diesem Zeitpunkt war die Herrschaft jedoch bereits verpfändet. Lothringen vergab das Lehen später an die Familie de Pouilly, wogegen die Kriechingensche Erbin Einspruch erhob. Nach dem Frieden von Rijswijk kamen als Lehensträger die Familien Protin de Vulmont und später Protin de Lucy zum Zuge, die Château-Bréhain, Bréhain, Villers-aux-Dies und Neufchère noch bis zum Ende des Ancien Régime im Jahr 1789 besaßen.

Einzelnachweise

Kategorie:Herrschaft (Territorium) Kategorie:Historische Geographie (Lothringen) Kategorie:Historisches Territorium (Frankreich) Kategorie:Département Moselle