Hryhorij „Hryzko“ Tschubaj (; * 23. Januar 1949 in Beresyny, Oblast Riwne; † 16. Mai 1982 in Lwiw) war ein Dichter, Übersetzer und eine der zentralen Figuren der ukrainischen Untergrundkultur unter sowjetischer Herrschaft. Sein Hauptwerk ist die Gedichtsammlung „Pentateuch“ (). Tschubaj wurde aufgrund seiner Beteiligung an Samisdat-Publikationen Opfer staatlicher Repression.
Biografie Der in Wolhynien geborene Tschubaj zog 1969 nach Lwiw und erlangte mit seinem Gedicht Vertep (1968), das einem ukrainischen Puppenspiel entlehnt ist, in lokalen Untergrundkreisen Bekanntheit. Durch seine Bekannten Ihor und Iryna Kalynez knüpfte Tschubaj Kontakte zur ukrainischen Dissidentenbewegung und deren illegalen Publikationen. Er gehörte zu einem Kreis der nonkonformistischen Lwiwer Künstlerjugend, dem unter anderem Oleh Lyscheha, Victor Morozov, Mykola Rjabtschuk, Roman Kis und Jurij Wynnytschuk angehörten.
1971 wirkte Tschubaj an der Herausgabe des Almanachs „Skrynia“ („Die Truhe“) mit, der unter anderem seine Gedichte und eine Übersetzung eines Theaterstücks von Tadeusz Różewicz enthielt. Trotz seines unpolitischen Inhalts wurde die Publikation vom KGB als subversiv eingestuft. Infolgedessen wurde Tschubaj 1972 verhaftet und verbrachte drei Tage in einem KGB-Gefängnis im Zuge eines umfassenden Vorgehens gegen die Dissidentenbewegung. Nach seiner Freilassung geriet Tschubaj in eine isolierte Lage und fand keine sinnvolle Beschäftigung. 1978 gelang es ihm, sich am Maxim-Gorki-Literaturinstitut in Moskau einzuschreiben. Er starb 1982 im Alter von 33 Jahren. 1995 wurden Tschubajs sterbliche Überreste auf dem Lytschakiwski-Friedhof beigesetzt.
Poesie Tschubaj war von der europäischen Moderne beeinflusst, und sein Verdienst liegt darin, das Erbe der ukrainischen Moderne trotz ihrer Unterdrückung durch die Sowjetmacht fortgeführt zu haben. Seine Gedichte zeichnen sich durch komplexe Metaphern und religiöse Bilder aus und behandeln Themen wie Konformität, Isolation und menschliche Freundschaft. Sein Werk und seine Persönlichkeit hatten großen Einfluss auf die neue Generation ukrainischer Autoren, die in den 1980er Jahren hervortraten, und in der unabhängigen Ukraine erlangten Tschubajs Leben und Werk Kultstatus.
Vermächtnis mini|Grab von Hryhorij Tschubaj in Lwiw Die Werke von Hryhorij Tschubaj wurden von Literaturkritikern und Wissenschaftlern, darunter Jurij Andruchowytsch, analysiert. Seine Gedichte wurden in mehrere Sprachen übersetzt, darunter Englisch, Polnisch, Spanisch und Russisch. Viele seiner Texte wurden vertont, einige davon von seinem Sohn Taras Tschubaj aufgeführt. Auch die Band von Taras Chuba, Platsch Jeremiji ist nach einem Werk seines Vaters benannt. 2014 entstand ein Dokumentarfilm über Hryhorij, der von Oleksandr Fraze-Frazenko gedreht wurde.
Im Jahr 2023 wurde eine Straße in Lemberg nach Tschubaj umbenannt.
Familie Hryhorij Tschubaj ist der Vater der ukrainischen Musiker Taras und Solomija Tschubaj.
Werke
Пʼятикнижжя - Pentateuch I.Постать голосу - Silhouette der Stimme II.Вертеп, 1968 - Krippe III. Відшукування причетного - Suche nach den Beteiligten IV. Плач Єремії, 1969 - Klagelieder Jeremias V. Світло і сповідь, 1970 - Licht und Beichte
Posthume Veröffentlichungen:
Говорити, мовчати і говорити знову, 1990, Sprechen, Schweigen und erneutes Sprechen Klagelieder Jeremias(1999) Скоромовка не для вовка, 2008 - Zungenbrecher sind nichts für Wölfe - Kindergedichte Pentateuch (2013)
Einzelnachweise
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