Nasarij Nasarowytsch Jaremtschuk (; * 30. November 1951 in Riwnja, Oblast Czernowitz; † 30. Juni 1995) war ein ukrainischer Sänger. Im August 2021 wurde er posthum zum Helden der Ukraine ernannt.
Bis zu seinem Tod im Jahr 1995 war Jaremtschuk einer der populärsten Sänger der Ukraine. Er erhielt den Titel „Volkskünstler der Ukraine“ und wurde posthum mit dem Schewtschenko-Nationalpreis ausgezeichnet. In der Ukraine war er unter den Beinamen „Liebling des Landes“ und „Nachtigall der Bukowina“ bekannt.
Jaremtschuk war vor allem für sein ukrainischsprachiges Repertoire bekannt. Zusammen mit Wassyl Sinkewytsch und Wolodymyr Iwassjuk war er der erste Sänger, der in seiner Muttersprache bei Pesnya goda sang. Als Mitglied von VIA Smerichka popularisierte Jaremtschuk Lieder wie Tscherwona ruta und Vodohray.
Auch Yaremchuks Kinder erlangten Bekanntheit in der Musik. Seine beiden ältesten Söhne, Dmytro Jaremtschuk und Nasarij Jaremtschuk, wurden beide ebenso wie ihr Vater mit dem Titel „Volkskünstler der Ukraine“ ausgezeichnet. Tochter Marija Jaremtschuk wurde eine bekannte Sängerin und vertrat die Ukraine beim Eurovision Song Contest 2014.
Leben Frühe Jahre links|mini|Nasarij Jaremtschuks Geburtshaus im heutigen Wyschnyzja. Nasarij Jaremtschuk wurde als drittes und jüngstes Kind von Nasarij Tarasowytsch Jaremtschuk und Marija „Maritschka“ Darijivna im Dorf Riwnja (heute Teil von Wyschnyzja) geboren. Aufgrund der Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs war die Familie zusammengewürfelt. Sein Vater war 34 Jahre älter als seine Mutter und somit bereits 64 Jahre alt, als Jaremtschuk geboren wurde. Der junge Jaremtschuk wuchs mit seinem älteren Bruder Bohdan, seiner älteren Schwester Kateryna „Katryuscha“ und dem Enkel seines Vaters, Stepan, auf. Jaremtschuks Halbbruder Dmytro (geb. 1924) aus einer früheren Ehe des Vaters lebte damals in Winnipeg, Kanada, wohin er am Ende des Zweiten Weltkriegs aufgrund seiner Aktivitäten in der UPA geflohen war.
Nasarij Jaremtschuk soll sich schon früh für Musik begeistert haben. Sein Vater starb 1963, als Jaremtschuk erst zwölf Jahre alt war. Daraufhin schickte seine Mutter ihn auf ein Internat in Wyschnyzja, wo er sich für Chormusik und Mandoline interessierte.
Karriere 1969–1971: Erste Erfolge und Tscherwona Ruta mini|Das Haus der Kultur in Wyschnyzja wo Jaremtschuk erstmals mit Smeritschka geprobt hat. 1969 schloss Jaremtschuk die Sekundarschule ab. Nach einem vergeblichen Immatrikulationsversuch an der Geographischen Fakultät der Staatlichen Universität Czernowitz arbeitete er als Seismograph und leistete seinen Wehrdienst.
Während eines Fahrschulkurses im Kulturpalast seiner Heimatstadt Wyschnyzja besuchte er dort als Zuschauer eine Probe der VIA Smeritschka. Fasziniert von der Musik, bat Jaremtschuk, der in seiner Kindheit viel gesungen hatte, darum, der Gruppe beitreten zu dürfen und wurde nach einem Vorsingen von Levko Dutkivskiy, dem musikalische Leiter der Smeritschka, eingeladen, neben Wassyl Sinkewytsch als Sänger aufzutreten.
Im September 1970 schrieb sich Jaremtschuk schließlich doch noch an der Geographischen Fakultät der Staatlichen Universität Czernowitz ein und begann sein Studium. Abends besuchte er weiterhin Proben von Smeritschka in Wyschnyzja, während er morgens Vorlesungen in Czernowitz besuchen musste. Aufgrund dieser Umstände übernachtete Jaremtschuk zeitweise bei Dutkiwski.
Etwa zur gleichen Zeit freundete er sich mit dem in Boryspil ansässigen Journalisten Viktor Spivak von der Zeitung Silski Visti an. Spivak war nur zufällig nach Wyschnyzja gekommen, da er eigentlich eine Reportage über die Karpaten machen wollte. Später erinnerte sich Spivak an Jaremtschuks außergewöhnliche Musikalität und sein hervorragendes Gehör, die er bei gemeinsamen Wanderungen in den Bergen bemerkt hatte.
Die Popularität von Smeritschka wuchs regional, und 1970 brachten sie ihre erste Mignon heraus. Der regionale Fernsehsender schlug vor, einen Musikfilm mit der Gruppe in der Hauptrolle zu drehen, aber stattdessen wurden mehrere Ensembles in den Film integriert, darunter VIAs Karpaty, Evrika und die junge Sängerin Sofia Rotaru, die zu diesem Zeitpunkt bereits regionale Berühmtheit erlangt hatte.
Der geplante Musikfilm erhielt den Titel Tscherwona Ruta, nach dem gleichnamigen populären Lied von Wolodymyr Iwassjuk. Während der Dreharbeiten im August 1971 in Jaremtsche (Oblast Iwano-Frankiwsk) starb seine Mutter, und er wurde mit 19 Jahren zum Waisen. Trotz der Trauerbräuche der Huzulen setzte er die Arbeit fort. In dem Film trat er als Solist des von Iwasjuk geleiteten Ensembles auf und sang Незрівнянний світ краси (Die unvergleichliche Welt der Schönheit) sowie Tscherwona ruta, Mila moya und Vodohrai.
1971–1975: Höhepunkt des Ruhms, Fernsehwettbewerbe und zweiter Film mini|Czernowitzer Philharmonie, wo Jaremtschuk ab 1973 arbeitete Die Veröffentlichung von Tscherwona ruta machte Smeritschka landesweit berühmt. Kurz darauf wurde dessen Komponist, Iwassjuk, eingeladen, das Lied bei der ersten Ausgabe von Pesnya goda in Moskau vorzutragen. Iwassjuk sorgte dafür, dass Jaremtschuk und Sinkewytsch ihn in die Hauptstadt begleiteten. In einer von den Huzulen inspirierten Tracht gekleidet, sangen die drei das Lied gemeinsam. Mit zwanzig Jahren war Jaremtschuk der jüngste Solist des Abends.
Die Gruppe wurde im Frühjahr 1972 zur ukrainischen Version der sowjetischen Talentshow Allo, my ishchem talanty! eingeladen, vergleichbar mit X-Factor oder Star Factory. Die Gruppe weigerte sich jedoch, auf Russisch zu singen, wie von den Organisatoren gewünscht. Stattdessen trug Jaremtschuk zwei Lieder auf Ukrainisch vor: Vodohrai gemeinsam mit Mariya Isak und Horyanka mit Sinkewytsch. Schließlich wurden sowohl Smeritschka als auch Arinka, eine weitere Gruppe, die ausschließlich auf Ukrainisch sang, zu Siegern erklärt. Im Januar 1973 wurde Smeritschka erneut zu einem Auftritt in Pesnya goda eingeladen und sang dort abermals „Vodohrai“.
Smeritschka arbeitete fortan professionell mit der Philharmonie in Tscherniwzi zusammen. Sie tourten ausgiebig durch die Sowjetunion und trat sogar im Marienpalast in Kiew vor dem sowjetischen Staatschef Leonid Breschnew auf, der fälschlicherweise davon überzeugt war, dass Jaremtschuk Tscherwona ruta geschrieben hatte.
Smeritschka wurde jedoch dem sowjetischen Regime in der Ukraine „zu populär“, und die sowjetischen Behörden distanzierten sich auf Parteiversammlungen von der Gruppe. Es kam zu Drohungen gegen die Gruppe, und es wurde versucht, einen Streit zwischen Jaremtschuk und Sinkewytsch zu provozieren. Nachdem 1975 ein estnisches Fernsehunternehmen in Iwano-Frankiwsk einen Fernsehfilm mit Smeritschka gedreht hatte, eskalierte die Situation. Der Film Vistupaye ansamble "Smeritschka" Levka Dutkovkskoho wurde wegen seines nationalistischen Charakters bis zum Ende der Sowjetunion verboten. Sinkewytsch floh nach Luzk, während Jaremtschuk aus seiner Wohnung in Tscherniwzi geworfen wurde.
1975–1981: Soloerfolg Auf Drängen von Levko Dutkivskiy erhielt Jaremtschuk schließlich wieder eine Wohnung und konnte, wenn er wollte, zu seiner Arbeit bei der Philharmonie zurückkehren. Etwa zur gleichen Zeit, im Jahr 1975, schloss Jaremtschuk sein Studium der Wirtschaftsgeographie an der Universität Czernowitz ab. Obwohl ihm angeboten wurde, mit der Promotion fortzufahren, lehnte er zugunsten seiner musikalischen Tätigkeit ab.
Nasarij Jaremtschuk kehrte zu Smeritschka zurück, während Wassyl Sinkewytsch zunächst durch David Stepanovskiy ersetzt wurde. In dieser Besetzung veröffentlichte Smeritschka 1977 eine EP mit Liedern von Dutkivskiy. Die Zusammensetzung des Ensembles änderte sich jedoch ständig, und die Popularität der Gruppe sank, während Jaremtschuk als Solokünstler immer bekannter wurde.
Im Jahr 1978 erhielt Jaremtschuk den Titel Verdienter Künstler der Ukraine. Gleichzeitig wurde ihm der Orden der Völkerfreundschaft verliehen.
Dutkivskiy kehrte auf Jaremtschuks Wunsch hin zur Philharmonie zurück und traf radikale Entscheidungen bezüglich des Ensembles, sodass nur noch Jaremtschuk und Pawlo Dworskyj übrig blieben.
Im Frühjahr 1979 erreichte Jaremtschuk die Nachricht vom mysteriösen Tod Wolodymyr Iwassjuks. Nach damaligen Behördenangaben nahm er sich das Leben, nach Erkenntnissen von 2015 wurde er vom KGB ermordet. Ohne an die möglichen Folgen für seine Karriere zu denken, nahm Jaremtschuk (zusammen mit Dutkiwski) an den Protesten rund um Iwasjuks Beerdigung in Lemberg teil und gehörte zu den Ersten, die Blumen niederlegten.
1979 wünschte Jaremtschuk sich von Dworskyj ein Lied. Stozhary wurde einer von Jaremtschuks ersten Solo-Hits im Jahr 1981. Ein Jahr später veröffentlichte Jaremtschuk sein erstes Album in voller Länge, Nezrivyannyy svit krasy, benannt nach dem Lied, das er in Tscherwona ruta gesungen hatte. 1981 spielte Jaremtschuk die Hauptrolle in dem Film „Chervonta ruta: Ten years since“ an der Seite von Wassyl Sinkewytsch und Sofia Rotaru.
1982–1991: Musikalischer Leiter von Smerichka mini|Jaremtschuk-Haus in Czernowitz, in dem er ab den späten 1980er lebte 1982 wurde Jaremtschuk neuer musikalischer Leiter von Smeritschka, nachdem Dutkivskiy die Gruppe aufgrund von Streitigkeiten über deren zukünftige Ausrichtung verlassen hatte. Unter Jaremtschuks Leitung erlebte Smeritschka eine Renaissance, wobei Jaremtschuks Erfolg weiterhin maßgeblich für ihren Erfolg war. Gleichzeitig lernte Jaremtschuk mehrere neue Komponisten und Liedtexter kennen, was seinen Stil in den 1980er Jahren leicht veränderte.
Jaremtschuk spielte 1982 in dem sowjetischen Fernsehfilm „Usmishky Nechyporivkky“ () einen Matrosen. Im Film sang er Lieder von Raimonds Pauls, Oleksandr Zlotnyk und Jurij Rybtschynskyj. Eines der Lieder aus diesem Film, „Hay, zelenyy hay“, geschrieben von Zlotnyk und Rybchynskyy, wurde zu einem von Jaremtschuks bekanntesten Liedern.
Der lokale Fernsehsender von Lwiw drehte in dieser Zeit mehrere Musikvideos und Auftritte für Jaremtschuk. Über diesen Sender wurden Jaremtschuk und Smeritschka 1984 in dem Film „Poyot VIA ‚Smerichka‘“ porträtiert. 1990 strahlte derselbe Fernsehsender einen Musikfilm mit Jaremtschuk allein aus.
Im Jahr 1987 wurde Jaremtschuk der Titel Volkskünstler der Ukraine verliehen.
Konzerte in Katastrophengebieten und Kriegszonen Im Mai 1986 besuchte Jaremtschuk dreimal das Katastrophengebiet der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, um für die Aufräumarbeiter aufzutreten. Bei einem dieser Besuche begab er sich in die unmittelbare Nähe des verstrahlten Unglücksort. Von seiner Reise brachte er seine Schutzkleidung mit nach Hause, ohne sich der Gefahren der Strahlung bewusst zu sein. Als Dosimetristen ein Jahr später sein Haus untersuchten, stellten sie fest, dass der an der Wand hängende Schutzanzug stark radioaktiv kontaminiert war und entfernt werden musste.