Die Krähe und der Pflaumenbaum ist ein bengalisches Märchen.Heinz Mode, Arun Ray (Hrsg.): Bengalische Märchen, Insel-Verlag, Leipzig 1984, S. 119–121, 414–416.

Handlung Einer Krähe begehrte es nach der frischen Frucht eines Pflaumenbaums. Dieser gestattete sie ihr jedoch nicht, da die Krähe Unrat fräße und, würde sie ihn berühren, keiner mehr seine Früchte den Göttern darbringen würde. Der darüber Traurigen wurde geraten ihren Schnabel in Mutter Ganges Wasser zu reinigen; danach könne sie so viele Früchte essen, wie sie wolle. Mutter Ganges aber meinte, dass sie ihren Schnabel nicht in ihrem Wasser reinigen dürfe, da sie sonst nicht mehr als heilig erachtet werde. Also sollte die Krähe einen Topf besorgen, wohinein Mutter Ganges ihr etwas von ihrem Wasser schütten werde. So besorgte die Krähe einem Töpfer etwas Ton, damit er diesen daraus anfertigen konnte, doch es fehlte Feuer, um den Topf hartzubrennen. Die Krähe suchte daraufhin einen Mann mit Feuer auf, um etwas davon zu erbitten und erzählte ihre Geschichte. Der Mann jedoch meinte, dass sie lieber warten solle, bis die Früchte herunterfallen und erinnerte sie daran, dass Gier eine Sünde ist, worauf der Tod folgt. Auch meinte er zu der Krähe, dass sie das Feuer doch gar nicht tragen könne. Diese aber bestand darauf und so legte der Mann ihr ein Stück glühende Kohle auf den Rücken, woraufhin die Krähe verbrannte.

Hintergrund Das Märchen stammt aus Satya Charan Chakravartys Rupkathā (Calcutta 1929) und erhielt in Heinz Modes und Arun Rays Bengalische Märchen (Leipzig 1984) den Titel Die Krähe und der Pflaumenbaum. Eine burmesische Variante findet sich unter dem Titel The crow and the wren in Maung Htin Aungs Burmese Folktales (London 1948, S. 42 ff.). Beide Varianten zählen zu den Formel-Erzählungen und wurden nach Stith Thompsons und Warren E. Roberts Types of Indic Oral Tales (Helsinki 1960) dem Typ 2030 B zugeordnet, für den sieben indische Märchen angegeben sind. Nach Mode und Ray seien „das Gleichnis und die besondere Betonung der Unreinheit des Vogels […] vermutlich als deutliche Parallelen zur menschlichen Kastenordnung aufzufassen“.

Literatur Heinz Mode, Arun Ray (Hrsg.): Bengalische Märchen, Insel-Verlag, Leipzig 1984, S. 119–121, 414–416.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Literatur (Bengalisch)