Der Pestalozzi-Kalender, auf Französisch auch als Almanach Pestalozzi bekannt, ist eine Schweizer Schüler-Schreibagenda, die erstmals 1907 vom Berner Kaufmann Bruno Kaiser als Kaiser’s neuer Schweizer Schülerkalender für das Jahr 1908 herausgegeben wurde. Den landläufigen Namen Pestalozzi-Kalender, der schon im zweiten Jahr als Nebentitel verwendet wurde, erhielt sie wegen der Titelillustration der Erstausgabe mit der Darstellung des Denkmals für Johann Heinrich Pestalozzi in Yverdon.
Hintergrund und Entstehung Kaisers kommerzielles Projekt knüpfte nicht unmittelbar an ältere volksaufklärerische Pestalozzi- und Kinderkalender an, die zuvor in Zürich (1834–1841) und Dresden (1846–1893) erschienen waren. Aufgrund des reichhaltigen, auf das Publikum abgestimmten Text- und Bildteils, des Einbezugs realer und fiktiver jugendlicher Redaktoren und der Publikumseinsendungen steht der Schülerkalender vielmehr in der Tradition von Kalendergespräch und erdachten Kalenderfiguren der populären Volkskalender, wie des Simplizissimuskalenders, des Hinkenden Boten und des Rheinländischen Hausfreunds.
Inhalt und Einfluss Der Pestalozzi-Kalender übte grossen Einfluss auf die Jugendbildung aus. Er bot mit Stundenplanvordrucken, mathematischen Formelsammlungen und Konjugationstabellen einerseits eine direkte Hilfestellung für den Schulalltag, lud mit interessanten Experimenten, sinnhaften Sprüchen und biografischen Notizen bekannter Persönlichkeiten andererseits auch zum Schmökern ein. Die jährliche Auflagenhöhe erreichte bisweilen über 110'000 Exemplare, womit er einen Grossteil der Jugendlichen erreichte und als «der» Schweizer Jugendkalender galt.
Mittels der Pestalozzi-Spende wurden Gratisexemplare mit einem Grusswort des Bundesrats für Kinder von Auslandschweizern finanziert. Seit 1994 beginnt das Kalendarium im August, analog zum Schuljahr.
Versionen Eine französischsprachige Version erschien von 1910 bis 1968, eine italienischsprachige Version von 1918 bis 1972, weitere Ausgaben in anderen Ländern folgten. Eigens auf Knaben oder Mädchen zugeschnittene Versionen wurden auf Deutsch (ab 1913), Französisch (1924–1951 und 1954–1962) und Italienisch (ab 1931) herausgegeben. Dem deutschsprachigen Kalender wurde ab 1913 ein auch separat erhältlicher Wissens- und Unterhaltungsteil (Schatzkästlein) beigegeben.
Mitarbeiter Für die Redaktion zeichneten neben Bruno Kaiser ab 1919 Anna Autor sowie später Werner Kuhn, Konrad Richter und Martin von Aesch verantwortlich, für die Illustration Wilhelm Balmer, Ernst Linck, Paul Boesch, Beni Laroche und Anna Luchs.
Veröffentlichung Von 1943 bis 2001 erschien der Kalender bei der Stiftung Pro Juventute, von 2002 bis 2010 im Zürcher Atlantis-Verlag. Anlässlich seines 100-jährigen Jubiläums veranstaltete die Universitätsbibliothek Bern 2008 eine Ausstellung. Als Kurator fungierte Charles Linsmayer, der den Kalender seit 2011 herausgibt: von 2011 bis 2015 unter dem Titel Pestalozzi-Agenda, 2016–2017 unter wechselndem Namen bei Stämpfli in Bern und seit 2018 bei Werd & Weber bzw. Weber Verlag AG in Thun.
Literatur Otto Arndt, Oswald Gerhardt: Verzeichnis der pädagogischen Zeitschriften, Jahrbücher und Lehrerkalender Deutschlands. 1893. Louis Chazai: Bruno Kaiser e l’Almanacco Pestalozzi. 1936. Bruno Benz: Pestalozzi-Kalender. In: Historischer Kalender, oder, Der hinkende Bot. 285, 2012, S. 121–123.
Kategorie:Almanach Kategorie:Ersterscheinen 1907 Kategorie:Literatur (Schweiz) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Französisch) Kategorie:Literatur (Italienisch) Kategorie:Johann Heinrich Pestalozzi als Namensgeber Kategorie:Jugendbildung Kategorie:Kinder- und Jugendliteratur Kategorie:Schulbuchtyp