Klong (), auch klō̧ng, englische Umschriften klawng, glawng, ist der Oberbegriff für Membranophone in Thailand, die in klassischen Musikstilen und in der Volksmusik gespielt werden. Die meisten thailändischen Trommeln sind zweifellige, fassförmige oder zylindrische Röhrentrommeln, einfellig sind eine kleine (thon) und eine lange Bechertrommel (klong yao) sowie eine Rahmentrommel (rammana). Die Trommeltypen werden entweder mit den Händen oder mit dünnen Stöcken geschlagen. Durch Namenszusätze unterscheiden sie sich: Taphon (ตะโพน), auch klong taphon, ist eine waagrecht gespielte zweifellige Fasstrommel und die führende Trommel im klassischen Orchester piphat. Klong song na (กลองสองหน้า) ist eine der taphon ähnliche Fasstrommel, die im piphat-Ensemble bei Kompositionen mit epischen Gesängen die taphon ersetzt. Klong khaek (กลองแขก) ist eine lange zweifellige Zylindertrommel, die paarweise mit den Händen geschlagen wird und zu Unterhaltungsensembles mit Perkussions- und Saiteninstrumenten gehört. Manchmal ist klong chawa („javanische Trommel“) ein anderer Name für die klong khaek. Klong malayu (กลองมลายู, „malaiische Trommel“) ist eine zweifellige Röhrentrommel, etwas kleiner als die klong khaek, die im Ensemble piphat nang hong Bestattungszeremonien begleitet. Klong chana (กลองชนะ) ist eine etwas kleinere Röhrentrommel als die klong malayu, die im 16. Jahrhundert bei Militärprozessionen und später in großer Zahl bei königlichen Zeremonien verwendet wurde. Klong that (กลองทัด), auch klong thad, ist eine zweifellige Fasstrommel chinesischer Herkunft, deren Membranen nicht wie bei den bisher genannten Trommeln mit Bändern gegeneinander verspannt, sondern am Rand festgenagelt sind. Bei der stets paarweise im piphat gespielten klong that hängen zwei Trommeln ungefähr senkrecht an einem Gestell. Klong khon (กลองโขน) ist eine der klong that ähnliche Trommel, die beim Maskentanz khon gebraucht wird. Entsprechend gehören die klong nang zum thailändischen Schattenspiel nang talung und die klong nora zum Tanzstil nora. Klong jin (กลองจน, „chinesische Trommel“) ist eine der chinesischen tanggu entsprechende Fasstrommel, mit der Auftritte chinesischer Charaktere bei Theateraufführungen begleitet werden. Klong tuk (กลองตุ๊ก), auch klong chatri (กลองชาตรี), ist mit 25 Zentimetern Länge die kleinste Trommel. Sie wird paarweise im Ensemble piphat chatri unter anderem zur Begleitung des Tanztheaters lakhon chatri verwendet. Klong seng (กลองเส็ง), auch klawng sing, klong ching (กลองจิ่ง) und klong tae (กลองแตะ), sind in Nordostthailand (Isan) bei sportlichen Wettbewerben paarweise geschlagene lange Fasstrommeln. Klong tum (กลองตุ้ม) ist eine zweifellige kurze Zylindertrommel im Isan, die in der Volksmusik (mo lam) und bei Prozessionen verwendet wird. Klong yao (กลองยาว) ist eine langgestreckte Bechertrommel von Typ der südchinesischen „Elefantenfußtrommel“ (chinesisch xiangjiao gu), die in unterschiedlichen Größen bei zeremoniellen Prozessionen eingesetzt wird. Am größten ist die bis drei Meter lange klong ae. Klong kantrum (กลองกันตรึม) ist eine Bechertrommel, die im Isan lebende Khmer im Volksmusikstil kantrum spielen. Klong bantho (กลองบัณเฑาะว์), auch klawng bandhaw, ban thaw, ist eine aus der indischen religiösen Musik stammende sanduhrförmige Klappertrommel vom Typ der damaru, die früher in Thailand nach hinduistischer Tradition bei königlichen Zeremonien gespielt wurde.

Nicht mit dem Oberbegriff klong bezeichnet werden die Rahmentrommel rammana (รำมะนา), die stets zusammen mit der kleinen Bechertrommel thon zur Unterhaltung in Ensembles von Tanztheatern gespielt wird, und die von den in Myanmar und Thailand lebenden Mon verwendete zweifellige Zylindertrommel poeng mang (เปิงมาง). mini|hochkant=2|Trommeln der klassischen Ensembles (khruang) mahori und piphat. Von links nach rechts: Fasstrommel taphon, stehend Zylindertrommel klong khaek, liegend klong malayu, stehend poeng mang, Bechertrommel thon, chinesische Fasstrommel klong that, Rahmentrommel rammana, kleine Fasstrommel klong chatri. Illustration in einer Abhandlung über thailändische Musikinstrumente von Prinz Damrong, 1931

Herkunft Indien mini|Südindische Doppelkonustrommel maddale Auf dem südostasiatischen Festland besitzen die klassischen Musikstile von Thailand, Laos und Kambodscha die größten Gemeinsamkeiten. Die Entsprechungen rühren von den gleichermaßen starken Einflüssen durch die indische Kultur her, die sich nach der Gründung des indisierten Reiches Funan Anfang des 1. Jahrtausends verbreitete. Bis heute ist der indische Einfluss in den auf die altindischen Sprachen Sanskrit und Pali zurückgehenden musiktheoretischen Begriffen erkennbar.Gretel Schwörer-Kohl: Thailand. I. Einleitung und Geschichte. In: MGG Online, Februar 2022 Mehrere in Indien im 1. Jahrtausend gebräuchliche Musikinstrumente sind auf Tempelreliefs in Angkor (bis zum 13. Jahrhundert) abgebildet, einige Instrumententypen wie die Stabzither (in Kambodscha kse diev, in Nordthailand phin phia) werden noch vereinzelt in der Volksmusik gespielt, andere, wie die alten indischen Bogenharfen vina und yazh, aus denen die Khmer-Harfe pin wurde, sind bis auf die saung gauk in Myanmar in Südostasien verschwunden.

Die in Indien seit der Zeitenwende abgebildete, bis heute in Nordindien als damaru und dhadd, in Südindien als timila und idakka bekannte Sanduhrtrommel erscheint nur an einer Stelle am Angkor Wat und ist ansonsten in Südostasien kaum nachweisbar. Eine seltene Ausnahme ist die in Thailand bis ins 20. Jahrhundert rituell verwendete Sanduhrtrommel klong bantho. Bei den mit einer Hand auf das obere Fell geschlagenen Zylindertrommeln, die mehrfach am Angkor Wat abgebildet sind und die heute in Kambodscha skor arakh genannt werden, ist ihre indische Herkunft unsicher.

Die in den traditionellen thailändischen Musikstilen am häufigsten verwendeten Trommeln sind Fasstrommeln indischer Herkunft. In Indien sind Fasstrommeln und ähnliche Doppelkonustrommeln häufig auf Reliefs an buddhistischen Stupas ab etwa dem 1. Jahrhundert v. Chr. und später an Hindutempeln abgebildet. Die heutigen südindischen Trommelnamen mridangam, maddalam und maddale gehen auf Sanskrit mridanga aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. zurück.Walter Kaufmann: Musikgeschichte in Bildern. Band 2: Musik des Altertums. Lieferung 8: Altindien. Hrsg. Werner Bachmann. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1981, S. 32, 64 Am Angkor Wat ist allerdings nur eine einzige Fasstrommel abgebildet.Roger Blench: Musical instruments of South Asian origin depicted on the reliefs at Angkor, Cambodia. EURASEAA, Bougon, 26. September 2006, S. 3f Ihr entsprechen die heute in Kambodscha gespielte samphor und die taphon in Thailand, deren beide Membranen mit parallelen Schnüren gegeneinander gespannt sind. Dem Namen nach indischer Herkunft ist die klong khaek, mit khaek (thailändisch allgemein „Inder“ oder „Muslim“), ähnlich malaiisch keling („Südinder“ oder „Tamile“). Dem Namen nach wurde die klong khaek aus Indonesien oder Malaysia eingeführt.Terry E. Miller, Jarernchai Chonpairot, 1994, S. 84

Indische Musiker sitzen auf dem Boden und legen Doppelkonustrommeln wie mridangam, maddalam und pakhawaj waagrecht auf ein Bein oder auf eine Unterlage, während sie mit den Händen auf beide Membranen schlagen. (Skor) samphor und (klong) taphon werden wegen ihrer Form, einer ähnlichen Spielhaltung und der auf den Membranen angebrachten Stimmpaste auf diese indischen Trommeln zurückgeführt. Es wird angenommen, dass die samphor, die zum kambodschanischen höfischen Orchester pinpeat gehört, bereits in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends eingeführt wurde.Ministry of Culture and Fine Arts (Hrsg.): Royal Ballet. Pnom Penh, Juli 2008, S. 57 Einen Bezug zur hinduistischen Tradition Indiens zeigen Mythen, die über die taphon erzählt werden und die in die thailändisch-buddhistische Kultur eingegangen sind. Die taphon wird als Instrument des Phra Parakhonthape (Phra Parakantapa) aufgefasst, des himmlischen Musikers, der für die Götter musiziert. Er entspricht dem indischen mythischen Weisen Narada, der stets mit dem von ihm erfundenen Saiteninstrument vina erscheint. Die Erhöhung zum göttlichen Musikinstrument soll die hervorgehobene Bedeutung der taphon in den klassischen thailändischen Musikstilen begründen. Nach einer indischen Legende wurde die mridangam zu Ehren des obersten Gottes Shiva erfunden und dessen göttlicher Sohn Ganesha soll als erster die Trommel gespielt haben.Friedrich Seltmann: Vergleichende Komponenten der Schattenspielformen von Süd-Indien, Malaysia, Thailand, Kambodscha, Bali und Java. In: Tribus. Veröffentlichungen des Linden-Museums, Nr. 23, Stuttgart 1974, S. 23–70, hier S. 52 In der thailändischen Fassung einer Erzählung (Jataka) aus dem Leben des historischen Buddha hatte dieser seine Mutter im Himmel besucht und war danach auf die Erde zurückgekehrt. Bei seiner Ankunft schlug Gott Indra die taphon zur Begleitung der musizierenden Engel. Einer der Engel (Gandharvas), Phra Panchashikara (Pancashikha), spielte für Buddha die Langhalslaute phin. Der Zusammenhang wird auch durch die Etymologie deutlich: Phra ist von Pali für „Gott, Herr“ abgeleitet, das mit Sanskrit para, „über“ verwandt ist. Kanthapa ist die thailändische Aussprache von Pali gandhabbo, das auf Sanskrit gandharva zurückgeht.Gretel Schwörer-Kohl, 1993, S. 1883

In der Literatur aus der Zeit des Königreichs Ayutthaya (1351–1767) wird die zweifellige Fasstrommel des höfischen Orchesters piphat als muthing oder marithang bezeichnet. Der frühere Name saphon für die taphon rückt die thailändische Fasstrommel näher an die kambodschanische samphor, die deren unmittelbares Vorbild gewesen sein könnte.Anant Narkong, 1992, S. 7f

Der indische Kultureinfluss erstreckte sie ab Anfang des 1. Jahrtausends auch auf Sumatra und Java. Indische zweifellige Trommeln mit Schnurverspannung sind in unterschiedlichen Formen (konisch, fassförmig und sanduhrförmig) auf Java am buddhistischen Borobudur aus dem 9. Jahrhundert abgebildet.Jaap Kunst: Music in Java. Its History, its Theory and its Technique. 3. Auflage herausgegeben von Ernst L. Heins. Zwei Bände. Martinus Nijhoff, Den Haag 1973, Band 1, S. 107 Die im javanischen Gamelan und vielen anderen indonesischen Musikstilen gespielte fassförmige oder zylindrische kendang besitzt eine Membranverspannung aus Rattanstreifen. Die kendang entspricht mit ihrer musikalischen Führungsrolle im Ensemble der taphon. Curt Sachs (1923) ordnet mit Verweis auf das Material der Spannriemen die thailändischen Fasstrommeln entweder einem direkten indischen (taphon mit Hautstreifen) oder einem malaiischen Einfluss zu (klong khaek mit einer Verspannung aus Rattan).Curt Sachs: Die Musikinstrumente Indiens und Indonesiens. Zugleich eine Einführung in die Instrumentenkunde. (Handbücher der Staatlichen Museen zu Berlin). 2. Auflage. Vereinigung wissenschaftlicher Verleger Walter de Gruyter, Berlin 1923. Nachdruck: Olms, Hildesheim 1983, S. 74

China mini|hochkant|Chinesische „große Trommel“ dagu mit genagelten Membranen in der chinesischen Nationalbibliothek, Peking