mini|General George Washington 1779, Kommandeur der amerikanischen Kontinentalarmee, Gemälde von Charles Willson Peale

Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg ( oder ) fand von 1775 bis 1783 zwischen den Dreizehn Kolonien und der britischen Kolonialmacht statt. Er war der Höhepunkt der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung und führte nach der Unabhängigkeitserklärung 1776 und der Bildung der Konföderation 1777 zu deren siegreichem Abschluss und zur Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika.

Der Ausgang des Krieges wurde ab 1778 erst durch das aktive Eingreifen Frankreichs zu Gunsten der Kolonisten entschieden. Die Hauptkampfhandlungen endeten im Jahre 1781 nach der britischen Niederlage in der Schlacht bei Yorktown, der Krieg selbst wurde mit der Unterzeichnung eines Vorfriedens am 30. November 1782 bzw. des Friedens von Paris am 3. September 1783 offiziell beendet.

Vorgeschichte Bereits zu Beginn der Herrschaft Georgs III. (1760–1820) waren die Spannungen zwischen dem britischen Mutterland und den Kolonien groß. Ursachen waren die kolonialen Handelshemmnisse (u. a. Verbot von Industrie in den Kolonien, was diese zwang, Endprodukte aus dem Mutterland zu beziehen), britische Siedlungsverbote westlich der Appalachen sowie die erheblichen steuerlichen Belastungen, zum Beispiel die Townshendgesetze (Townshend Acts) von 1767. Auf der Notenbankseite wurde im Jahr 1751 den Kolonien die Geldmenge ihrer eigenen Währung Colonial Scrip beschränkt, 1764 mit dem Währungsgesetz die eigene Währung untersagt (Currency Act).

Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) in Europa versuchte Großbritannien, die hohen Kriegskosten unter anderem durch erhöhte bzw. neue Steuern (siehe Stamp Act) und Abgaben ihrer Überseekolonien auszugleichen, was in der Folge die Amerikanische Revolution in Gang setzte. Die Kolonisten hingegen forderten eine freie Wahl ihrer Handelspartner sowie mehr Mitsprache und Eigenständigkeit, ohne jedoch eine Selbständigkeit anzustreben. Populär war der Slogan , das heißt keine Besteuerung ohne eine Möglichkeit der politischen Mitsprache. Das britische Parlament lehnte 1767 die Kolonistenwünsche ab, stattdessen wurden freigewordene Truppen nach Amerika geschickt.

Die Unabhängigkeitsbewegung wurde zunächst von Samuel Adams und Thomas Jefferson geführt. Mehrfach kam es zu Übergriffen in Boston, teilweise gesteuert durch die Geheimgesellschaft Sons of Liberty. Nach dem ersten Boykott 1770 kam es 1773 zur Boston Tea Party. Die britische Regierung verabschiedete daraufhin 1774 die sogenannten „unerträglichen Gesetze“ (Intolerable Acts) und ordnete die Beschlagnahmung militärischer Vorräte in Massachusetts an (vgl. Powder-Alarm). Die Kolonisten reagierten darauf mit der Einberufung des ersten Kontinentalkongresses, der im September und Oktober 1774 in Philadelphia tagte. Alle 13 Kolonien (Connecticut, Delaware, Georgia, Maryland, Massachusetts, New Hampshire, New Jersey, New York, North Carolina, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, Virginia) verweigerten von nun an den Handel mit Großbritannien.

Am 9. Februar 1775 erklärte die britische Regierung Massachusetts zur abtrünnigen Provinz. Am 23. März hielt Patrick Henry vor der Provinzversammlung von Virginia seine Rede . Auf britischer Seite war die Entschlossenheit König Georgs III., die Kolonien mit Gewalt zu bezwingen, durchaus populär. Am 30. März verabschiedete das britische Parlament den New England Restraining Act, mit dem die aufrührerischsten Provinzen bestraft werden sollten. Ein entsprechender Antrag wurde 1775 im Unterhaus des Parlaments mit 304 gegen 105 Stimmen, im Oberhaus mit 104 gegen 29 Stimmen angenommen.William Makepeace Thackery: Die vier George. Reclam, Leipzig 1965, S. 95 und 97. Diese Maßnahme konnte aber den Zusammenschluss der Provinzen in der nun folgenden Auseinandersetzung nicht mehr verhindern. Einfluss von Finanz- und Wirtschaftsinteressen Dem Unabhängigkeitskrieg vorangegangen waren wiederkehrende Bestrebungen einflussreicher Kolonisten, in den britisch-amerikanischen Provinzen auch eigene Finanz- und Wirtschaftshoheit zu erlangen, z. B. durch die Schaffung einer neuen „Kolonial“-Währung (der spätere US-Dollar). Das vom britischen Mutterland 1704 erlassene Münzprägeverbot für amerikanische Kolonien trug über Jahrzehnte wesentlich zur Verhinderung derartiger Bestrebungen bei. 1774 fanden sich einige einflussreiche Männer, darunter auch der spätere US-Präsident George Washington, als Delegierte der jeweiligen Provinz-Volksvertretungen zusammen und bekannten sich als erster Kontinentalkongress, was letztlich einer Form von „offener Putschabsicht“ gegen die Staatshoheit der britischen Kolonialmacht gleichkam. Schon im Jahr darauf entbrannte der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg, 1776 riefen die Mitglieder dieses „Kongresses“ die Schaffung einer eigenen Währung aus (Kontinental-Dollar).

Eines der einflussreichen Kongressmitglieder war Robert Morris, der schon zuvor als Mitglied des sogenannten Geheimkomitees mit Kriegsvorbereitungen bezüglich des späteren Schmuggels von Kriegsausrüstung bzw. illegalen Imports von Waffen und Munition in die britischen Kolonien befasst war. Zudem war er Ideenbringer bezüglich der Gründung einer ersten Privatbank in Amerika (die spätere Bank of North America), die den späteren Druck bzw. die Ausgabe der neuen Währung sicherstellen sollte. Morris wurde von den Kongressmitgliedern mit der Aufsicht dieser „Noten-Bank“ betraut. Nach Ende des Unabhängigkeitskrieges strich man 1785 den Begriff „Kontinental-“ aus dem bisherigen Währungsnamen.

Rund um die Schaffung einer US-amerikanischen Verfassung 1787/89 wurde das frühere Kongressmitglied, der Bankgründer (Bank of New York) und (spätere) erste Finanzminister des neugegründeten Staates (USA), Alexander Hamilton, mit den Überlegungen für eine erste nationale „Staatsbank“ betraut, die schließlich ab 1791 als First Bank of the United States die frühere Rolle der Bank of North America als nunmehr offizielle Notenbank übernehmen sollte. Zu einer ihrer ersten Aufgaben gehörte auch die Abwicklung eines umfangreichen Privatisierungsprogramms der neuen Regierung, mit dem Ziel des Verkaufs von ausgedehnten nordamerikanischen Landflächen bzw. Immobilien, die vormals im Besitz der Briten waren, deren Eigentümer-Vertretung aber die ersten US-Regierungsmitglieder als eine Folge des Krieges und der Staatsgründung erlangten.

Ausbruch mini|George Washington auf einer Vierteldollar-Münze Am 19. April 1775 fanden die ersten Scharmützel einer amerikanischen Miliz mit britischen Truppen, die Gefechte von Lexington und Concord, statt. Sie gelten als der Beginn des Unabhängigkeitskrieges. In den Kolonien hatten bedeutende Teile der Elite zunächst nicht beabsichtigt, die volle Unabhängigkeit anzustreben. Sie waren vielmehr um eine Gleichberechtigung bemüht und wollten lokale Angelegenheiten ohne Einmischung des englischen Parlaments lösen. Der Gegner war zumindest zu Beginn das Parlament in London, während nicht wenige Mitglieder der amerikanischen Elite durchaus loyal zum König standen, den sie für schlecht beraten hielten. Als König Georg III. im Oktober 1775 den Parlamentsbeschlüssen vom November vorgriff und diesen volle Rückendeckung gab, sodass die dem König direkt unterstehende Royal Navy amerikanische Schiffe aufbringen sollte, änderte sich die Stimmung grundlegend.Stephen Conway: A Short History of the American Revolutionary War. London/New York 2013, S. 64.

Zunächst war die Lage der 2,5 Millionen aufständischen Siedler ungünstig: Weder reguläre Truppen noch finanzielle Mittel und Kriegsmaterial waren in ausreichender Menge vorhanden. George Washington, zu dieser Zeit Gutsbesitzer aus Mount Vernon (Virginia), erhielt am 2. Juli 1775 den Oberbefehl über eine 15.000 Mann starke Ansammlung von Miliztruppen aus den Bundesstaaten Neuengland, Pennsylvania, Maryland und Virginia, die „Kontinentalarmee“ genannt wurde.Philipp Gassert u. a.: Kleine Geschichte der USA. Reclam, Stuttgart 2007, S. 132. Auf der gegnerischen Seite standen neben den britischen Truppen 30.000 Söldner aus deutschen Staaten. Diese Streitmacht wurde unterstützt von Loyalisten (englandtreuen Siedlern) und von mehreren englandtreuen Indianerstämmen, die weitere Verletzungen des Grenzabkommens von 1763 nach der Unabhängigkeit befürchteten. Da der größte Teil der deutschen Söldner aus Hessen-Kassel stammte, wird dieser Truppenteil in der englischsprachigen Geschichtsschreibung häufig Hessians genannt.Philipp Gassert u. a.: Kleine Geschichte der USA. Stuttgart 2007, S. 133. Der Versuch von Truppen unter dem Kommando von Benedict Arnold, Kanada den Briten zu entreißen, scheiterte am 31. Dezember 1775 nach Anfangserfolgen mit der Niederlage in der Schlacht von Québec. Am 4. Juli 1776 erklärten die aufständischen 13 Staaten ihre Unabhängigkeit.

Verlauf des Krieges Im August 1776 nahmen die Briten New York ein. George Washington gelang es nach einer Reihe von Niederlagen, im Dezember 1776 mit seinem Sieg in der Schlacht von Trenton die Situation der Aufständischen zu stabilisieren. Die heimliche Unterstützung der Aufständischen mit Waffen durch Frankreich unter Mitwirkung Beaumarchais’ ab 1776 spielte zweifellos eine entscheidende Rolle. Im September 1777 besetzten die britischen Truppen Philadelphia. Mit ihrem Sieg in der Schlacht bei Saratoga (19. September bis 17. Oktober 1777) gelang der amerikanischen Armee jedoch eine Wende im Krieg. Trotz dieses Sieges war die militärische Lage im Winter 1777/78 für die amerikanische Armee sehr schlecht. Die amerikanischen Milizen gingen aus Mangel an Verpflegung, Geld und Kleidung nach Hause. Das Heer bestand zeitweise nur noch aus rund 5000 Mann. Einheitliche disziplinarische und dienstliche Strukturen existierten praktisch nicht. Zu diesem Zeitpunkt zog sich Washington nach Valley Forge bei Philadelphia, außerhalb des britischen Einflussbereiches, zurück.

Die hier verstärkte Ausbildung der Truppen, bei der Friedrich Wilhelm von Steuben eine wichtige Rolle spielte, gilt als einer der entscheidenden Faktoren für den Sieg im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Steuben baute die Armee im Lager von Valley Forge als Generalmajor und Generalinspekteur taktisch und operativ auf und um (Regeln für die Ordnung und Disziplin der Truppen der Vereinigten Staaten, 1779). Er sorgte für die Disziplinierung, die Organisation und die Einübung der Truppen und war zeitweilig Generalstabschef George Washingtons. Bis 1784 blieb Steuben zudem Generalinspekteur des Heeres. Die Verbesserungen Steubens in der Kontinentalarmee zeigten sich am 28. Juni 1778 in der Schlacht von Monmouth. Dadurch wuchs bei den Soldaten der Optimismus, den Briten auch in einer offenen Schlacht gewachsen zu sein. Die Briten und ihre Verbündeten litten zunehmend unter einer Zersplitterung der Kräfte und an Nachschubproblemen, die sich mit dem Kriegseintritt Frankreichs 1778, Spaniens 1779 und der Niederlande 1780 auf Seiten der Amerikaner weiter verschärften. Der Konflikt wurde jetzt zunehmend auch zur See ausgetragen (siehe auch Englisch-Niederländischer Krieg (1780–1784)). Insbesondere Frankreich verlegte in größerem Maße Truppen in die USA.

Lexington, 19. April 1775 mini|hochkant=1.6|Zug der Briten nach Concord, April 1775

Die Feindseligkeiten zwischen der britischen Kolonialmacht und den amerikanischen Siedlern eskalierten in Concord und Lexington in Massachusetts, als britische Truppen, die aus Boston ausgeschwärmt waren, um Vorratslager der Rebellen auszuheben, am 18. April 1775 mit bewaffneten Siedlergruppen aneinandergerieten. Es ist unbekannt, wer dabei den ersten Schuss abfeuerte (vgl. Der Schuss, der um die ganze Welt gehört wurde). Die Gefechte von Lexington und Concord endeten mit dem Rückzug der Briten nach Boston, das danach von den amerikanischen Siedlern belagert wurde.

Ticonderoga, 10. Mai 1775