mini|Johann Bernhard von Muralt, Bildnis von Johann Rudolf Huber (1710) Johann Bernhard von Muralt, auch Hans Bernhard von Muralt (* 14. August 1634 in Bern; † 14. Oktober 1710 ebenda), war ein Berner Diplomat und Politiker.

Leben Herkunft und Familie Die Familie von Muralt stammte ursprünglich aus Locarno, war aber 1555 wegen ihrer Annahme des protestantischen Glaubens zunächst nach Zürich geflohen, bevor der Wundarzt Hans Ludwig von Muralt (1546–1606) 1570 als erstes Familienmitglied ins Berner Burgrecht aufgenommen wurde.

Johann Bernhard wurde als ältester Sohn von Jost von Muralt (* 14. Juni 1601 in Bern; † 1676 in Königsfelden), Vogt in Gottstatt und Vogt in St. Johannsen und dessen Ehefrau Maria (* 28. April 1614 in Bern), die Tochter von Konrad Schweitzereisen († 1626), Pfarrer in Vinelz, geboren; er hatte noch sieben Geschwister. Sein jüngerer Bruder war der Politiker und Offizier in Fremden Diensten, Franz Ludwig von Muralt, der Vater des Schriftstellers Beat Ludwig Muralt.

Er war der Enkel des Wundarztes Hans Ludwig von Muralt, und dessen Ehefrau Maria, die Tochter des Berner Schultheissen Beat Ludwig von Mülinen. Sein Urgrossvater war Martino Muralto und sein Ahnherr war Gaffo de Muralto. mini|Johanna Katharina Steiger, 1643, Bildnis von Albrecht Kauw Am 17. Januar 1661 heiratete Johann Bernhard Johanna Katharina (1641–1689), die Tochter des Kleinrats Georg Steiger (1612–1686) von Rolle, Landvogt von Yverdon und Morges, und dessen Ehefrau Marie von Diesbach; aus dieser Ehe gingen elf Kinder hervor. Seine Tochter Salome von Muralt heiratete 1699 den Politiker Johann Anton Tillier und die weitere Tochter Maria von Muralt war mit dem Oberdirektor der Salzwerke in Aigle, Johann Anton von Graffenried (1658–1731) verheiratet; ihr gemeinsamer Sohn war der spätere Politiker Johann Bernhard von Graffenried (1691–1764).

Sein Sohn Wilhelm von Muralt war mit Agathe Dorothea (1667–1743), die Tochter des Politikers Vinzenz Stürler (1617–1658) verheiratet und sein anderer Sohn Hans Georg von Muralt (1678–1754) wurde später Politiker.

Zu seinen Enkeln gehörten unter anderem Johann Anton Kirchberger (1687–1744), Johann Bernhard von Muralt (1709–1780) und Johann Anton Tillier.

Seine Ehefrau Johanna Katharina brachte den Landsitz Rothaus in der Gemeinde Ostermundigen mit in die Ehe ein.

Im Jahr 1694 erwarb er von Daniel Stürler die Freiherrschaft und das Schloss Belp.

Er war 1681 Mitstifter des Muraltischen Familienfonds.

Politische Karriere Am Gründonnerstag 1664 wurde von Muralt in den Grossen Rat gewählt. In den folgenden Jahrzehnten bekleidete er mehrere Ämter in der bernischen Administration: 1671 Grossweibel, von 1674 bis 1680 Hofmeister in Königsfelden und 1684 rückte er in den Kleinrat auf und wurde im selben Jahr Heimlicher. Zwischen 1693 und 1699 war er, als Nachfolger von Johann Rudolf Tillier, Deutsch-Seckelmeister und in dieser Zeit drei Jahre lang Kandidat für das Amt des Schultheissen, erhielt aber nicht die erforderliche Stimmenmehrheit gegenüber Hans Rudolf Sinner. Sein Nachfolger als Deutsch-Seckelmeister war Johann Rudolf Bucher (1640–1719). 1709 wurde Muralt zum Venner von Gerwern ernannt.

Diplomatische Missionen Von Muralts Karriere war geprägt durch zahlreiche Gesandtschaften, mit denen die Berner Regierung ihn betraute.

Waldenser-Missionen (1686): Im Winter 1686 wurde von Muralt gemeinsam mit dem Zürcher Ratsherrn Caspar von Muralt (1627–1718) nach Turin gesandt, um beim Herzog von Savoyen, Victor Amadeus II., für die Waldenser zu intervenieren, die nach der Aufhebung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV. unter Verfolgung litten. Die Mission scheiterte; die beiden Abgesandten konnten weder eine Milderung der herzoglichen Verordnungen erreichen noch die Waldenser zum freiwilligen Auszug bewegen.

Zwischen 1690 und 1709 wurde von Muralt mehrfach zu den Tagsatzungen nach Luzern und Zürich entsandt, wo er die bernischen Interessen vertrat und an Verhandlungen über gemeineidgenössische Angelegenheiten beteiligt war.

Waadt-Mission (1690): Von Muralt war als Leiter einer Gesandtschaft erfolgreicher: Gemeinsam mit dem Welsch-Seckelmeister Hans Rudolf Sinner sowie Vertretern aus Freiburg und Solothurn reiste er nach Luzern. Dort brachten sie erneut das über 150 Jahre alte Anliegen vor, die Waadt unter den Schutz der Eidgenossenschaft zu stellen. Trotz anfänglichen Widerstandes des päpstlichen Nuntius Bartolomeo Menatti (1621–1702) und des savoyischen Gesandten Grafen Govon erreichte die Delegation mit staatsrechtlichen Argumenten schliesslich, dass dem Berner Anliegen entsprochen wurde.

Akademiereform (1697): Im Herbst 1697 wurde von Muralt mit dem Welsch-Seckelmeister Emanuel Steiger (1642–1709) und zwei Professoren der Hohen Schule Bern nach Lausanne entsandt, um Missbräuche an der dortigen Akademie zu untersuchen. Sein Bericht führte zur neuen Schulordnung von 1700.

Neuchâtel-Erbstreit (1699): Im April 1699 wurde von Muralt nach Luzern gesandt, um Berns Haltung im Erbstreit zwischen dem Prinzen von Conti, François Louis de Bourbon, und der Herzogin von Nemours, Marie de Nemours, abzuklären. Zusammen mit dem Venner Johann Friedrich Willading nahm er an einem Treffen der vier verbündeten Städte in Langenthal teil, um den Prinzen von Conti dazu zu bewegen, seine Ansprüche erst nach dem Ableben der Herzogin von Nemours einzufordern. Nachdem der Grosse Rat am 5. Mai den Bericht von Muralts und Willadings offiziell bestätigt hatte, kündigte der Prinz von Conti der Berner Regierung seinen Rückzug und die Rückkehr nach Frankreich an.

Französische Angelegenheiten (1703–1704): Nach dem Umschwung der savoyischen Aussenpolitik im Oktober 1703 wurde von Muralt mehrfach als Gesandter zu französischen Marschällen und Generälen entsandt, um Berns Interessen in der Waadt zu schützen. Bei einer Mission zum Herzog von La Feuillade, Louis d’Aubusson, nahm er ein Geschenk von 70 Dublonen an, was nach seiner Rückkehr zu Ermittlungen führte. Der Geheime Rat verurteilte ihn zu einer Geldbusse von 400 Dublonen an das Zeughaus.

Münstertal-Krise (1705): Von Muralt führte eine Abordnung ins Münstertal, um den vom neuen Bischof Johann Konrad von Reinach-Hirtzbach abgesetzten Bannerherrn Henry Wisard (1650–1723) wieder einzusetzen. Diese Aktion, unterstützt durch 1.500 bereitgestellte Soldaten, führte zu Verhandlungen in Nidau am 30. März 1705 und zur Bestätigung der alten Burgrechte des Münstertales.

Weitere Missionen: 1707 wurde von Muralt zum französischen Botschafter nach Solothurn gesandt, um die Freilassung mehrerer auf dem Genfer See von französischen Soldaten gefangengenommener Personen zu erwirken. 1708 unternahm er zusammen mit Ratsherr Niklaus Tscharner (1650–1737) eine Mission nach Zürich, um die durch Religionsstreitigkeiten im Toggenburg entstehenden Spannungen zu dämpfen.

Innenpolitische Kontroversen Von Muralt war eine prägende Figur in der innerbernischen politischen Debatte. 1697 trug er als Berichterstatter in einer wichtigen Diskussion über die sogenannten "Standeskrankheiten" vor, in der er die wachsende Verschuldung des Staates kritisierte und Massnahmen gegen Luxusausgaben und den überhandnehmenden Prunkaufwand forderte.

Ein wichtiger Konflikt entstand in Muralts Auseinandersetzung mit der Religionskommission von 1698. Als diese mit unerbittlicher Härte gegen Pietisten und religiöse Nonkonformisten vorging und mehrere Studenten und Geistliche verfolgte, erhob sich von Muralt in einer Denkschrift an die Zweihundert des Grossen Rates gegen die blinde Strenge der Geistlichkeit. Dies führte zu einer gegen ihn gerichteten Schmähschrift im Februar 1699, die der Grosse Rat vom Scharfrichter verbrennen liess. Von Muralt erklärte, sein Widerstand sei durch seine Vaterlandsliebe motiviert. Trotz dieser Kontroverse verteidigte von Muralt den zu Unrecht verfolgten Pfarrer Johannes Müller von Belp.

Ein persönlicher Konflikt mit Schultheiss Hans Rudolf Sinner kam 1696 zu Tage, als die beiden Rivalitäten in den obersten Behörden zur Sorge des Kleinen Rates führten. Die beiden Männer zeigten jedoch wenige Tage später ihre Versöhnung formal an.

Späte Jahre 1710 erreichte von Muralt die Löschung der gegen ihn gerichteten Beschlüsse des Geheimen Rates vom Mai 1704 bezüglich seiner Mission zum Herzog von La Feuillade.

Literatur Johann Bernhard von Muralt. In: Sammlung bernischer Biographien, 1. Band. Bern, 1884. S. 387–393 (Digitalisat).

Weblinks Johann Bernhard von Muralt. In: Indexeintrag: Deutsche Biographie.

Einzelnachweise

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