mini|Elizabeth Sarah Guinness: Portrait of Caroline Ashurst Biggs, 1893 Caroline Ashurst Biggs (* 23. August 1840 in Leicester, Leicestershire; † 4. September 1889 in Notting Hill, London) war eine englisch-britische Frauenrechtlerin und ein Mitglied der dritten Generation der Ashurst‑Familie radikaler Reformer. Auf der Weltausstellung Chicago 1893 (World’s Columbian Exposition) im Jahr 1893 war ihr Porträt in einer Ausstellung von Portraits of Eminent British Women vertreten, in einer Abteilung, die den Pioneers in Philanthropy and General Advancement of Women gewidmet war.

Leben Biggs wurde als zweites Kind von Matilda Ashurst Biggs (1818–1866) und Joseph Biggs (1809–1895) geboren. Auf väterlicher Seite war sie eine Nichte von zwei radikalen Abgeordneten aus Leicester: John Biggs und William Biggs. Mütterlicherseits war ihr Großvater der bedeutende britische Jurist William Henry Ashurst, der bei radikalen Anliegen von der Abschaffung der Kirchensteuer bis hin zur italienischen Einigungsbewegung großen Einfluss ausübte. Ihre Tante Eliza Ashurst Bardonneau gehörte zu den ersten, die die Romane George Sand ins Englische übersetzten. Eine weitere Tante, Emilie Ashurst Venturi, war die wichtigste Übersetzerin und Propagandistin des italienischen Nationalisten Giuseppe Mazzini, Herausgeberin von The Shield, der Zeitschrift zur Aufhebung der Contagious Diseases Acts, und Verfasserin zahlreicher Essays. Auch ihre drei Schwestern publizierten: Elizabeth Ashurst Biggs (1838–1905) veröffentlichte zwei Romane anonym; Maude Ashurst Biggs (1857–1933) war eine Verfechterin des polnischen Nationalismus und steuerte 23 Artikel zur Englishwoman’s Review bei; Kate Ada Ashurst Biggs (1859–1901) veröffentlichte zwei Artikel in The Gentleman’s Magazine.

Biggs war eine engagierte Verfechterin des Frauenwahlrechts. Zusammen mit ihrer Schwester Elizabeth und ihren Tanten Emilie Venturi und Caroline Ashurst Stansfeld unterzeichnete sie 1866 die erste große Petition für das Frauenwahlrecht. Biggs war gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem Onkel in der Londoner National Society for Women’s Suffrage (NSWS) aktiv. 1867 wurden Biggs und Clementia Taylor gemeinsam zu Schriftführerinnen gewählt. Sie übte dieses Amt bis 1871 aus, als John Stuart Mill sich dafür einsetzte, sie wegen ihrer Unterstützung der Aufhebung der Contagious Diseases Acts auszuschließen. Mills schrieb in einem Brief an den befreundeten, ebenfalls im Komitee der NSWS sitzenden George Croom Robertson über Biggs:

1872 trennte sich Biggs von der NSWS und trat dem Exekutivkomitee des Zentralausschusses der National Society for Women’s Suffrage bei. Diese Abspaltung umfasste ihre Schwestern Caroline Stansfeld und Emilie Venturi sowie bedeutende Aktivistinnen der Zeit wie Ursula Bright, Lydia Becker, Frances Power Cobbe und Helen Blackburn. Biggs hielt Dutzende von Reden zur Förderung des Frauenwahlrechts in ganz Großbritannien, darunter in Suffolk und Wales. Als Frauen 1870 das Wahlrecht für die School Boards erhielten, unterstützte Biggs aktiv Kandidatinnen und sprach sich auf öffentlichen Versammlungen für sie aus.

Biggs war Mitglied von Clementia Taylors Vereinigung zur Abschaffung der Sklaverei, der London’s Ladies Emancipation Society. Nach dem Sieg der Union im Amerikanischen Bürgerkrieg 1865 änderte Taylor den Namen in London Negro Aid Society. Biggs war außerdem in der Society for the Employment of Women aktiv, eine Sache, die häufig von The Englishwoman’s Review befürwortet wurde.

Mit anderen gründete Biggs die Society for Promoting the Return of Women as Poor Law Guardians, um Frauen als Kümmerer für Frauen und Kinder in Arbeitshäusern zu ermuntern. Die Gesellschaft druckte und verbreitete ihren Leitartikel Women as Poor Law Guardians nach. Sie ermutigte zur Bildung lokaler Ausschüsse und organisierte Versammlungen. Tatsächlich war es James Stansfeld, der Ehemann ihrer Tante Caroline Stansfeld, der 1872 die mit Jane Senior erste Frau als Poor Law Guardians ernannte. Zum Zeitpunkt ihres Todes waren 76 Frauen in dieser Funktion tätig.

Wie bei anderen Mitgliedern der Familie hatte Biggs’ Aktivismus auch eine moralische Dimension, wenn auch weniger als bei ihrer Schwester Kate und ihrer Tante Caroline Stansfeld, die in der Moral Reform Union aktiv waren. Biggs unterzeichnete jedoch 1889 eine Petition gegen die Kandidatur von Charles Dilke als Parlamentsabgeordneten aufgrund seiner Scheidung.

Biggs war ihr Leben lang als Autorin aktiv. In einem Nachruf schrieb eine anonyme Bewunderin über ihre vielen Leistungen, die alle mit ihrer „gewandten Feder und ihrem schöpferischen Geist“ entstanden seien.

Schon in ihrer Freizeit als Schülerin hatte sich Biggs damit beschäftigt, Reden von Giuseppe Mazzini, der mit der Familie befreundete war und mit dem sie auch direkt korrespondierte, zu sammeln und abzuschreiben, um sie in einer regionalen Zeitung abdrucken zu lassen.

Biggs veröffentlichte 1866 anonym den zweibändigen Roman The Master of Wingbourne; ihr Nachruf weist sie jedoch ausdrücklich als Autorin aus. Das Buch wurde breit rezipiert und als „gut erzählt“ und „tiefgehend interessant“ bewertet. Es beginnt im Jahr 1830 und schildert die Geschichte des Landsitzes Wingbourne aus der Perspektive eines Besuchers. Der Besitzer und dessen Neffe sind Trunkenbolde; die Tochter Florence ist ein Opfer von Verwöhnung und mangelhafter Bildung, dennoch das Objekt der Zuneigung des Besuchers. Der Roman entfaltet feministische Themen: Florence wird wegen ihrer unehelichen Geburt vom Erbe ausgeschlossen; der Neffe und Erbe versucht, sie durch Einsperren zur Heirat zu zwingen. Sie ist im Verlauf der Handlung dreimal verlobt; insgesamt ist der Roman eine Warnung vor Ehe, Macht und Reichtum. Biggs selbst heiratete wie alle ihre Schwestern nie.

Biggs wurden zwei Romane ihrer Schwester Elizabeth Ashurst Biggs als Autorin oder Mitautorin fälschlich zugeschrieben: White and Black (1862) und Waiting for Tidings (1874).

Biggs veröffentlichte außerdem zwei Kurzgeschichten zum Frauenwahlrecht unter dem Pseudonym „Carey Search“, inspiriert von ihrem Großvater William Henry Ashurst, der Artikel in amerikanischen und britischen Zeitungen als „Edward Search“ publizierte.

1870 wurde Biggs Herausgeberin von The Englishwoman’s Review, der langlebigsten englischen feministischen Zeitschrift der Epoche. Fast zwanzig Jahre lang prägte sie damit „die einzige vollständige, kontinuierliche Dokumentation der Arbeit […] von Frauen in diesem Land und im Ausland und des Fortschritts dessen, was man die ‚Frauenfrage‘ genannt hat.“ Sie verfasste Artikel und korrespondierte mit Sekretärinnen von Frauenvereinigungen im Ausland, insbesondere in Italien, Frankreich und Norwegen.

Elizabeth Cady Stanton, Susan B. Anthony und Matilda Joslyn Gage beauftragten Biggs, das Kapitel über Großbritannien für den dritten Band ihrer bahnbrechenden Darstellung der frühen Frauenbewegung, The History of Woman Suffrage (1887), zu verfassen.

Biggs starb am 1889 in London.

Nach ihrem Tod richteten ihre Mitstreiterinnen einen Darlehensfonds ein, um Studentinnen am Girton College in Cambridge zu unterstützen. Tatsächlich hatte ihre jüngste Schwester Kate Ada Ashurst Biggs Girton von 1877 bis 1879 besucht, bevor sie sich aus Gesundheitsgründen zurückzog. An zwei heute noch erhaltenen Bücherschränken im Girton College, in der Bücher von Frauen aus der Sammlung von Helen Blackburn und anderen eingeordnet wurden, wurden 1897 Porträts von Lydia Becker und Biggs erstellt von Elizabeth Sarah Guinness eingearbeitet. Becker und Biggs hatten vor Blackburn den Vorsitz des Zentralkomitees der NSWS innegehabt. Die Bücherschränke sind bis heute erhalten.

Werke (Auswahl)

Einzelnachweise

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