Bartholdi (auch Bartholdy oder de Bartholdi; ursprünglich Barthold) ist der Name einer aus Süddeutschland stammenden protestantischen Pfarrersfamilie, die später im Elsass ansässig war und 1830 in den französischen Adelsstand erhoben wurde. Das bekannteste Familienmitglied ist Frédéric-Auguste Bartholdi (1834–1904), Bildhauer und Erschaffer der Freiheitsstatue.
Die Familie ist von dem gleichnamigen, aber nicht stammverwandten preußischen Briefadelsgeschlecht Bartholdi und von der Familie Mendelssohn Bartholdy zu unterscheiden.
Geschichte Herkunft Trotz verschiedentlicher Veröffentlichungen, dass die Familie italienischen Ursprungs sei, wohl aufgrund der vokalischen Endung, haben die genealogischen Forschungen von Auguste Scherlen (1871–1933), Colmarer Stadtarchivar, zur Zeit der Einweihung des Bartholdidenkmals in Colmar im Jahr 1907 zweifelsfrei ergeben, dass die Familie ursprünglich aus Süddeutschland stammt und Anfang des 18. Jahrhunderts ins Elsass zog. Mit dem Umzug änderte die Familie ihren Namen von „Barthold“ zu „Bartholdi/Bartholdy“.
Stammvater der Familie ist der in Monheim (Schwaben) geborene Veit Barthold der Ältere (* um 1580; † zwischen 1629 und 1634), der zunächst 12 Jahre in Lauingen zur Schule ging und danach in Jena und Wittenberg Theologie studierte. Am 8. Oktober 1600 heiratete er in Weißenburg in Bayern Walburga Döderle (* 19. März 1569 in Weißenburg in Bayern), die zuvor mit Christoph Nuding verheiratet gewesen war. Veit erhielt in Heideck eine Diakonstelle (1600–1603) und danach eine Stelle als Pfarrer in Aberzhausen (1603–1627). Infolge der Gegenreformation wurde er abgesetzt. Das Ehepaar Barthold-Döderle hatte vier Kinder. Das älteste Kind, Alexander Barthold (* ca. 1604; † 1657 in Zwingenberg (Bergstraße)) war 1628 Zehntgraf in Abterode, 1642–1652 Keller im Amt Jägersburg zu Jagdschloss Jägersburg sowie 1655–1657 Zehntgraf und Schultheiß in Zwingenberg. Das zweite Kind, Daniel Barthold (* ca. 1605; † nach 8. Mai 1688), absolvierte eine Bäckerlehre in Heideck und erscheint danach als Bürger und Bäckermeister in Weißenburg in Bayern.Lampert (1971), Sp. 253. Das dritte Kind, Veit Barthold der Junge (* 21. August 1608 in Aberzhausen; † 13. Dezember 1671 in Frankfurt am Main), absolvierte von 1618 bis 1621 in Weißenburg in Bayern eine SchneiderlehreStadtarchiv Weißenburg, Kanzleiprotokoll vom 11. September 1629 sowie Geburts- und Lehrbrief. und zog danach nach Frankfurt am Main, wo er als Bürger und Schneider lebte. Am 4. August 1635 heiratete er dort Anna Margaretha Heck (* 31. Mai 1610 in Frankfurt am Main; † 5. Mai 1666 in Frankfurt am Main). Das älteste ihrer neun Kinder war Wilhelm Barthold (* 2. März 1637 in Frankfurt am Main; † ca. 1689), der in Gießen Theologie studierte (1658). Bereits im Alter von 23 Jahren heiratete er am 10. Mai 1660 in Oberhörlen Maria Juliana Wecker (* 1645 in Biedenkopf; † nach 1690). Nach einer ersten in Oberhörlen geborenen Tochter wurde Wilhelmus Bartholdtus nach Präsentation durch die Patronatsherren der vakanten Kirche in Höringhausen in Hessen, den Wolff von Gudenberg, 1664, d. h. im Alter von 26 Jahren, neuer Kollator und lutherischer Pfarrer in Höringhausen.Baur: Mittheilungen aus den politischen Landvisitationen im 17. Jahrh. In: Archiv für hessische Geschichte und Alterthumskunde, 12. Band, 1. Heft, Darmstadt 1868, S. 194 (Google Bücher). Diese Stelle behielt er bis 1683.Marie-Joseph Bopp: Die evangelischen Geistlichen und Theologen in Elsaß und Lothringen von der Reformation bis zur Gegenwart, Band 1, Neustadt an der Aisch 1959, S. 40.Lampert (1971), Sp. 252/3. Dann wurde er wegen Unterlassung der dreimaligen Proklamation (Aufgebot) bei der Heirat seiner Tochter 1683 suspendiert. Danach war er Adjunkt seines Schwiegervaters in Oberhörlen. Ab 1689 lebte er bei seinem Schwiegersohn Johann Georg Manger in Niederweidbach. Auf die erste Tochter folgten während dieser Zeit sieben weitere Kinder, darunter Johann/Hans Georg Barthold (* 6. Juni 1673 in Höringhausen; † 7. Juli 1733 in Weißenburg (Elsass)).
Verankerung im Elsass alternativtext=Source : Musée Bartholdi|mini|Ausschnitt aus der Genealogie der Familie Bartholdi im Musée Bartholdi in Colmar Johann/Hans Georg Barthold(i) war ebenfalls lutherischer Pfarrer. Er zog ins Elsass, wo er zunächst Pfarrer in Sulz (Soultz-sous-Forêts), später erster Pfarrer in Weißenburg (Elsass) zu St. Johann (Johanneskirche) war. In erster, am 7. August 1703 in Weißenburg geschlossener Ehe war er mit Maria Margaretha Schönlaub (* 1654 in Landau; † 12. April 1711 in Soultz-sous-Forêts) verheiratet. Nach deren kinderlosem Tod ehelichte er am 12. Januar 1712 in Weißenburg Marie Dorothée Boell/Böll (* 19. Februar 1691 in Weißenburg; † 4. Mai 1737 in Weißenburg). Die Eheleute Bartholdi-Böll hatten acht Kinder, darunter die beiden jüngsten Kinder Egidius Franz Bartholdi (Gilles François Bartholdi) (* 22. Mai 1723 in Weißenburg; † 22. Oktober 1787 in Colmar) und Christian Bartholdi (* 13. Januar 1728 Weißenburg; † 15. Juli 1802 in Uhrwiller).
Letzterer war ebenfalls lutherischer Pfarrer, zunächst in Oberbronn, später in Uhrwiller. Er war ab dem 10. September 1760 in erster Ehe mit Sophie Charlotte Wagner (* 20. August 1741 in Ingwiller; † 1. Januar 1764 in Niederbronn-les-Bains) verheiratet. Nach dem Tod von Sophie Charlotte ging Christian Bartholdi am 8. August 1769 in Uhrwiller mit Catharina Dorothea Barth eine zweite Ehe ein, aus der neun Kinder entstammen, sämtlich in Uhrwiller geboren, die fast alle bereits im Kinderalter verstarben. Anders die zwei Söhne des Christian Bartholdi aus erster Ehe: Der erste Sohn war Philipp Christian Bartholdi (* 27. September 1761 in Oberbronn; † 8. Juli 1789 in Weißenburg). Der zweite Sohn, Georges Charles Bartholdi (* 2. Dezember 1762 in Oberbronn; † 26. Juli 1849 in Munster (Haut-Rhin)), studierte Chemie, Geologie und Botanik an der Universität Göttingen. Nach dem Tod seines Onkels Egidius Franz Bartholdi 1787 übernahm er die Leitung der Sonnenapotheke in Colmar. Ab 1796 war er als Professor für Chemie und Physik an der École Centrale du Haut-Rhin tätig und gehörte 1801 zu den Gründungsmitgliedern der Société d’Émulation du Haut-Rhin. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging er eine Partnerschaft mit dem Porzellanfabrikanten Charles Amand Anstett ein, der von 1800 bis 1810 in Colmar tätig war. 1808 erhielt er die Stelle des Chemikers und Koloristen in der großen Textildruckerei Sœhnée l’Aîné & Cie, der späteren Firma Hartmann & Fils, in Munster, für die er bis 1820 tätig war. Am 9. August 1808 heiratete er Sophie Caroline Lucé (1777–1857), Tochter von Jean-Frédéric Lucé, Pfarrer in Munster, und Wilhelmine Elisabeth Wild. Von 1821 bis 1832 war er Bürgermeister von Munster. Ferner war er Bezirksrat und Schulinspektor des Kantons. Er verfasste und veröffentlichte mehrere wissenschaftliche Arbeiten und starb 1849 ohne Nachkommen.
mini|Haus der Familie Bartholdi in Colmar (heute Musée Bartholdi), 2007 mini|Musée Bartholdi, 1. Etage, mit Porträts und Büsten von Johann Karl Bartholdi (Jean-Charles Bartholdi) (1791–1836) (rechts) und Charlotte Beysser (links), Eltern von Frédéric-Auguste Bartholdi, 2016 Egidius Franz Bartholdi, „berühmter Apotheker und Ratsbeisitzer“ sowie stellvertretender Bürgermeister der Stadt Weißenburg, Sohn des „hochwürdigen und hochgelehrten Herrn“ Hans Georg Bartholdi, heiratete am 9. Juni 1755 Maria Ursula Sonntag (* 29. Dezember 1731 in Colmar; † 10. April 1807 in Colmar), Tochter des „vornehmen Bürgers, Apothekers und Consistorie Beisitzers“ Karl Sonntag zu Colmar. Zunächst ließ sich die Familie in Weißenburg nieder, nach dem Tod des Schwiegervaters siedelte die Familie jedoch in die „Sonntagsche Behausung“ in Colmar um.Kübler (1912), S. 258 f. Dabei handelte es sich um die alte Apotheke „Zur Sonne“ in der historischen Schädelgasse, inzwischen Rue des Marchands 30, an der sich seit 1922 das Bartholdi-Museum (Musée Bartholdi) findet.Kübler (1912), S. 259. Das Ehepaar Bartholdi-Sonntag hatte fünf Söhne, von denen drei das Erwachsenenalter erreichten: Johann Karl Bartholdi (Jean Charles Bartholdi) (* 13. Juli 1756 in Colmar; † 2. Februar 1830 in Colmar), Mediziner in Colmar, ehelichte am 28. Februar 1791 in Sundhoffen Catherine Dorothée Meyer, Egidius Engelhard Bartholdi (Gilles Engelhard Bartholdi) (* 24. Juli 1759 in Colmar; † 8. April 1822 in Colmar), unverheirateter Apotheker in Colmar, und Jakob Friedrich Bartholdi (Jacques Fréderic Bartholdi) (* 30. Januar 1763 in Colmar; † 1. November 1844 in Paris), Bankier, heiratete am 23. Oktober 1787 in Landau in der Pfalz Catherine Elisabeth Söehnée (* 26. Juli 1767 in Landau in der Pfalz; † 8. September 1834 in Paris).
links|mini|hochkant|Frédéric-Auguste Bartholdi (1834–1904), Bildhauer und Erschaffer der Freiheitsstatue, Fotografie des Ateliers Nadar (ca. 1900) Die Eheleute Bartholdi-Meyer hatten einen Sohn namens Johann Karl Bartholdi (Jean-Charles Bartholdi) (* 1791 in Colmar; † 1836 in Colmar). Er war Berater der Präfektur von Colmar und verheiratet mit Charlotte Beysser. Johann Karl Bartholdi und Charlotte Beysser hatten vier Kinder, von denen nur zwei das Kindesalter überlebten: Johann Karl Bartholdi (Jean Charles Bartholdi) (* 1830 in Colmar; † 1885 in Vanves), Jurist, Frédéric-Auguste Bartholdi (* 24. September 1821 in Colmar; † 1. April 1832 in Colmar), Auguste Charlotte Bartholdi (*/† 6. Juni 1833 in Colmar) und Frédéric-Auguste Bartholdi (1834–1904), den Erschaffer der Freiheitsstatue.Cour des comptes, Dictionnaire historique, généalogique et biographique (1807–1947), Bartholdi Frédéric Henri, baron. 1919 wurde das staatliche Gymnasium in Colmar nach ihm benannt (Lycée Bartholdi) und seit 2001 wird in der Oberrheinregion der nach ihm benannte Prix Bartholdi verliehen. Frédéric-Auguste Bartholdi war ab 1876 mit Jeanne Emilie Bayheux de Puysieux (* 25. Oktober 1829 in Bar-le-Duc; † 12. Oktober 1914 in Paris), Tochter von Pierre Joseph Baheux und Louise Nestier, verheiratet. Das Paar blieb kinderlos.
Umzug nach Paris und Nobilitierung mini|Karikatur „Baron de Bartholdi“ (1901) von Georges Goursat (SEM) (1863–1934), die Philippe Amédée Bartholdi (1830–1904) darstellt Die Eheleute Bartholdi-Söehnée zogen von Colmar nach Paris. Jakob Friedrich Bartholdi war 1822 Mitbegründer der Société des missions évangéliques de Paris. Er war ferner Generalrat der Seine (Conseil général de la Seine), Richter am Handelsgericht, Präsident der Compagnie Royale d’Assurances Générales, Dekan des Konsistoriums der Kirche der Augsburger Konfession in Paris und Ritter der Ehrenlegion im Jahr 1837. Die Tochter der Eheleute, Maria Elisabeth Bartholdi (* 2. Oktober 1788; † 15. Januar 1838), heiratete Adolphe Marquis de Boubers (1791–1861). Der Sohn, Bankier Jean Fréderic Bartholdi (* 15. März 1794 in Paris; † 28. September 1839 in Tours), ehelichte Gräfin Louise Catherine Walther (* 15. Januar 1803; † 22. August 1875 in Jouy-en-Josas), Tochter des Generals Frédéric Henri Walther und Nichte der Wissenschaftler Frédéric und Georges Cuvier. Am 30. Juni 1830 wurde Jean Fréderic Bartholdi von König Karl X. in den Baronsstand erhoben.FRAN IR 057423, BB/29/1009, S. 112–114.M. Borel D’Hauterive: Annuaire de la Noblesse de France et Maisons Souveraines de l’Europe, 15. Jg., Paris 1858, S. 394 (Google Bücher). Das Ehepaar Bartholdi-Walther hatte zwei Töchter und zwei Söhne: