Das Turnier von Compiègne von 1279 wurde von König Philipp III. von Frankreich zu Ehren seines Cousins, des Fürsten Karl von Salerno, veranstaltet.

Seit Beginn des Jahres 1279 weilte der Fürst von Salerno, Erbe des Königreichs Neapel, am französischen Königshof im Norden Frankreichs. Seine Anwesenheit wurde von seinem Vetter, König Philipp III., als große Ehre aufgefasst und zum Anlass genommen, in den Residenzstädten Paris, Compiègne und Senlis große höfische Feste auszurichten.Chronicon Girardi de Fracheto et anonyma ejusdem operis continuation, in: RHGF, Bd. 21, S. 96. Dazu wurde wahrscheinlich in den Maitagen die Ritterschaft des Reiches zu einem Turnier auf den Feldern vor Compiègne geladen. Für den König bildete das Kampfspiel auch einen feierlichen Rahmen für die Verleihung der Schwertleite für seinen jüngsten Bruder, des Grafen Robert von Clermont.

Das Turnierende wurde allerdings von einem Unglück überschattet, von dem Biografen Wilhelm von Nagis als „großer Schmerz“ (dolores maximus) beschrieben, nachdem der Graf von Clermont nach mehreren Treffern eines Hammers schwere Kopfverletzungen davongetragen hatte und danach in einen dauerhaften Wahnsinn (in amentiam perpetuam) gefallen ist.Gesta Philippi (III) regis Franciæ, in: RHGF, Bd. 20, S. 512.

Teilnehmer

Zum Teilnehmerfeld des Turniers von 1279 existieren keine expliziten Auflistungen. Allerdings ist in der Stadtbibliothek von Valenciennes ein Armorial archiviert (Bibliothèque municipale, Ms. 806 (601), fol. 1–20), welches auf 20 Folianten 337 Wappendarstellungen zu Rittern enthält, die laut dem einleitenden Vorwort am Turnier von Compiègne des Jahres 1238 teilgenommen haben. Neben einigen anderen auffälligen Anachronismen, wird in diesem Wappenbuch auch der Fürst von Salerno als Turnierteilnehmer geführt, der im Jahr 1238 noch nicht geboren war. Dem Kompilator des Armorials müssen also Verwechslungen und auch Vermengungen zwischen beiden Turnieren unterlaufen sein, so dass er hier auch einige Ritter auflistete, die tatsächlich an jenem von 1279 teilgenommen haben.

Das Armorial de Valenciennes wurde im 15. Jahrhundert als dessen erster Teil in das Armorial de Bavière (Den Haag, Königliche Bibliothek der Niederlande, 79 K 21) und seiner kurz danach angefertigten Kopie (ebd., 79 K 16) übertragen, wobei einige neue Anachronismen entstanden.

Literatur

Louis Carolus-Barré, Le grand tournois de Compiègne et de Senlis en l’honneur de Charles, prince de Salerne (mai 1279), in: Bullétin de la société nationale des antiquaires de France (1978/79), S. 87–100. Andreas Kiesewetter, Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278–1295): das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts. Husum, 1999.

Einzelnachweise

Kategorie:Ritterturnier Kategorie:1279 Kategorie:Veranstaltung im Département Oise Kategorie:Geschichte (Compiègne)