3,5-Dihydroxy-2,4,6-trinitroanilin ist eine chemische Verbindung, konkreter eine organische aromatische Nitroverbindung. Sie kann als hydroxysubstituiertes Derivat des Pikramids, in anderer Sichtweise als aminsubstituiertes Derivat der Pikrinsäure und auch als Resorcinderivat angesehen werden. Als Trinitroverbindung handelt es sich um eine energiereiche Verbindung, die sich als Explosivstoff eignet.
Geschichte Eine erste Herstellung wurde schon 1928 beschrieben. Der deutsche Chemiker Bernhard Jacques Flürscheim und der britische Chemiker Eric Leighton Holmes fanden bei ihren Arbeiten zum Pentanitroanilin, dass dieses schon bei Raumtemperatur mittels wässriger Natriumacetatlösung zum Zielprodukt umgesetzt werden kann.
Darstellung und Gewinnung Eine Synthese von 1990 geht vom 1,3,5-Trifluorbenzol aus, welches zunächst zum 1,3,5-Trifluor-2,4,6-trinitrobenzol durchnitriert wird. Die Umsetzung mit Ammoniak zur Substitution der Fluorfunktion führt zu einem Gemisch verschiedener Aminotrinitrobenzole, wobei nur das 3,5-Difluor-2,4,6-trinitroanilin mittels Behandlung mit einer Natriumhydrogencarbonatlösung zur Zielverbindung umgesetzt werden kann.
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Eine neuere Synthese startet mit der Nitrierung von Resorcin zum 1,3-Hydroxy-2,4,6-trinitrobenzol. Die Einführung der Aminofunktion erfolgt über eine nucleophile Substitution mittels 4-Amino-4H–1,2,4-triazol.
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Eigenschaften 3,5-Dihydroxy-2,4,6-trinitroanilin ist ein gelbes kristallines Pulver, das bei 236–237 °C schmilzt. Die Verbindung kristallisiert in einem triklinen Kristallgitter mit der . Die molare Bildungsenthalpie beträgt −49,8 kJ·mol−1. Die Verbindung kann als explosionsfähig angesehen werden. Sie ist mit einer Energie von 42 J schlagempfindlich. Die Reibempfindlichkeit liegt bei 324 N. Die Detonationsgeschwindigkeit beträgt 8410 m·s−1, der Detonationsdruck 32,1 GPa. Eine DSC-Messung zeigt ab 205 °C eine stark exotherme Zersetzungsreaktion mit einer Zersetzungswärme von −285 kJ·mol−1 bzw. −1096 J·g−1.
Verwendung Die Verbindung wird als potentieller Explosivstoff angesehen. Mittels Salzbildung mit Ammoniak, Hydrazin, Hydroxylamin, Guanidin, Aminoguanidin und Diaminoguanidin lässt sich die Detonationsperformance, wie die Detonationsgeschwindigkeit und der Detonationsdruck steigern.
+Explosionskenngrößen von Salzen des 3,5-Dihydroxy-2,4,6-trinitroanilin Stoff Dichte(g·cm−3) Detonations-geschwindigkeit(m·s−1) Detonations-druck (GPa) Schlag-empfindlichkeit (J) Reib-empfindlichkeit (N) 3,5-Dihydroxy-2,4,6-trinitroanilin 1,90 8410 32,1 42 324 Dihydroxylammoniumsalz 1,88 9097 38,8 18 160 Diammoniumsalz 1,80 8578 31,7 42 360 Dihydraziniumsalz 1,80 9056 35,1 5 120 Diguanidiniumsalz 1,68 7968 24,6 45 360 Di-1,3-diaminoguanidiniumsalz Monohydrat 1,69 8573 28,3 20 160 Diaminoguanidiniumsalz 1,74 8636 29,4 30 240
Einzelnachweise Flürscheim, B.; Holmes, E,L.: CCCXCIC. - Pentanitroanilin in J. Chem. Soc. 1928, 3041–3046, . Xingcheng Zhang, Hualin Xiong; Hongwei Yang; Guangbin Cheng: Synthesis and Detonation Properties of 5-Amino-2,4,6-trinitro-1,3-dihydroxy-benzene in ChemistryOpen 6 (2017) 447–451, . Xingcheng Zhang; Jinchao Ma; Yeran Zhai; Dongxu Chen; Fangfang Zou; Qiuju Zhou; Luyao Chen: Synthesis and investigation of 5-amino-2,4,6-trinitrobenzene-1,3-diol and its salts in J. Energ. Mat. 44 (2026) 1–13, . Shorter, J.: Bernhard Jacques Flürscheim (1874–1955), Organic and Theoretical Chemist in Ambix 50 (2003) 274–301, . Chaykovsky, M.; Adolph H.: Synthesis and properties of some trisubstituted trinitrobenzenes. TATB analogs in J. Energ. Mat. 8 (1990) 392–414, .
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