Simone Westerwinter (* 1960 in Stuttgart) ist eine deutsche Collage-, Installations-, Objekt-, Video- und Performancekünstlerin.
Leben Westerwinter absolvierte von 1980 bis 1983 in Stuttgart eine Ausbildung beim „Max-Planck Institut für Werkstoffwissenschaften – Metallographie“, (2011 umbenannt in Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme), wo sie u. a. Materialkenntnisse für spätere Werke erwarb. Westerwinter schloss 1984 bis 1991 ein Studium der Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Jürgen Brodwolf an. Es folgten Arbeitsaufenthalte in Paris, zuvor auch in Chicago und New York. 2000 bis 2001 übernahm sie eine Gastprofessur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Westerwinter erhielt mehrfach Stipendien und zeigte ihr Schaffen in eigenen und Gruppen-Ausstellungen. Nebenbei betreibt sie eine eigene Malakademie. Ihre Werke sind in mehreren Sammlungen zu sehen. Sie lebt in Besigheim.
Werk
Simone Westerwinters Kunst zeichnet sich durch die Überwindung einzelner Genres aus und definiert neue Kunstformen. Bereits in den 1990er Jahren erprobte die Konzeptkünstlerin die „Sprach- und Laut-Malerei“ und stilisiert beispielsweise in dem Video Bildhauer Sprache zur Skulptur. Die 2008 erstellte Installation Sweet Structures Homemade, aus einem Marktstand bestehend, gerät zu einer Art „Entscheidungsplastik“, in die das Publikum einbezogen wird. Charakteristisch ist der verspielte, oft humorvolle oder auch ironische Ausdruck komplexer Prozesse, wie sie beispielsweise in ihrer „Karo-Thematik“ sichtbar wird. Die Kunsthistorikerin Isabell Schenk-Weininger ordnet das Karo-Symbol folgendermaßen ein: „„Kariertes Denken“ meint aber ebenso die Begrenztheit der Rationalität, das Schubladendenken und das viel zu schnelle Einordnen von Dingen“.
Vielmehr geht es Westerwinter um die Ausweitung der Grenzen, gar um Revolution – wie sie ihre ironisch auf das „Make-Up“ bezogene große Ausstellung in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen betitelte. Der Kunstkritiker Jürgen Linde interpretiert ihr Werk als politisches Statement, das für die Freiheit in Gesellschaft und Kunst und für ständige Neuerfindung steht. In Anlehnung an den Schriftsteller Peter Weiss nannte er ihre Konzeptkunst „Ästhetik der Erneuerung“. Weil Westerwinter „Vorstellungen von Harmonie und gewohnter Ästhetik“ hinterfrage, wurde ihr Werk Karo Star in die 2025 bis 2027 gezeigte Ausstellung Now on view der Mercedes-Benz Art Collection aufgenommen.
Einzelausstellungen (Auswahl) 1995: Bonner Kunstverein, Reihe Duchamps Urenkel 1997: Galerie der Stadt Stuttgart 1999: Björns Rache, Kunstausstellung im Kasseler Kunstverein 2008: Sweet Structures, homemade, Performanceskulptur 2018: Revolution (Make-up) Palette. Simone Westerwinter – eine Werkschau, Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen
Gruppenausstellungen (Auswahl) 1998: »vollkommen gewöhnlich« – eine Ausstellung des KUNSTFONDS im Germanischen Nationalmuseum bis zum 23. August 1998, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 2002: 29. September bis 24. November: Miss. You., Städtische Museen Freiburg, Museum für Neue Kunst, Freiburg im Breisgau 2008: 20. März bis 27. April: Arbeiten von Simone Westerwinter and Pietro Sanguineti, Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe 2010: Superfemmes, Rathausgalerie München 2025, 11. November bis 2027: Karo Star (2002) wird gezeigt in: Now on View. Werke der Mercedes-Benz Art Collection im Mercedes-Benz Museum
Werke in öffentlichen Sammlungen (Auswahl) 2001: Namensaquarelle, Mercedes-Benz Art Collection 2002: Ohne Titel (JA), 2002, Mercedes-Benz Art Collection 2002: Karo Star, 2002, Mercedes-Benz Art Collection Sammlung Galerie, Göppingen Sammlung Landesbang Baden-Württemberg, Stuttgart Sammlung Baden-Württembergische Bank, Stuttgart Sammlung Deutsche Bank Sammlung Kunstmuseum Stuttgart Sammlung Staatsgalerie Stuttgart
Bibliografie Renate Damsch-Wiehager (Hrsg.): Simone Westerwinter: Prägeformen, Arbeiten mit kariertem Muster, Gesichtsarbeiten und Ja-Arbeiten. Bahnwärterhaus, Galerie der Stadt Esslingen am Neckar 1994/95, Kunstverein Freiburg 1995, Bonner Kunstverein 1995, Stadtgalerie im Sonnenhof Kiel 1995. Übers. Michael Robinson. Cantz, Ostfildern bei Stuttgart 1994, ISBN 3-89322-699-0. Kultur- und Sportamt Bietigheim-Bissingen – Städtische Galerie (Hrsg.): Revolution (Make-up) Palette: Simone Westerwinter. Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen 2018, ISBN 978-3-927877-89-4.
Literatur Stephan Maier: Simone Westerwinter. Regeln der Attraktion oder wie sexy Kunst heute sein kann, ohne an Struktur zu verlieren, Monografie, in: Kunstforum: Fiktion der Kunst der Fiktion, Bd. 202, 2010, S. 250–263. Heinz Schütz: Superfemmes »Patricia London Ante Paris und Gäste«, Rathausgalerie München, 8.5.–19.6.2010, in: Kunstforum: Was Draußen wartet, Bd. 203, 2010, S. 328–329. Renate Puvogel: Simone Westerwinter. »Björns Rache« Kasseler Kunstverein, 23.1.–7.3.1999, Le Consortium; Dijon; Herbst 1999, in: Kunstforum: Künstler als Gärtner, Bd. 145, 1999, S. 349–350. Andreas Denk: Simone Westerwinter, Bonner Kunstverein, 1.2.–19.3.1995, in: Kunstforum. Pandoras Box: Design, Bd. 130, 1995, S. 409–410.
Weblinks
Persönliche Website der Künstlerin Westerwinter bei Instagram
Einzelnachweise
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