Der Schmucktinamu (Eudromia formosa) ist eine Vogelart aus der Familie der Steißhühner (Tinamidae), die in Paraguay und Argentinien sowie eventuell in Bolivien verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.

Merkmale Der Schmucktinamu erreicht eine Körperlänge von ca. 37,5 bis 41,0 cm bei einem Gewicht von ca. 617 g. Beide Geschlechter ähneln sich. Er besitzt einen dünnen, haarartigen Kamm aus geraden, schmalen schwarzen Federn. Die Oberseite ist graubraun, die Flügel weinrot gelbbraun, mehr oder weniger stark schwarz gesprenkelt und gewellt, mit unregelmäßigen ockerfarbenen Flecken und Sprenkeln auf dem Rücken und am Bürzel. Der Oberkopf, der Hinterhals, die Wangen und Ohrdecken sind dunkel ockerbraun und von schwarzen Schaftstreifen durchzogen. Breite weiße Streifen verlaufen oberhalb und unterhalb der Ohrdecken und reichen bis an die Halsseiten. Der Hals ist weiß. Die äußeren Handschwingen sind bräunlich, wobei die äußeren Flügelfahnen gleichmäßig mit gelblich weißem Farbton eingekerbt sind und die inneren Flügelfahnen makellos sind oder undeutlich mit gelblichen Flecken oder Wurmstreifen versehen sind. Die inneren Handschwingen sind ähnlich, weisen jedoch eine diffuse ockerfarbene Welligkeit an den Innenfahnen auf. Der Vorderhals und die Brust sind ockerfarben bis hell weinrotbraun mit schwarzen, pfeilförmigen Zeichnungen, die an der Brust und den Seiten an Größe und Deutlichkeit zunehmen. Der Bauch, der Hinterleib, die Seiten und Flanken sind cremeweiß bis ockerfarben beige. Es wurde festgestellt, dass es innerhalb der Art erhebliche individuelle Unterschiede gibt, die nicht auf die geografische Verbreitung zurückgeführt werden können. So sind insbesondere Unterschiede in der Stärke der Streifenzeichnung an der Unterseite, von vollständig gestreift bis makellos, der Farbtiefe des Rückens von grau bis braun, der Grundfarbe der Unterseite von weiß bis gelbbraun und der Stärke der Zeichnung an den Innenfahnen der Handschwingen von makellos bis gestreift zu finden. Das gesamte untersuchte Material wies durchgehend eine zimtfarbene Färbung an Kopf, Hals, Brust und Außendecken auf. Jungtiere ähneln den erwachsenen Vögeln, sind jedoch matter gefärbt, haben einen dunkleren Hals und die inneren Federn der äußeren Handschwungfedern sind an der Basis gestreift. Gelegentliche Feldbeobachtungen deuten darauf hin, dass Jungvögel eine proportional längere Haube haben könnten. Die Iris ist hell braun, der Oberkiefer dunkel, der Unterschnabel blass grau mit dunkler Spitze und die Füße sowie die Zehen blass gräulich weiß bis bläulich grau.Paul David Smith (2020)

Lautäußerungen Die Lautäußerungen des Schmucktinamus sind den ganzen Tag über zu hören, am häufigsten am frühen Morgen und am späten Nachmittag. Oft beginnt es vor Sonnenaufgang und dauert bis nach Sonnenuntergang an. Die Art singt oft auch in der Nacht. Der am häufigsten in der Morgen- und Abenddämmerung und tagsüber nur sporadisch zu hörende Balzruf, ist die am häufigsten anzutreffende Lautäußerung. Der Balzruf ist ein langsames, absteigendes doppeltes Pfeifen, das wie fuuu-ip fu-ip klingt, wobei der erste Teil länger gezogen ist und gelegentlich ein drittes, leiseres fu-ip hinzugefügt wird. Diese Gesangsphasen können 30 Minuten oder länger dauern. Eine Variante oder eine andere Stimme bei Tagesanbruch klingt wie fuuuuu-ip fup-fup-fup-fup-fup-fup, wobei bis zu sechs Schlussnoten in einer flacheren Abfolge mit einer Geschwindigkeit von zwei pro Sekunde erklingen. Bei Einbruch der Dämmerung ertönt die Variante fuuu fip-fip. Als Kontaktruf gibt es ein doppeltes oder dreifaches fi-fi oder fi-fi-fi im Falsett gesungen von sich, das einer etwas tieferen Variante des typischen Pfeifrufs des Purpurkehlorganisten (Euphonia chlorotica) ähnelt. Dieser wird meist zur Mittagszeit für kurze Zeiträume ausgestoßen. Der Alarmruf ist ein explosives, dreifaches PU-IT PU-IT PU-IT, welches dem Balzruf ähnelt, jedoch schneller und explosiver vorgetragen wird. In der Dämmerung ertönt möglicherweise zwei- bis dreimal ein melodischer, fließender Schlafruf fLI-la-lu mit jeweils fünfsekündigen Pausen zwischen den einzelnen Phrasen, unmittelbar gefolgt von einem um ca. eine Oktave tieferen fLU-la-lu, der ebenfalls bis zu dreimal vorgebracht wird. Dabei handelt es sich möglicherweise um ein geschlechtsspezifisch unterschiedliches, antiphonales Duett, das vielleicht als Signal zwischen Vögeln dient, die sich zum Schlafen niederlassen. Nicht klar ist, wann es ein einzelnes ansteigendes FU-WI von sich gibt.Paul David Smith (2020)

Fortpflanzung Über die Fortpflanzungsbiologie des Schmucktinamus liegen nur sehr wenige Informationen vor. Jakob Unger (1894–1959) fand in Paraguay im November 1955 zwei Weibchen mit gut ausgebildeten Gonaden. Ein am 13. März 1957 gefangenes Männchen wies jedoch ebenfalls gut entwickelte Gonaden auf. Zusätzlich fing Unger im Dezember ein teilweise ausgewachsenes, noch nicht geschlechtsreifes Weibchen. Ein Weibchen mit befruchteten Eiern aus Paraguay wurde im Juli, also mitten im Winter gefangen. Außerdem wurden im Februar in Argentinien gesammelte Vögel in Brutbereitschaft beobachtet und ein im August 60 Kilometer nördlich von Fuerte Esperanza im Departamento General Güemes gesammelter Vogel ein Ei in seinem Eileiter hatte, was die Möglichkeit einer ganzjährigen Brutzeit im gesamten Verbreitungsgebiet der Art stützen würde. Unger beschrieb das Gelege als aus sieben bis neun grünen Eiern bestehend. Ein einheitlich limettengrünes, eiförmiges Ei wurde als 36,0 mm x ca. 65 mm groß beschrieben. Ebenso werden die Eier als 53 bis 55 × 40 bis 41 mm große gelbliche Eier beschrieben. Allerdings würde diese Größe gut zum Perltinamu (Eudromia elegans) passen.

Verhalten und Ernährung Diese Art sucht wie alle anderen Tinamus ihre Nahrung am Boden. Das Schmucktinamu ist eine gesellige Art und wird in der Regel in kleinen Gruppen von bis zu vier Vögeln beobachtet, obwohl gelegentlich auch Einzelvögel angetroffen werden. Die Vögel tauchen am frühen Morgen und am späten Nachmittag auf Straßen auf, wo man beobachten kann, wie sie auf dem Boden nach Futter suchen. Es wird vermutet, dass es ähnlich wie das Perltinamu Kalk zu sich nimmt. Ebenso wird vermutet, dass es analog zum Perltinamu seinen Wasserbedarf metabolisch über die pflanzlichen Bestandteile seiner Nahrung deckt. Es wurde beim Verzehr von frischen grünen Blättern der Capparis flexuosa aus der Familie der Kaperngewächse beobachtet.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Schmucktinamus (grün) Das Schmucktinamu kommt nur im trockenen Gran Chaco vor. Es bewohnt typischerweise trockene, dornige Chaco-Waldgebiete, wo es auch in halboffenen Bereichen in der Nähe von dichtem xerophytischem dornigem Wald mit offenem oder dichtem Unterholz vorkommt. In Bolivien wurde die Art in mäßig bis gut entwässerten Chaco-Wäldern mit Schinopsis lorentzii und Acacia emilioana sowie Bulnesia foliosa mit xerophytischem Gestrüpp und Kakteen mit sandigem Untergrund beobachtet. Es hat eine deutliche Präferenz für die trockensten Teile des paraguayischen Chaco.

Unterarten Es sind folgende Unterarten bekannt:IOC World bird list Ratites: Ostriches to tinamous Eudromia formosa formosa (, 1905)Miguel Lillo (1905), S. 72. kommt im nördlichen Argentinien vor. Eudromia formosa mira , 1938Pierce Brodkorb (1938), S. 1–48. ist im südwestlichen Paraguay verbreitet. Die Unterart hat ein bräunlicheres Gefieder, breitere, aber weniger deutlich abgegrenzte Schaftstreifen auf dem Rücken und kürzere Flügel.

Etymologie und Forschungsgeschichte Die Erstbeschreibung des Schmucktinamus erfolgte 1905 durch Miguel Lillo unter dem wissenschaftlichen Namen Calopezus formosus. Als Verbreitungsgebiet gab er zwischen Las Cejas in der Provinz Tucumán und Isca Yacu in der Provinz Santiago del Estero an. 1832 führte Isidore Geoffroy Saint-Hilaire die für die Wissenschaft neue Gattung Eudromia für das Perltinamu ein.Isidore Geoffroy Saint-Hilaire (1832), S. 1–6, Tafel 1. Der Begriff stammt von und ab.Eudromia The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Der Artname formosa stammt ab.formosa The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Mira hat seinen Ursprung in .mira The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay keinen Balg zur Verfügung. Laubmann sah in Eudromia mira die Art für das Land. In der Literatur verwies er als Nachweis auf fünf Exemplare, die Georg Albert Ferdinand Schulze (1892–1986) im paraguayischen Gran Chaco gesammelt hatte und verweist nur auf die Originalbeschreibung durch Pierce Brodkorb.Alfred Laubmann (1939), S. 122. Literatur

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Einzelbelege

Kategorie:Steißhühner