mini|hochkant|Verlegung durch Gunter Demnig auf der Mühlenstraße 6, 5. Juni 2024 Die Stolpersteine in Lank-Latum sind Teil des Projekts des Künstlers Gunter Demnig. Wie er selbst schreibt „Ein Projekt, das Erinnerung an die Vertreibung der Juden, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus lebendig hält.“ Die Stolpersteine sind Mahnmale, die an das Schicksal der Menschen erinnern sollen, die in Lank-Latum gewohnt und von den Nationalsozialisten deportiert vertrieben, gequält, ermordet oder in den Suizid getrieben wurden.STIFTUNG – SPUREN – Gunter Demnig: Präambel der Satzung Die Messingplatten der Stolpersteine sind 96 × 96 mm groß und werden i. d. R. vor dem jeweils letzten frei gewählten Wohnhaus des auf dem Stolperstein Genannten vor dem (ehemaligen) Gebäudeeingang in den Gehweg eingelegt.
Geschichte
In Lank-Latum begann die Verlegung im Juni 2024. Sie basierte auf einer intensiven Forschung von Norman Baltrusch, der hierbei neben den eigenen Forschungsergebnissen auch vorhandene ältere Veröffentlichungen hinterfragte und verifizierte. Vom Heimatkreis Lank e.V. finanziert, wurden am 5. Juni 2024 die ersten 16 Stolpersteine für fünf Familien verlegt. In einem folgenden Ortsrundgang wurden am 16. Juni 2024 den Interessierten die Hintergründe zu den benannten NS-Opfern, zum Teil mit erhalten gebliebenen Fotografien, erläutert. Ein sehr positives Echo in der Bevölkerung und der regionalen Presse war die Folge. In der darauffolgenden Zeit begab sich Norman Baltrusch auf weitere Erforschung der ehemaligen jüdischen Gemeinde des Ortes. Die Ergebnisse präsentierte er am 15. Januar 2026 im Rahmen eines öffentlichen Vortrages über die „Jüdischen Spuren in Lank-Latum“ für den Heimatkreis Lank in der Teloy-Mühle.Rheinische Post 20. Januar 2026: Heimatforscher berichtet über erschütternde Schicksale in Lank-Latum Auf Basis seiner weiteren neuen Erkenntnisse, konnte er für den Heimatkreis Lank weitere zehn Stolpersteine bei der Stiftung Stolpersteine in Auftrag geben. Davon wurden neun am 15. April 2026 verlegt und vervollständigen das Andenken an die ehemaligen jüdischen Bürger von Lank-Latum.
Somit wurden in Summe 25 von 26 Stolpersteinen für sechs Familien verlegt. Der nicht verlegte Stolperstein gilt dem Andenken eines Kindes der Familie Joosten, Benno-Arend, das erst nach der Flucht in Utrecht geboren wurde, aber im familiären Zusammenhang hätte verlegt werden sollen.
Im Zuge der Deportation von Juden aus Deutschland begannen auch die Deportationen ab Lank-Latum mit einem LKW-Transport zum Krefelder Hauptbahnhof, von wo der Weitertransport in separaten Personen- mit angehängten Gepäckwaggons zum Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf durchgeführt wurde. Die jüdischen Menschen wurden so am Abend vor der eigentlichen Deportation im Schlachthof an der Rather Straße registriert. Letzte Dokumente wie eine Vermögenserklärung mussten abgegeben werden und mittels Leibesvisitationen und Gepäckkontrolle wurden sie ihrer letzten Wertsachen beraubt. Am darauffolgenden Tag wurden sie über die Verladerampen in Personenwaggons 3. Klasse mit anhängenden Gepäckwaggons in Transporten von etwa 1000 Personen deportiert. Die Lank-Latumer Juden wurden am 11. Dezember 1941 ins Ghetto Riga (1007 Personen), am 22. April 1942 ins Ghetto Izbica bei Lublin (1051) und am 25. Juli 1942 ins Ghetto Theresienstadt (980) deportiert.bundesarchiv.de: Gedenkbuch Deportationschronologie
Die Stolpersteine Bild Adresse und Verlegedatum Pers. Daten Inschrift Informationen Familie Joosten 150px|Stolperstein für Benjamin Joosten Hauptstr. 7 Hauptstr. 7,40668 Meerbusch-Lank-Latumer, Erstverlegung 15. April 2026Benjamin Joosten, geboren am 7. Oktober 1877 in Termunten, Niederlande.Benjamin Joosten. In: United States Holocaust Memorial Museum: Holocaust Survivors and Victims Database. Abgerufen am 16. Juni 2026 HIER WOHNTEBENJAMINJOOSTENJG. 1877FLUCHT 1933UTRECHTVERSTECKT ÜBERLEBTDie Familie Joosten zog im Jahr 1922 von Groningen, Niederlande kommend nach Lank-Latum und gründete eine Viehhandlung. Ab 1924 wohnten sie an der Hauptstr. 7 mit angrenzender Stallung zur Webergasse hin. Unmittelbar nach der Machtergreifung stellte der Familienvater den Geschäftsbetrieb ein. Die Liegenschaft wurde noch 1933 versteigert und die Familie meldete sich nach Utrecht ab.
Während sich nach dem Einmarsch der deutschen Truppen und der Besetzung der Niederlande die Eltern und die jüngeren Söhne bei Niederländern verstecken konnten, wurden die beiden ältesten und bereits selbständigen Söhne Arend und Philip im Durchgangslager Westerbork inhaftiert. Philip wurde am 31. August 1942 und Arend am 31. August 1943 nach Auschwitz deportiert. Als Todesdatum wurde später der 31. März 1944 festgelegt.
Am Ende des 2. Weltkrieges haben von fast sechzig Familienmitgliedern nur elf den Holocaust überlebt.150px|Stolperstein für Mietje Joosten Hauptstr. 7Mietje Joosten geb. Philip, geboren am 22. November 1893 in Steenderen, Niederlande.Mietje Joosten. In: United States Holocaust Memorial Museum: Holocaust Survivors and Victims Database. Abgerufen am 16. Juni 2026 HIER WOHNTEMIETJE JOOSTENGEB. PHILIPSJG. 1893FLUCHT 1933UTRECHTVERSTECKT ÜBERLEBT150px|Stolperstein für Arend Joosten Hauptstr. 7Arend Joosten, geboren am 11. Februar 1916 in Groningen, Niederlande.Arend Joosten. In: United States Holocaust Memorial Museum: Holocaust Survivors and Victims Database. Abgerufen am 16. Juni 2026 HIER WOHNTEAREND JOOSTENJG. 1916FLUCHT 1933UTRECHTIM WIDERSTANDVERHAFTET 1943DEPORTIERT 1943AUSCHWITZERMORDET 31.3.1944150px|Stolperstein für Philip Joosten Hauptstr. 7Philip Joosten, geboren am 28. Dezember 1916 in Groningen, Niederlande.Philip Joosten. In: United States Holocaust Memorial Museum: Holocaust Survivors and Victims Database. Abgerufen am 16. Juni 2026 HIER WOHNTEPHILIP JOOSTENJG. 1916FLUCHT 1933UTRECHTDEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 31.3.1944150px|Stolperstein für Joost Joosten Hauptstr. 7Joost Joosten, geboren am 5. Mai 1919 in Groningen, Niederlande. HIER WOHNTEJOOST JOOSTENJG. 1919FLUCHT 1933UTRECHTVERSTECKT ÜBERLEBT150px|Stolperstein für Salko Joosten Hauptstr. 7Salko Joosten, geboren am 21. Mai 1921 in Groningen, Niederlande. HIER WOHNTESALKO JOOSTENJG. 1921FLUCHT 1933UTRECHTVERSTECKT ÜBERLEBT150px|Stolperstein für Rolf Joosten Hauptstr. 7Rolf Joosten, geboren am 26. Juni 1931 in Lank-Latum.online-begraafplaatsen.nl: Jüdischer Friedhof UtrechtRolf Joosten. In: oorlogsbronnen.nl. Abgerufen am 16. Juni 2026 HIER WOHNTEROLF JOOSTENJG. 1931FLUCHT 1933UTRECHTVERSTECKT ÜBERLEBTBenno-Arend Joosten, geboren am 25. August 1937 in Utrecht, Niederlande. BENNO-AREND JOOSTENJG. 1937UTRECHTVERSTECKT ÜBERLEBT Familie Leopold150px |Stolperstein für Moritz Leopold Bismarckstr. 16Bismarckstr. 16,40668 Meerbusch-Lank-Latum Erstverlegung für Moritz und Josefine Leopold 15. April 2026
Erstverlegung für Clara Rieser und Else Samson 5. Juni 2024Moritz Leopold, geboren am 3. Januar 1881 in Bad Honnef.Leopold, Moritz. In: Das Bundesarchiv: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945. Abgerufen am 16. Juni 2026HIER WOHNTE MORITZ LEOPOLD JG. 1881 DEPORTIERT 1942 TRANSIT-GHETTO IZBICA ERMORDET 200px|Letzter Wohnort Moritz Leopold betrieb in Lank-Latum einen Kleinviehhandel. Im 1. Weltkrieg war er als Frontkämpfer im Einsatz. Die Tochter Clara, die als Textilverkäuferin gearbeitet hatte, heiratete den jüdischen Textilingenieur Otto Rieser und folgte ihm 1938 in die Emigration nach Argentinien.
Während der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde Moritz Leopold verhaftet und zunächst im örtlichen Spritzenhaus untergebracht. Danach kam er in das Zuchthaus Anrath, aus dem man ihn nach sechs Wochen entließ. Im Dezember 1938 mussten die Leopolds ihr Haus an der Bismarckstraße 16 in Lank-Latum verkaufen, konnten aber zunächst dort wohnen bleiben.
Die Tochter Else emigrierte im Juli 1939 nach England und heiratet dort den Essener Juden Werner Samson, mit dem sie nach New York ausreiste. Moritz und Josefine Leopold mussten schließlich ausziehen und kamen in einem verwohnten Gebäude in Krefeld-Linn unter, Issumer Straße 15, das noch dem jüdischen Viehhändler Arthur Daniels (Stolpersteine für Arthur Daniels und Familie) gehörte. Moritz Leopold musste bei den IG-Farben in Uerdingen Zwangsarbeit leisten. Josefine und Moritz Leopold wurden am 22. April 1942 in das Transit-Ghetto Izbica deportiert.
An der Issumer Straße liegen ebenfalls Stolpersteine für die Eheleute Leopold (Stolpersteine für die Eheleute Leopold an der Issumer Str. 15 in Krefeld-Linn), da jedoch die Bismarckstraße 16 der letzte frei gewählte Wohnsitz und Lebensmittelpunkt war, wurden hier ebenso Stolpersteine verlegt.150px |Stolperstein für Josefine Leopold Bismarckstr. 16Josefine Leopold geb. Jesse, geboren am 3. September 1881 in Bonn-Kessenich.Leopold, Josefine. In: Das Bundesarchiv: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945. Abgerufen am 16. Juni 2026HIER WOHNTE JOSEFINE LEOPOLD GEB. JESSE JG. 1881 DEPORTIERT 1942 TRANSIT-GHETTO IZBICA ERMORDET150px |Stolperstein für Clara Rieser Bismarckstr. 16Clara Rieser geb. Leopold, geboren am 18. Mai 1909 in Lank-Latum.Rieser, Clara. In: Das Bundesarchiv: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945. Abgerufen am 16. Juni 2026HIER WOHNTE CLARA RIESER GEB. LEOPOLD JG. 1909 FLUCHT 1938 ARGENTINIEN150px |Stolperstein für Else Samson Bismarckstr. 16Else Samson geb. Leopold, geboren am 24. April 1914 in Lank-Latum.HIER WOHNTE ELSE SAMSON GEB. LEOPOLD JG. 1914 FLUCHT 1939 ENGLAND Familie Levy150px |Stolperstein für Alfred Levy Mühlenstr. 6Mühlenstr. 6, 40668 Meerbusch-Lank-Latum Erstverlegung 5. Juni 2024Alfred Levy, geboren am 7. März 1889 in Grefrath, Kreis Viersen.Levy, Alfred. In: Das Bundesarchiv: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945. Abgerufen am 16. Juni 2026HIER WOHNTE ALFRED LEVY JG. 1889 ‘SCHUTZHAFT‘ 1938 KZ DACHAU DEPORTIERT 1941GHETTO RIGAKZ STUTTHOFERMORDETAlfred Levy war ein angesehener Viehhändler, Kaufmann und betrieb eine Versicherungsagentur in Grefrath im Kreis Viersen. Er war darüber hinaus Mitbegründer und 1. Vorsitzender (14. Oktober 1910 – 1912) im Sportverein Grefrath 1910 e.V. Nach Auflösung des Geschäftes und Verkauf der Liegenschaften zog er etwa Ende 1939 mit seiner Familie in den Heimatort der Ehefrau, nach Lank-Latum. Hier fanden sie Unterkunft bei der jüdischen Familie Salomon auf der Mühlenstr. 6.
Vom 17. November bis 22. Dezember 1938 war Alfred Levy im KZ Dachau interniert. Die Deportation am 11. Dezember 1941 von Düsseldorf ins Ghetto Riga erfolgte zusammen mit der Familie von Alfred Salomon. Von Klara Levy verliert sich dort die Spur. Alfred wurde weiter ins KZ Stutthof verbracht, wo sich seine Spur verliert.
Der Sohn Gerd wurde am 16. August 1944 ins KZ Buchenwald eingeliefert und dort am 9. Februar 1945 ermordet.150px |Stolperstein für Klara Levy Mühlenstr. 6Klara Levy geb. Wyngaard, geboren am 3. Februar 1889 in Lank-Latum.Klara Levy. In: United States Holocaust Memorial Museum: Holocaust Survivors and Victims Database. Abgerufen am 16. Juni 2026HIER WOHNTE KLARA LEVY GEB. WYNGAARD JG. 1889 DEPORTIERT 1941 GHETTO RIGA ERMORDET150px |Stolperstein für Gerd Levy Mühlenstr. 6Gerd Levy, geboren am 12. Mai 1925 in Grefrath, Kreis Viersen.Levy, Gerd. In: Das Bundesarchiv: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945. Abgerufen am 16. Juni 2026HIER WOHNTE GERD LEVY JG. 1925 DEPORTIERT 1941 GHETTO RIGA1944 KZ STUTTHOFKZ BUCHENWALDERMORDET 9.2.1945 Familie Salomon150px |Stolperstein für Wilhelmine Salomon Mühlenstr. 6Mühlenstr. 6, 40668 Meerbusch-Lank-Latum