Live from Studio Rivea 1975 & 1976 (Untertitel Rivbea Live! Series, Volume 4) ist ein Musikalbum von Oliver Lake. Die 1975 und 1976 in New York City entstandenen Aufnahmen erschienen am 8. November 2025 auf NoBusiness Records.

Hintergrund Als der Saxophonist Oliver Lake 1975 nach seinem zweiten Aufenthalt in Paris nach New York kam, hatte er zunächst keine feste Band. Die von ihm mitbegründete Black Artists Group (BAG) hatte sich aufgelöst; eine seiner letzten Bands vor der Rückkehr nach New York bestand aus BAG-Mitglied Baikida Carroll an der Trompete, Peter Warren am Bass und Oliver Johnson am Schlagzeug. Auf sich allein gestellt, jammte er in verschiedenen Spielstätten, in der Hoffnung, von einer Plattenfirma entdeckt zu werden. In dieser Phase entstanden Aufnahmen (auf dem Album die Tracks 3 bis 7), die live am 13. Juli 1975 während des Summer Festival of New Jazz im Studio Rivbea, dem Loft von Bea und Sam Rivers in der Bond Street 24 in Manhattan, aufgenommen wurden. Mit Lake spielten Baikida Carroll (in „Rue Roger“), Michael Gregory Jackson (Gitarre), Fred Hopkins (Kontrabass) und Jerome Cooper (Schlagzeug).

Im März 1976 spielte Lake unter eigenem Namen das Album Holding Together für Black Saint ein; beteiligt waren erneut Michael Gregory Jackson und Fred Hopkins. Am Schlagzeug spielten Pheeroan akLaff und Paul Maddox.Tom Lord The Jazz Discography (online, abgerufen am 11. November 2025) Zwei weitere Stücke auf dem Album der Rivbea Live! Series (Tracks 1 und 2) stammen aus der Zeit nach diesen Aufnahmen, mitgeschnitten am 15. Mai 1976 während des Wildflowers Festivals im Studio Rivbea. Lake spielte hier mit Michael Gregory Jackson, Fred Hopkins und dem Schlagzeuger Phillip Wilson. Weitere Mitschnitte von diesem Festival erschienen auf dem Album Wildflowers – The New York Jazz Loft Sessions.

Die Aufnahmen wurden als das vierte Album der Reihe nach Live from Studio Rivbea (Rivbea Live! Series, Volume 3) mit Musik von Jimmy Lyons veröffentlicht.

Titelliste Oliver Lake: Live from Studio Rivea 1975 & 1976 (Rivbea Live! Series – Volume 4) (NoBusiness Records – NBCD 183) Clarity 2 (Michael Gregory Jackson) / Six Beats Out 9:17 A Space Rontoto 7:51 Re-Cre-Ate 8:54 Lodius 7:35 Rue Roger 23:03 Rite-ing 6:02 Trailway Shake 10:19

Soweit nicht anders angegeben stammen die Kompositionen von Oliver Lake.

Rezeption mini|Oliver Lake (1988) Nach Ansicht von Brian Olewnick (Squid’s Ear) hätten Lake und Jackson schon immer einen dünnen, trockenen Klang, während Hopkins und Wilson einen fetten, satten Klang erzeugten, sodass diese Kombination hier faszinierend sei. „Six Beats Out“ würde mit einem einfachen, ansprechenden, absteigenden Dreitakt-Thema beginnen, bevor es sich zu einer fragmentierten Reihe von Mini-Motiven entfalte, die einigen von Anthony Braxtons Kompositionen aus derselben Zeit nicht unähnlich seien. Dies münde schnell in einen improvisierten Abschnitt, Lake am Sopransaxophon, dann an der Flöte, Hopkins mit schönen, verschlungenen Passagen, Wilson mit den Besen. Es klinge kantig, ein typisches Merkmal von Lakes Stücken, und baue eine gute Dynamik auf (Wilson treibe das Geschehen voran, wieder mit Sticks), bevor es sanft abklinge. „A Space Rontoto“ sei ein kantiges, grob behauenes Werk, das an einige Stücke auf Lakes Arista-Veröffentlichung „Heavy Spirits“ erinnere, die Anfang 1975 aufgenommen worden waren. Trotz aller Härte in den Höhen verankere Hopkins’ Bass das Ganze hervorragend; ein gutes, kraftvolles Stück.

Auf der früheren Aufnahme werde Wilson durch Jerome Cooper (einen weiteren Musiker mit leichtem Anschlag) ersetzt, Lake greife kurz zum Tenorsaxophon, und Baikida Carroll sei bei einem Stück mit von der Partie, so Olewnick weiter. „Re-Cre-Ate“, eine weitere Komposition von Lake mit einer Art fragmentarischem Ansatz, schlingere auf reizvolle Weise dahin, weigere sich, sich in irgendeinem Groove einzupendeln, und biete stattdessen eine Bandbreite an Bildern, mal luftig, mal rau. Nach einem weiteren kniffligen und fesselnden Stück, in dem Lakes unverwechselbarer Alt im Vordergrund stehe, stürze sich die Band zusammen mit Carroll in den Höhepunkt der Veröffentlichung, eine 23-minütige Reise durch „Rue Roger“. Es sei ein Knaller, weniger im Stil von Stücken, die den Hörern vielleicht von dem Human Arts Ensemble (wie „Hazrat, the Sufi“) bekannt seien, sondern (manchmal) eher an ein Proto-Last-Exit-Feeling grenzend. Auf jeden Fall sei dies ein mitreißendes Werk. „Rite-ing“ beinhalte eine starke Solo-Altsaxophon-Darbietung, typisch für Lake. Der letzte Titel, „Trailway Shake“, werde durch etwas martialisches Schlagzeugspiel und einen sarkastischen Ansatz getrübt, der mit der Zeit etwas abgestanden wirke.

"Freebop, Freiheit und mehr" seien die Markenzeichen des litauischen Labels No Business Records, meint George W. Harris (Jazz Weekly). Aufgenommen in der frühen Phase seiner Karriere, sogar noch vor dem World Saxophone Quartet, sei Oliver Lake auf diesen beiden Aufnahmen aus der Mitte der 1970er Jahre zu hören. Mit Wilson spiele Lake auf „Six Beats Out“ virtuos Altsaxophon und Flöte, während er mit Jackson auf „A Space Rontoto“ einen rauen, kratzigen Sound hinlege. Trompeter Baidida Carroll stoße auf dem beschwingten Bebop-Stück „Rue Roger“ zur Cooper-Gruppe hinzu, das in einer rhythmischen Lawine von Cooper und Hopkins gipfle, während Lake auf „Trailway Shake“ ordentlich loslege. Dies sei eine mitreißende Reise.

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