Die Gesamterneuerungswahlen im Kanton Waadt 2022 fanden am 20. März und 10. April 2022 statt. Dabei wurden die 150 Mandate des kantonalen Parlamentes (Grand Conseil) und die 7 Mitglieder der kantonalen Regierung (Conseil d'État) neu gewählt.

Wahlverfahren

Parlament Die 150 Sitze des Grossen Rates werden nach dem Verhältniswahlrecht (Proporz) gewählt. Der Kanton wird dazu in 13 Wahlkreise unterteilt. Die Basis bilden die zehn Bezirke des Kantons Waadt, wobei die Bezirke Jura-Nord vaudois, Lausanne und Riviera-Pays-d’Enhaut jeweils in zwei Wahlkreise unterteilt werden (Art. 53 und 54 LEDP). Die 150 Parlamentssitze werden auf Grundlage der Bevölkerungsstatistik gemäss der untenstehender Tabelle auf die Wahlkreise verteilt. In jedem Bezirk gilt ein Mindestquorum von 5 Prozent. Einer Wahlliste, die in einem Bezirk das Mindestquorum nicht erreicht, werden in diesem Bezirk keine Parlamentssitze zugewiesen (Art. 73 LEDP). Bei den in zwei Wahlkreise unterteilten Bezirken gilt das Mindestquorum auf der Bezirks-Ebene und nicht der Wahlkreis-Ebene (Art. 75 LEDP). Die Amtsperiode dauert fünf Jahre (Art. 40 LEDP). Bezirk(Unter-)WahlkreisSitzeAigle8Broye-Vully8Gros-de-Vaud8Jura-Nord vaudoisYverdon15La Vallée2LausanneLausanne-Ville26Romanel5Lavaux-Oron12Morges16Nyon19Ouest lausannois15Riviera-Pays-d'EnhautVevey14Pays-d'Enhaut2

Regierung Die sieben Sitze des Staatsrates werden im Mehrheitswahlrecht (Majorz) gewählt, wobei das gesamte Kantonsgebiet als Einheitswahlkreis fungiert. Im ersten Wahlgang ist das absolute Mehr erforderlich, im zweiten Wahlgang genügt das relative Mehr (Art. 86 LEDP). Die Amtsperiode dauert fünf Jahre und startete am 1. Juli 2022 (Art. 13 LOCE).

Ausgangslage

Parlament Bei den vorangegangenen Wahlen vom 30. April 2017 konnten die FDP und die Grünen je zwei zusätzliche Sitze gewinnen. Die SP verlor hingegen vier Sitze.

Regierung Die drei bisherigen Regierungsmitglieder Béatrice Métraux (Grüne), Philippe Leuba und Pascal Broulis (beide FDP) kandidierten nicht für eine weitere Amtszeit. Die weiteren vier bisherigen Regierungsmitglieder – Christelle Luisier (FDP), Nuria Gorrite, Rebecca Ruiz und Cesla Amarelle (alle SP) – stellten sich für eine erneute Kandidatur zur Verfügung. Die FDP nominierte die beiden Nationalrats-Mitglieder Frédéric Borloz und Isabelle Moret, um die freiwerdenden Sitze zu verteidigen. Die Grünen traten mit Grossrat Vassilis Venizelos zu den Wahlen an. Die SVP und die Mitte waren vor den Wahlen nicht im Regierungsrat vertreten. Sie versuchten mit Nationalrat Michaël Buffat (SVP) bzw. Valérie Dittli (Mitte) einen Regierungssitz zu erreichen. Zudem kandidierten rund 15 Personen ohne den Rückhalt einer grösseren Partei.

Ergebnisse

Parlament Die FDP wurde wiederum die stärkste Partei und konnte einen zusätzlichen Grossratssitz gewinnen. Die grössten Wahlsiegerinnen waren die Grünen und die GLP, welche je vier zusätzliche Parlamentsmandate erobern konnte. Die Grünen überholten dabei die SVP und wurden neu zur drittstärksten Partei. Die SP konnte den zweiten Platz verteidigen, verlor jedoch fünf Sitze. Auch die SVP musste zwei Sitzverluste hinnehmen. Die Mitte-Partei scheiterte am Mindestquorum und verlor ihre letzten zwei Sitze. Die Partei ist damit nicht mehr im Parlament vertreten. Insgesamt sind zehn Parteien im Grossen Rat vertreten. ParteiStimmenWähleranteil+/-Sitze+/-FDP28,43 +0,7650 +1SP18,02 −1,9632 −5Grüne13,59 +2,6225 +4SVP12,53 −0,8123 −2GLP6,27 +4,2711 +4POP2,39 +0,223 0solidaritéS1 0Les Libres1,50 −1,622 −2Mitte1,26 −0,830 −2décroissance alternatives0,86 +0,082 +1Alliances des Libertés0,84 neu0Solidarité & Écologie 0,62 neu1 +1

Regierung Erster Wahlgang Das absolute Mehr betrug im ersten Wahlgang genau 75'000 Stimmen. Nur die bisherige Regierungsrätin Christelle Luisier konnte diese Hürde knapp überwinden und war damit für eine weitere Amtszeit gewählt. Alle weiteren Kandidierenden mussten den zweiten Wahlgang bestreiten. Alle Kandidaturen mit weniger als 15'000 Stimmen haben sich nach dem ersten Wahlgang zurückgezogen. KandidatParteiBisher/NeuStimmenChristelle LuisierFDPBisherAbsolutes MehrIsabelle MoretFDPNeuFrédéric BorlozFDPNeuNuria GorriteSPBisherRebecca RuizSPBisherMichaël BuffatSVPNeuValérie DittliMitteNeuCesla AmarelleSPBisherVassilis VenizelosGrüneNeu In der Tabelle werden nur Kandidierende mit mindestens 15'000 Stimmen angezeigt.

Zweiter Wahlgang Im zweiten Wahlgang erreichten die bisherigen Regierungsrätinnen Nuria Gorrite und Rebecca Ruiz die beiden ersten Plätze und wurden für eine weitere Amtszeit gewählt. Dahinter platzierten sich Isabelle Moret und Frédéric Borloz, womit die FDP ihre drei Regierungssitze verteidigen konnte. Auch die Grünen konnten den Sitz im Regierungsrat mit Vassilis Venizelos verteidigen. Im Kampf um den siebten Regierungssitz konnte sich überraschend die Mitte-Kandidatin Valérie Dittli gegen die bisherige Regierungsrätin Cesla Amarelle durchsetzen. Damit ist die Mitte als Kleinpartei zum ersten Mal in der Regierung vertreten, obwohl sie im Parlament keine Sitze gewinnen konnte. Cesla Amarelle hingegen wurde abgewählt. KandidatParteiBisher/NeuStimmenNuria GorriteSPBisherRebecca RuizSPBisherIsabelle MoretFDPNeuFrédéric BorlozFDPNeuVassilis VenizelosGrüneNeuValérie DittliMitteNeuCesla AmarelleSPBisherMichaël BuffatSVPNeu

Einzelnachweise

Kategorie:Politik Kategorie:Wahl 2022 Kategorie:Wahl in der Schweiz