mini|Die Salle de musique (links) und das Theater des TPR aus der Vogelperspektive Die Société de Musique de La Chaux-de-Fonds ist die Musikgesellschaft in der Stadt La Chaux-de-Fonds in der Schweiz. Sie feierte im Jahr 2018 ihr 125-jähriges Bestehen. Ihr Konzertsaal, die Salle de musique an der Avenue Léopold-Robert 27, gilt wegen ihrer ausgezeichneten Akustik als eines der 30 besten Konzerthäuser der Welt. Mehrere internationale Musiklabel haben hier deshalb Konzertaufnahmen angefertigt.
Die Musikgesellschaft von ihrer Gründung bis heute Als der Violinist Georges-Albert Pantillon (1870–1962), der mit 14 Jahren Schüler von Joseph Joachim in Berlin geworden war, in seine Heimatstadt La Chaux-de-Fonds zurückkam, war er ein Musiker auf hohem Niveau. Zuvor hatte es in dieser abgelegenen Uhrmacherstadt im Hochjura nur gelegentliche Konzerte gegeben, denen jeweils eine spontane Geldsammlung vorausgegangen war, wobei die angereisten Musiker dann häufig nur vor zwei bis zwanzig Zuhörern spielten. Vor den sonntäglichen Konzerten im Festlokal Bel-Air oder im Schützenhaus Le Stand derweil, bei denen geraucht, gegessen und getanzt wurde, graute es dem Bildungsbürgertum. Sein Musikerkollege Jules Calame-Golin jedenfalls teilte diese Einschätzung mit Pantillon.
Die Musikgesellschaft, so der Plan, sollte sich auf 200 Abonnenten stützen. Die Zeitung La Sentinelle berichtete sodann am 21. Januar 1893, dass die drei Tage zuvor gegründete Société de Musique bereits über 150 Abonnenten habe und eine Einschreibung im Musikaliengeschäft der Herren Léopold Beck und Jules Perregaux möglich sei. Kostenpunkt war 5 Franken jährlich, Eintrittskarten waren dann mit Vorkaufsrecht an der Kasse zu erwerben.
Die Liste der Gründer umfasste etliche Uhrenindustrielle. Den Eindruck des Snobismus wollte diese Elite aber tunlichst vermeiden. Bis heute ist es deshalb üblich, in die Konzerte der Société de Musique in normaler Alltagskleidung zu erscheinen. Das Publikum sollte erzogen werden, anspruchsvollen musikalischen Darbietungen in Stille zu lauschen, statt Musik für gesellige Feiern zu nutzen. In La Chaux-de-Fonds «ernsthafte Konzerte» zu etablieren, «wie es sie in jeder anderen wichtigen Stadt gibt», das war das erklärte Ziel, wie ein Artikel im L’Impartial vom 17. Januar 1893 darlegte. Dieses Konzept überzeugte bis im Herbst 1893 fünfzig weitere Kunden und so konnte die Zahl von 202 Abonnenten erreicht werden, wobei die Société de Musique zunächst jedoch finanzielle Verluste machte. Ihre Strategie bestand deshalb darin, sofort auf die ganz grossen Namen im Musikgeschäft zu setzen.
Internationale Musiker sollten nach La Chaux-de-Fonds gelockt werden, indem ihnen ein geschultes, diskretes und begeisterungsfähiges Publikum einen herzlichen Empfang bereitete. Dies wird bis heute geschätzt. So spielte Clara Haskil 1926. Ihr Lehrer Alfred Cortot galt da schon als habitué des Hauses. Andere Pianisten waren Dinu Lipatti und Youra Guller, die in der Villa des Industriellen Moïse Schwob und mit dessen Sohn Georges Schwob vertraut war, der wiederum den nächsten grossen Schritt vorantrieb und den Bau der Salle de musique anging. Gemeinsam mit Tell Perrin, dem Vorsitzenden der 1925 gegründeten Association Musica, die Geld aus einem Nachlass und Überschüsse der von Georges Schwob geleiteten Edelmetallkontrolle erhielt, konnte 1953 der Bau eines Musiksaals begonnen werden, der alle technischen Ansprüche zufriedenstellen sollte. Von Schwob, der, um die Unternehmen seines Vaters in Tavannes zu leiten, auf eine Pianistenkarriere verzichtet hatte, sagte Henryk Szeryng: «Es ist Schwob, der La Chaux-de-Fonds auf der Weltkarte der Musik eingeschrieben hat.» Am 4. Juni 1955 wurde die Salle de musique eingeweiht. Zur feierlichen Eröffnung spielte das Orchestre de la Suisse Romande. Am 20. Januar 1957 wurde von Robert Faller die Orgel eingeweiht. Seit 1960 finden zwei kostenlose Orgelkonzerte pro Saison statt.
Die Salle de musique mit 1162 Sitzplätzen nach dem Entwurf der Architekten René Chapallaz und Hans Bieri (Junior), mit einer Fassadengestaltung von Rudolf Christ, bietet laut Kennern eine weltweit einzigartige Akustik, was sich international herumgesprochen hat. Seit 1957 finden zwölf Konzerte pro Saison statt. Seit einiger Zeit gibt es die Unterscheidung zwischen der «Grande série», mit Auftritten von Orchestern und etablierten Musikern einerseits, und dem Format «Nouveaux talents», das bei tieferen Eintrittspreisen jungen Nachwuchsmusikern Auftrittsmöglichkeiten anbietet. Ergänzend dazu eröffnen Vorträge in der Salle Faller des gegenüberliegenden Conservatoire de musique neuchâtelois, im Centre de Culture ABC und im Club 44 einen erweiterten Zugang zur Musik. Für Aufführungen an der Schnittstelle zum Theater wird auch die angrenzende Theaterbühne «L’Heure bleu» bespielt.
Liste bekannter Musiker bis zur Eröffnung der Salle de musique
Weblinks Société de Musique
Einzelnachweise
Kategorie:Musikorganisation (Schweiz) Kategorie:Organisation (La Chaux-de-Fonds) Kategorie:Vereinsgründung 1893