miniatur|297px|Wilhelmsfeld Wilhelmsfeld ist eine rund 3300 Einwohner zählende Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis im Nordwesten von Baden-Württemberg. Der staatlich anerkannte Luftkurort entstand zu Beginn des 18. Jahrhunderts im Rodungsgebiet des Odenwaldes.

Geografie Lage Wilhelmsfeld liegt im Rhein-Neckar-Kreis, wenige Kilometer nordöstlich von Heidelberg.

Naturraum Das Gemeindegebiet befindet sich in 280 bis 530 Metern Höhe in der Hügellandschaft des südlichen Odenwalds, direkt hinter dessen Buntsandsteinstufe. Die Lage ist geprägt vom Talgrund des Hilsbachs, in den der Belschbach einmündet, und von den umgebenden, bewaldeten Höhen. Der Hilsbach fließt nach Osten der Steinach zu. Im Westen öffnet sich ein Sattel zum Schriesheimer Tal.

Klima Das Klima unterscheidet sich signifikant von der nur wenige Kilometer westlich befindlichen Oberrheinischen Tiefebene. Es ist wesentlich ausgeglichener mit geringeren Temperaturschwankungen und im Schnitt 2 °C kühler, was schwüle Hochsommertage fast ausschließt. Begünstigt durch den Sattel im Westen und die Höhenlage ist die Niederschlagsmenge relativ hoch.Kreisbeschreibung Bd. 2, S. 1039/1040.

Gemarkung Die vergleichsweise kleine Gemarkung erstreckt sich über 475 Hektar. Davon sind 25,5 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 19,6 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 54,3 Prozent sind bewaldet. Zu Gemarkung gehört ein schmaler, nördlich verlaufender Streifen, auf dem der Belschbach fließt.

Nachbargemeinden Das Gemeindegebiet von Wilhelmsfeld grenzt im Westen an Schriesheim, im Norden wird der Centwald, eine Exklave von Weinheim, fast umschlossen, im Nordosten folgt Heiligkreuzsteinach, im Osten Schönau und im Süden Heidelberg. Nachbarorte sind im Westen Altenbach (Schriesheim), im Norden Hinterheubach (Heiligkreuzsteinach), im Osten Altneudorf (Schönau) und im Süden Peterstal (Heidelberg).

Gemeindegliederung Wilhelmsfeld entwickelte sich ursprünglich aus drei kleinen Häusergruppen, dem Oberdorf, dem Mitteldorf und dem Unterdorf. Da erst sehr spät ein Bebauungsplan aufgestellt wurde, wurden immer wieder getrennt von der übrigen Siedlungsbebauung einzelne Häuser auf der Gemarkung gebaut, die sich später zum Teil zu kleinen Weilern wandelten. Erst mit dem Aufschwung in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg entstand ein relativ geschlossenes Ortsbild, das aber immer noch eine aufgelockerte Bebauung aufweist.Wilhelmsfeld: Die Geschichte der Gemeinde. S. 256–260.

Geschichte miniatur|hochkant|Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz (Jan Frans van Douven, um 1700)

Mittelalter Die Odenwaldregion um das heutige Wilhelmsfeld wurde vermutlich ab dem Jahr 1100 besiedelt. Das Hilsbachtal blieb aber wohl wegen der steilen und unfruchtbaren Böden unberührt. Der hiesige Centallmendwald diente den umliegenden Dörfern als Holzlieferant und Viehweide und den Heidelberger Kurfürsten als Jagdrevier. Vereinzelt ließen sich auch Köhler und Pottaschensieder nieder.Wilhelmsfeld: Die Geschichte der Gemeinde. S. 15/16.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts begann die Besiedlung von Wilhelmsfeld. Das genaue Jahr ist nicht bekannt. Erstmals schriftliche Erwähnung findet der Ort am 7. Juli 1710, als der Vogt der Kellerei Waldeck für Hans Adam Reinhard und vier weitere Bauern aus dem Steinachtal um die Genehmigung der Siedlung bei Kurfürst Johann Wilhelm ersuchte, der am 23. Dezember auch zustimmte. Der Ort, der nach dem Kurfürsten Wilhelmsfeld genannt wurde (zu Beginn aber zeitweise auch als Neudorf bezeichnet wurdeWilhelmsfeld. Die Geschichte der Gemeinde. S. 23), gehörte zur Kellerei Waldeck des Oberamtes Heidelberg, deren Keller oder Schultheiß in Heiligkreuzsteinach saß. Die Neugründung erhielt aufgrund der Erschwernisse, das Land musste erst gerodet werden, für mindestens zehn Jahre Steuerfreiheit, was den Zuzug weiterer Siedler begünstigte. Im Jahr 1727 hatte das neue Dorf auch schon 108 Einwohner. Aus den Steuerlisten dieser Zeit geht jedoch hervor, dass der Ort besonders arm gewesen sein muss. In den nachfolgenden Jahren sind mehrfach große Ernteverluste wegen Wetterkapriolen verzeichnet, wie beispielsweise im Jahr 1754, in dem starke Regenfälle die Winterfrucht verdarben, oder 1778, als von einer erneuten Missernte berichtet wird.Wilhelmsfeld: Die Geschichte der Gemeinde. S. 17–35.

Neuzeit 1803 wurde die Kurpfalz aufgelöst und Wilhelmsfeld gelangte zu Baden, wo es 1807, wie die gesamte Kellerei Waldeck, dem badischen Oberamt Heidelberg angegliedert wurde. 1810 wurde Wilhelmsfeld aus der Großgemeinde Heiligkreuzsteinach herausgelöst und selbstständige Gemeinde.Wilhelmsfeld: Die Geschichte der Gemeinde. S. 34–38.

In den Kämpfen der Revolutionszeit von 1848/49 wirkten der Pfarrer Friedrich August Lehlbach, der im Steinachtal drei Kompanien aufstellte, und der Bürgermeister Nikolaus Bauder aktiv mit. Nach der gewaltsamen Niederschlagung wurde der Bürgermeister abgesetzt, und die badischen Behörden legten ihm nahe, in die Vereinigten Staaten auszuwandern. Innerhalb kurzer Zeit verließen 48 Wilhelmsfelder den rund 700 Einwohner zählenden Ort in Richtung Amerika.Wilhelmsfeld: Die Geschichte der Gemeinde. S. 70–73.

Zwanzigstes Jahrhundert Im Ersten Weltkrieg fielen 55 Soldaten aus Wilhelmsfeld, das damals um die 900 Einwohner hatte. Weitere 48 Todesopfer forderte die Spanische Grippe.

Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war wie fast überall durch Mangel, Inflation und politische Unruhen gekennzeichnet.Wilhelmsfeld: Die Geschichte der Gemeinde. S. 83–85.

Politisch waren in Wilhelmsfeld meist die Nationalliberalen führend, ehe Ende des 19. Jahrhunderts die SPD an Stimmen gewann und 1912 stärkste Partei wurde. Sie behielt ihre Vormachtstellung auch in der Weimarer Republik bei. Bei der Reichstagswahl November 1932 erhielt die NSDAP 40,1 Prozent der Stimmen, die SPD 35,1 Prozent und die KPD 10,5 Prozent.Wilhelmsfeld: Die Geschichte der Gemeinde. S. 42/43.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erfolgte eine „Gleichschaltung“ des öffentlichen Lebens. Die SPD und die KPD sowie mehrere als „Arbeitervereine“ eingestuften Vereine wurden im „roten“ Wilhelmsfeld verboten. Nach dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ wurden zwei Wilhelmsfelder Bürger ermordet. Während des Zweiten Weltkriegs wurden 126 Wilhelmsfelder Soldaten getötet. Mit dem Einzug von US-Truppen am 29. März 1945 war der Krieg in Wilhelmsfeld zu Ende.Wilhelmsfeld: Die Geschichte der Gemeinde. S. 91–151.

Die Bevölkerungsentwicklung in Wilhelmsfeld war während der Industrialisierung zwischen 1875 und 1939 weit hinter der der Region zurückgeblieben. Die schlechte Verkehrsanbindung und die zahlreichen Arbeitsmöglichkeiten in den Städten der Rheinebene führten zu Wegzügen. Dann aber setzte eine rasante Entwicklung ein. Bereits während des Zweiten Weltkrieges wurden ausgebombte Städter im Ort einquartiert. Danach folgten zahlreiche Heimatvertriebene, in der Mehrzahl Sudetendeutsche und schließlich ermöglichte die zunehmende Automobilisierung den Zuzug von Pendlern, so dass sich die Einwohnerzahl zwischen 1939 und 1964 um 140 Prozent steigerte.Kreisbeschreibung Bd. 2, S. 1046.

Viele Infrastrukturmaßnahmen, die anderswo schon selbstverständlich waren, der Gemeinde Wilhelmsfeld aufgrund der weit verstreuten Besiedlung aber große finanzielle Aufwendungen abverlangten, wurden nun verwirklicht, wie Kanalisation, asphaltierte Straßen, Straßenbeleuchtung, Müllentsorgung und Wasserversorgung.Wilhelmsfeld: Die Geschichte der Gemeinde. S. 269–292.

1966 wurde die Gemeinde als Luftkurort staatlich anerkannt.

Bei der Gemeindereform in den 1970er Jahren konnte Wilhelmsfeld seine Selbstständigkeit wahren und wurde ein Mitglied des Gemeindeverwaltungsverbands Schönau. Der Landkreis Heidelberg hingegen wurde im Zuge der Kreisreform 1973 aufgelöst und die Gemeinde dem neu gegründeten Rhein-Neckar-Kreis mit Sitz in Heidelberg angegliedert.Wilhelmsfeld: Die Geschichte der Gemeinde. S. 60/61.

1989 hatte Wilhelmsfeld erstmals mehr als 3000 Einwohner.

Jahr 1727 1777 1818 1852 1905 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 EinwohnerEinwohnerzahlen bis 1961: Kreisbeschreibung Bd. 2, S. 1046. Danach: 108 293 491 727 868 962 1418 2002 2584 2831 3073 3297 3305 3336 3258 3197

miniatur|Evangelische Kirche miniatur|hochkant|Evangelisches Pfarrhaus

Eingemeindungen Durch die späte Gründung hatte Wilhelmsfeld zunächst offiziell keine eigene Gemarkung. Erst 1790 wurde das waldfreie Gebiet im Hilsbachtal dem Ort zugesprochen und der Centallmentwald unter den älteren Gemeinden aufgeteilt. Wilhelmsfeld klagte dagegen und erhielt 1815 ein 25 Hektar großes Waldgebiet zugesprochen. Weiterhin aber reichten die Gemarkungen von den Nachbargemeinden zum Teil bis an die Ortsbebauung heran. Erst 1930 wurde der Staatswald der Ziegelhausener Waldgemarkung aufgeteilt und Wilhelmsfeld erhielt 220 Hektar zugesprochen. Über den nördlich gelegenen Wald von Lützelsachsen konnte aber keine Einigung erzielt werden. Einen Eingemeindungsantrag lehnte das badische Innenministerium 1924 ab.Wilhelmsfeld: Die Geschichte der Gemeinde. S. 38/39.

Das 40 Einwohner zählende Peterstal versuchte 1840 zu Wilhelmsfeld eingemeindet zu werden, was vom Bezirksamt Heidelberg aber abgelehnt wurde. In den 1920er Jahren hingegen sollte Peterstal seine Selbständigkeit verlieren, weil der arme Ort nach Ansicht der Behörden nicht lebensfähig sei. Wilhelmsfeld stellte einen Eingemeindungsantrag, obwohl es mit der Herstellung der Infrastruktur vermutlich überfordert gewesen wäre. Daraufhin beantragte Wilhelmsfeld einen Zusammenschluss mit Peterstal und Ziegelhausen. Ziegelhausen befürchtete aber zu hohe finanzielle Lasten, die es für die beiden armen Odenwaldgemeinden zu tragen hätte, weswegen Wilhelmsfeld den Antrag 1930 zurückzog und Peterstal im Jahr 1936 schließlich an Ziegelhausen angeschlossen wurde.Wilhelmsfeld: Die Geschichte der Gemeinde. S. 41, 61/62.

Direkt am Ortskern befand sich der Schriesheimer Hof. Da dessen Einwohner die Einrichtungen von Wilhelmsfeld nutzten, beantragte die Gemeinde erstmals 1885 die Eingemeindung. Der Versuch schlug aber genauso wie 1927 fehl. 1963 unterlag die Gemeinde gar vor dem Verwaltungsgerichtshof. Erst am 1. Januar 1977 wurde der Schriesheimer Hof durch einen Erlass des Innenministers an Wilhelmsfeld angeschlossen.Wilhelmsfeld: Die Geschichte der Gemeinde. S. 40. 780px|border Wilhelmsfeld, Blick vom Teltschikturm

Religionen Seit der Gründung von Wilhelmsfeld war die Bevölkerung nahezu ausschließlich reformiert und gehörte zur Pfarrei von Heiligkreuzsteinach. 1867 erhielt Wilhelmsfeld eine eigene Pfarrei und ein Jahr später wurde die Kirche eingeweiht. Von 1872 bis Anfang der 1990er Jahre war Altenbach Filiale der Wilhelmsfelder Gemeinde, die zum Kirchenbezirk Neckargemünd-Eberbach der Evangelischen Landeskirche in Baden gehört.

Die zunächst nur wenigen Katholiken konnten ihre Zahl durch die Zuzüge nach dem Zweiten Weltkrieg steigern und stellten 1961 27 Prozent der Einwohner. Seit 1909 hat die Gemeinde, die zum Dekanat Heidelberg-Weinheim des Erzbistums Freiburg gehört, eine eigene Kirche.

1955 errichtete die neuapostolische Gemeinde eine Kirche.Kreisbeschreibung Bd. 2, S. 1045/1046. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1981.

Politik Gemeinderat miniatur|Rathaus Der Gemeinderat hat außer dem vorsitzenden Bürgermeister 14 Mitglieder, die alle fünf Jahre direkt gewählt werden. Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis:

Partei Sitze Freie Wähler 3 Grüne Initiative Wilhelmsfeld 3 CDU Wilhelmsfeld 3 Bürgergemeinschaft Wilhelmsfeld 5

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