mini|Die Zentrale der W.D.R. in Wyk Die Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum GmbH, kurz W.D.R., ist eine Reederei, die die nordfriesischen Inseln Föhr und Amrum mit dem Festlandhafen Dagebüll sowie die Halligen Hooge und Langeneß mit dem Festlandhafen Schlüttsiel durch einen regelmäßigen und ganzjährigen Linienverkehr verbindet. Auf den Fährschiffen werden hauptsächlich Personen, Fahrzeuge aller Größen und bis zum 30. September 2020 Stückgut in eigener Regie befördert. Die Fährlinien stellen die wesentliche Lebensader der Inseln und Halligen dar.
Außerdem betreibt die W.D.R. als Verkehrsunternehmen den öffentlichen Busverkehr auf den Inseln Föhr und Amrum.
Geschichte mini|Flagge der W.D.R. auf einer der Inselfähren mini|Fähranleger in Wittdün mit W.D.R.-Fähre, im Hintergrund zwei weitere W.D.R.-Fähren und Föhr mini|Die 1964 gebaute Klaar Kiming Seit 1662 ist ein regelmäßiger Fährverkehr zwischen dem nordfriesischen Festland und Föhr nachgewiesen. Ab den 1830er Jahren stieg die Anzahl der Fahrgäste durch den Ausbau Wyks zum Seebad. Ab 1872 führte die Wyker Fährgenossenschaft den Fährbetrieb zwischen Wyk und Dagebüll mit dem Dampfschiff Föhr et Dagebüll durch. Der Bedarf wuchs weiter, so dass Anfang 1885 33 Wyker Bürger unter der Leitung von Steffen-Heinrich Boetius die Wyker Rhederei Gesellschaft gründeten, eine Partenreederei. Ziel war die Indienststellung eines modernen Fährschiffes, das von Wyk aus Munkmarsch auf Sylt, den Festlandshafen Dagebüll sowie Amrum bedienen sollte.Geschichte bis 1920 Offizielle Website der Reederei, abgerufen am 12. September 2015 1886 stellte die Reederei die Nordfriesland I in Betrieb. Zwei Konkurrenten, die Wyker Fährgenossenschaft und die Föhrer Dampfschiffahrts-Gesellschaft wurden noch in den 1880er Jahren übernommen bzw. liquidiert, so dass die Reederei auf Föhr Monopolist war. Amrum wurde hingegen bis 1971 auch von anderen Fährgesellschaften angelaufen. Am 12. Mai 1894 wurde die Partenreederei in eine GmbH umgewandelt und als Wyker Dampfschiffs-Rhederei-Gesellschaft m.b.H. beim Amtsgericht Wyk auf Föhr eingetragen. 1895 wurde die Kleinbahn Niebüll–Dagebüll als Schmalspurbahn eingeweiht. Dadurch gewann der Festlandshafen Dagebüll an Bedeutung. 1908 nahm die Dampffähre Föhr-Amrum mit 211 BRT und maximal 470 Passagieren ihren Dienst auf. Während des Ersten Weltkriegs sanken die Umsätze; die Stadt Wyk kaufte 1918 75 Prozent der Gesellschaft.
Im Juni 1927 ging die Nordfriesland III in Betrieb. Sie maß 285 BRT, war knapp 40 Meter lang und 7,8 Meter breit. Die Höchstgeschwindigkeit betrug elf Knoten. Die Nordfriesland III fasste bis zu 740 Passagiere und war das erste Schiff der W.D.R., das Kraftfahrzeuge transportieren konnte, anfangs allerdings nur eines. Die Verladung der Autos erfolgte über schmale Holzbohlen. Im Jahr davor war die Bahnstrecke nach Niebüll auf Normalspur umgespurt worden, so dass deren Leistungsfähigkeit ebenfalls erhöht war. Grund für diese Maßnahmen war die Konkurrenz zur Insel Sylt, die 1927 über den Hindenburgdamm mit dem Festland verbunden worden war.
Im Zweiten Weltkrieg gab es erneut einen deutlichen Rückgang der Verkehrsleistungen. Mehrmals wurden Fähren aus der Luft angegriffen. Am 10. Juli 1944 starben elf Menschen bei der Bombardierung der Kapitäne Christiansen. Die meisten Fährfahrten wurden im Schutz der Dunkelheit unternommen. In der Nachkriegszeit stiegen die Passagierzahlen an. Ab 1952 richtete die W.D.R. von Hörnum, Wyk, Wittdün und Dagebüll in der Sommersaison Ausflugsverkehr nach Helgoland ein, nachdem es wieder Teil des deutschen Hoheitsgebiets geworden war. Weitere Ausflugsfahrten wurden von Föhr oder Amrum aus unter anderem mit der Rüm Hart (I) und Rüm Hart (II), der Klaar Kiming, der Stadt Husum und der Störtebeker angeboten. Etwa 1960 übernahm die W.D.R. den Busverkehr auf Föhr und Amrum.Geschichte 1920–1960 Offizielle Website der Reederei, abgerufen am 12. September 2015
Die Hafenanlagen wurden regelmäßig erweitert und modernisiert, die Flotte wurde in kurzen Abständen erneuert. Dabei wurden immer größere Schiffe gekauft, um mehr Pkw transportieren zu können. Bis 1995 wurden alle Autofähren der W.D.R. bei der Husumer Schiffswerft gebaut. Am 30. Juni 1962 erhielt die W.D.R. mit der Pidder Lyng I ihr erstes RoRo-Fährschiff. Es war 41,6 Meter lang und fasste 200 Passagiere und 36 Pkw. 1963 wurde die Nordfriesland III außer Dienst gestellt. 1971 übernahm die W.D.R. die Amrumer Schiffahrts-AG (ASAG) mit dem 1968 gebauten Fährschiff Amrum und der Stadt Husum. Damit kam die „Halliglinie“, die den Festlandshafen Schlüttsiel mit den Halligen Hooge und Langeneß und den Amrumer Häfen Wittdün und Steenodde verband, zur W.D.R.Offizielle Website der Reederei/Geschichte 1960–1990, abgerufen am 12. September 2015 Ebenfalls 1971 wurde zwischen Dagebüll, Wyk und Wittdün der tideunabhängige Verkehr eingeführt. 1986 wurde mit der Uthlande ein W.D.R.-Fährschiff in der Werft verlängert, um seine Kapazität zu erhöhen, 1987 folgte die Nordfriesland V.
1992 war das bisherige Rekordjahr der W.D.R., als kurz nach der deutschen Wiedervereinigung rund 2,25 Millionen Passagiere die Fähren nutzten. 1995 erwarb die W.D.R. die Mehrheit der Anteile des Landes Schleswig-Holstein an der Nordfriesischen Verkehrsbetriebe AG (NVAG), die die Bahnstrecke von Dagebüll nach Niebüll betrieb. Die Beteiligung wurde 2000 im Zuge der Konzentration der W.D.R. auf das eigene Kerngeschäft an ein norddeutsches Nahverkehrskonsortium weiterverkauft. Die NVAG meldete 2003 Insolvenz an und firmiert heute unter dem Namen neg als Tochtergesellschaft der CFL (luxemburgische Staatsbahn). mini|Die 1992 in Dienst gestellte Rungholt nach dem Auslaufen aus Wyk Die „Halliglinie“Fahrplan 2017 der W.D.R. Abgerufen am 14. Februar 2017 wurde gekürzt, so dass Steenodde nicht mehr angelaufen wurde. Die Amrum war bis 1991 im Einsatz und wurde an die Weiße Flotte Stralsund verkauft, die sie als Vitte im Verkehr zur Insel Hiddensee verwendet. Sie wurde durch die Hilligenlei II ersetzt, die den großen W.D.R.-Fähren ähnelte und 2002 von der noch kleineren Hilligenlei I (heute Hilligenlei) abgelöst wurde. Von 1999 bis 2006 war die W.D.R. Miteigentümerin des Highspeed Catamaran CAT No. 1, der im Helgoland-Verkehr eingesetzt wurde. 2002 führte die W.D.R. zum vorerst letzten Mal mit der Pidder Lyng II Ausflugsfahrten nach Helgoland durch. Sie wurde an die Adler-Schiffe verkauft und fuhr in deren Auftrag 2006 erneut im Helgolandverkehr. 2009 wurde die Busflotte von 14 auf acht Busse verringert und der Gelegenheitsverkehr auf Föhr aufgegeben.
2010 wurde mit der Uthlande erstmals eine Doppelendfähre in Betrieb genommen. Sie hat nur 1,85 m maximalen Tiefgang und eine größere Kapazität (bis zu 1200 Passagiere und 75 PKW) als die bisherigen Fähren. Sie wurde auf der Sietas-Werft in Hamburg gebaut., abgerufen am 9. Oktober 2012 Ende 2011 nahm mit der Schleswig-Holstein ein weitgehend baugleiches Schiff den Dienst auf, das von der Neptun-Werft in Rostock gebaut worden war.
Beide Fährschiffe erhielten 2012 das Umweltzeichen Blauer Engel für umweltfreundliches Schiffsdesign. Im Fährdienst der Reederei fährt seit Jahrzehnten kein einziges Schiff mit dem in der Hochseeschifffahrt fast ausschließlich genutzten Schweröl, obwohl dies technisch möglich und deutlich kostengünstiger wäre. Die W.D.R. verwendet stattdessen einen deutlich teureren, heizölähnlichen Dieselkraftstoff. Damit erfüllte die W.D.R. bereits vor der Zeit Abgasnormen, die gemäß Beschluss der International Maritime Organization (IMO) bis 2020 schrittweise in Kraft getreten sind.Pressemitteilung, 10. Juni 2013. reederverband.de
Mit der Indienststellung der Uthlande im Jahr 2010 stellten die Betreiber der Häfen Dagebüll, Wyk auf Föhr und Wittdün auf Amrum in Abstimmung mit der W.D.R. das Beladungssystem auf die Trennung des Fußgänger- und Fahrzeugverkehrs um. Zu diesem Zweck wurde zeitgleich in jedem der drei Häfen neben einer Fährbrücke jeweils ein überdachter Fußgänger-Seiteneinstieg errichtet. Dies ermöglicht den Passagieren den direkten Zugang zu den Salondecks aller W.D.R.-Fährschiffe. Auf den drei Doppelendfähren konnte auf Grund dieser Systemumstellung eine fünfte Fahrzeugspur eingerichtet werden; unter anderem deswegen erhöhte sich die RoRo-Kapazität der neuen Schiffe gegenüber der Vorgängergeneration um rund 40 %. Ein zweiter Fußgängerseiteneinstieg befindet sich derzeit in Wyk auf Föhr im Bau und in Dagebüll in Planung (Stand März 2019).
Mit dem Verkauf der Rüm Hart im Jahr 2014 endete vorerst die Ära der W.D.R.-Ausflugsschiffe.
Im November 2015 wurde eine dritte Doppelendfähre für die W.D.R. bestellt, erneut bei der Neptun-Werft in Rostock. Am 16. Dezember 2016 fand die Kiellegung statt. Die Fähre hat die gleichen Abmessungen wie die Schleswig-Holstein und ist nach denselben Standards wie diese konzipiert. Das Fahrzeugdeck hat erstmals vier Lkw-Spuren, die Fähre hat eine Kapazität von rund 1200 Personen.. Website der W.D.R.; abgerufen am 3. Juni 2017 Das Schiff erhielt den Namen Norderaue und ersetzte die Rungholt. Das Schiff wurde am 19. April 2018 abgeliefert und im Frühjahr 2018 in Betrieb genommen.
Ende 2017 wurde ein Katamaran bei TB Shipyards Harlingen (Niederlande) bestellt.Föhr-Amrum-Fähre und Hallig-Linie: WDR-Auftrag: Neuer Katamaran fürs Wattenmeer. Husumer Nachrichten, 2. November 2017. Das Schiff wurde im Mai 2019 abgeliefert und fährt als Adler Rüm Hart in Charter der Reederei Adler-Schiffe.
Mit dem Ende des Sommerfahrplans 2018 wurde letztmals Amrum von der Halliglinie bedient, nachdem zuletzt drei Fahrten pro Woche angeboten worden waren.
Gegenwart mini|Dagebüll Hafen Die Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum befindet sich im Besitz von rund 315 Gesellschaftern, eine für die Gesellschaftsform einer GmbH ungewöhnliche Anzahl (Stand 2025). Größte Einzelgesellschafter sind die AG Reederei Norden-Frisia mit rund 39 % und die Stadt Wyk auf Föhr mit rund 32 %.Die Geschichte der W.D.R. faehre.de, abgerufen am 15. April 2025 Die W.D.R. ist ihrerseits maßgeblich an der Inselparkplatz Dagebüll GmbH, der Neuen Pellwormer Dampfschiffahrts-GmbH, der AG Reederei Norden-Frisia sowie anderen Unternehmen in der Region beteiligt. Geschäftsführer ist der Schifffahrtskaufmann Axel Meynköhn.
Die W.D.R. hatte im Jahr 2025 etwa 160 Beschäftigte. Pro Jahr befördern die Fähren rund 1,8 Millionen Fahrgäste, 280.000 Pkw und 30.000 Lastkraftwagen. Rund 22.000 Fahrgäste nutzen den Ausflugsverkehr der W.D.R. Die sieben Busse des Typs Mercedes-Benz Citaro werden im Linienverkehr eingesetzt und befördern jährlich rund 790.000 Fahrgäste., abgerufen am 25. Februar 2011
Die W.D.R. arbeitet in allen Bereichen, auch den defizitären wie der Halligversorgung und dem Busverkehr, ausschließlich eigenwirtschaftlich, also ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand.
Die Reederei erreichte mit der Einführung der Doppelendfähren und der Fußgängerzuführungen zu den Schiffen eine verbesserte Barrierefreiheit für GehbehinderteBarrierefreie Überfahrt. faehre.de, abgerufen am 24. März 2019 und erhielt dafür vom Sozialverband Deutschland ein Gütesiegel.SoVD-Gütesiegel an die Wyker Dampfschiffs-Reederei verliehen. faehre.de, abgerufen am 24. März 2019
Routen und Fahrtgebiete Folgende Routen werden im Linienverkehr betrieben: Föhr-Amrum-Linie Dagebüll–Wyk auf Föhr–Wittdün (Amrum) Dagebüll–Wyk (Fahrtzeit rund 50 Minuten) Dagebüll–Wittdün (Fahrtzeit rund 90 Minuten, über Föhr rund 120 Minuten) Wyk–Wittdün (Fahrtzeit rund 60 Minuten)
Halliglinie Schlüttsiel–Hooge–Langeneß Schlüttsiel–Hooge (Fahrtzeit rund 60 Minuten) Schlüttsiel–Langeneß (Fahrtzeit rund 90 Minuten, über Hooge)