Ernst Johannes Kibelka (* 14. Mai 1921 in Sudargi, Litauen; † 23. September 1984 in Leutasch, Tirol) war ein deutscher Germanist, Mediävist und Hochschullehrer. Er lehrte unter anderem an den Universitäten Bonn, Köln und Hamburg.
Leben mini|upright=0.8|Grabstätte von Ingeborg und Johannes Kibelka auf dem Friedhof Ohlsdorf Kibelka wurde am 14. Mai 1921 in Sudargi in Litauen geboren. Sein Vater Martin war Missionspfarrer, seine Mutter Frieda, geborene Schmidt, Lehrerin. 1928 kehrte die Familie nach Deutschland zurück. Kibelka besuchte von 1931 bis 1933 das Friedrichs-Kollegium in Königsberg in Ostpreußen. Von 1933 bis 1939 besuchte er ein Gymnasium in Berlin-Steglitz, an dem er die Reifeprüfung ablegte. Seit 1937 war er Mitglied der Bekennenden Gemeinde in Berlin-Steglitz.Jörg Hennig: Kibelka, Ernst Johannes. In: Internationales Germanistenlexikon 1800–1950. Band 2: H–Q. Christoph König (Hrsg.), unter Mitarbeit von Birgit Wägenbaur u. a.:, De Gruyter, Berlin / New York 2003, ISBN 3-11-015485-4, S. 921 f.
Von April bis November 1939 leistete Kibelka Reichsarbeitsdienst. Von 1940 bis 1945 nahm er als Soldat der Wehrmacht am Zweiten Weltkrieg teil und diente zuletzt in der Infanterie als Obergefreiter. Für seine Verdienste wurde ihm unter anderem das Eiserne Kreuz II. sowie I. Klasse verliehen. Im Jahr 1943 erlitt er eine schwere Verwundung; infolge wurde ihm das Verwundetenabzeichen in Silber verliehen.
Kibelka studierte ab dem Wintersemester 1939/40 zunächst Deutsche Philologie und Klassische Philologie in Berlin, anschließend in Tübingen sowie nach seiner Lazarettentlassung erneut in Berlin. Nach Kriegsende war er zwischen Mai und Juli 1945 kurzzeitig als Hilfslehrer an der Lilienthal-Oberschule in Berlin-Lichterfelde beschäftigt. Im Jahr 1945 heiratete er zudem seine erste Ehefrau, die Krankengymnastin Irmgard geborene Jäger.
Ab dem Wintersemester 1945/46 bis zum Sommersemester 1948 studierte Kibelka Germanistik, Geschichte und Philosophie in Tübingen. Im Jahr 1949 promovierte er dort mit der Arbeit Heinrich von Morungen. Lied und Liedfolge als Ausdruck mittelalterlichen Kunstwollens. Von 1951 bis 1961 war er wissenschaftlicher Assistent am Germanistischen Institut der Universität Bonn. Von 1961 bis 1963 wirkte er dort als Oberassistent. Im Jahr 1961 heiratete er seine zweite Ehefrau, die Religionslehrerin Ingeborg geborene Wegener (1927–2014).
1961 habilitierte er sich in Bonn mit der Schrift Der ware meister. Denkstile und Bauformen in der Dichtung Heinrichs von Mügeln. Im Wintersemester 1962/63 vertrat Kibelka einen Lehrstuhl am Germanistischen Institut der Freien Universität Berlin. Von 1963 bis 1965 war er Diätendozent am Germanistischen Institut der Universität Bonn. Im Wintersemester 1963/64 und im Wintersemester 1964/65 vertrat er einen Lehrstuhl am Germanistischen Institut der Universität zu Köln.
Von 1965 bis 1968 war Kibelka Inhaber des Lehrstuhls für Deutsche Sprache und Literatur am Germanistischen Institut der Universität zu Köln. Von 1968 bis 1984 hatte er, als Nachfolger Ulrich Pretzels, den Lehrstuhl für Deutsche Philologie am Germanistischen Seminar der Universität Hamburg inne. Seine Lehrschwerpunkte waren die deutsche Literatur des Mittelalters sowie die Linguistik der deutschen Sprache. Kibelka war zudem Mitglied im Deutschen Germanistenverband (DGV) sowie auch in der Internationalen Vereinigung für Germanistik.
Kibelka verstarb am 23. September 1984 während eines Aufenthalts in seinem Urlaubsort Leutasch in Tirol.Jörg Hennig: Johannes Kibelka. Nachruf in: Uni HH. Berichte und Meinungen aus der Universität Hamburg. Jahrgang 15 (1984), Nr. 5, S. 73 f. Er wurde nach Hamburg überführt und auf dem Hauptfriedhof Ohlsdorf bestattet.
Veröffentlichungen (Auswahl) Monografien Heinrich von Morungen. Lied und Liedfolge als Ausdruck mittelalterlichen Kunstwollens, Dissertation, Tübingen 1949. Der ware meister. Denkstile und Bauformen in der Dichtung Heinrichs von Mügeln, Habilitation, Bonn 1961. Druck in: Philologische Studien und Quellen, Heft 13, Erich Schmidt Verlag, Berlin 1963.
Aufsätze Sternenglaube und Willensfreiheit in der deutschen Dichtung des Hochmittelalters. In: Wirkendes Wort 15 (1965), S. 85–98. Unbeachtete Fragmente von Werken Heinrichs von Mügeln im Steiermärkischen Landesarchiv. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 57 (1962), S. 17–36, 39–44. Berthold Litzmann 1857–1926. In: Bonner Gelehrte. Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften in Bonn. Band Sprachwissenschaft, Bonn 1970, S. 100–108. Übersetzungsprobleme bei Heinrich von Mügeln. In: Deutsche Literatur des späten Mittelalters. Hamburg/Köln um 1973. Hrsg. von Wolfgang Harms und L. Peter Johnson. Berlin 1976, S. 266–281. Linguistische Probleme bei der Textanalyse. In: Akten des V. Internationalen Germanisten-Kongresses. Cambridge 1975, Berlin 1976, S. 115–121.
Literatur Jörg Hennig: Kibelka, Ernst Johannes. In: Internationales Germanistenlexikon 1800–1950. Band 2: H–Q. Christoph König (Hrsg.), unter Mitarbeit von Birgit Wägenbaur u. a.:, De Gruyter, Berlin / New York 2003, ISBN 3-11-015485-4, S. 921 f.
Weblinks
Johannes Kibelka in der Galerie der Professorinnen und Professoren der Universität zu Köln Johannes Kibelka im Hamburger Professorinnen- und Professorenkatalog
Einzelnachweise
Kategorie:Germanist Kategorie:Mediävist Kategorie:Hochschullehrer (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) Kategorie:Hochschullehrer (Universität zu Köln) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Hamburg) Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1921 Kategorie:Gestorben 1984 Kategorie:Mann