Das Märchen von den 40 Töchtern und den 40 Söhnen ist ein afghanisches Märchen.Gisela Borcherding (Samm. und Hrsg.): Granatapfel und Flügelpferd – Märchen aus Afghanistan. Das Gesicht der Völker, Bd. 43. Erich Röth-Verlag, Kassel 1975, S. 142–148, 185–186.

Handlung Ein König, dessen Frau im Kindbett gestorben war, hatte nur noch sein Kind, eine Tochter, und da er nicht alleine sein wollte, bat er sie, nicht zu heiraten und bei ihm zu bleiben. Er baute ihr ein schönes von Mauern umgebenes Schloss und gab ihr vierzig Gespielinnen, von denen sich einige jedoch, ohne Mann, zu langweilen begannen. Die hässlichste, aber auch klügste unter ihnen, eine Kahlköpfige, verließ daraufhin das Schloss und wanderte umher, bis sie an einen Palast gelangte. Dort öffnete ihr ein alter Mann die Pforte und erzählte ihr, dass ihr König schon längst tot sei und nur noch seine vierzig Söhne dort lebten. Also kehrte die Kahle in das Schloss zurück und überredete die Prinzessin sowie die restlichen Gespielinnen, einen heimlichen Spaziergang zu unternehmen.

Im Palast angelangt gelang es der Kahlen, den Alten in ein Zimmer zu sperren, sodass sich die Prinzessin und ihre Gespielinnen an den Speisen der Prinzen, die sich gerade auf der Jagd befanden, satt essen konnten. Nachdem sie dann ins Schloss zurückgekehrt waren, kamen die Prinzen heim, die verärgert über die leergegessenen Teller waren, doch dem Alten wurde verziehen. Am nächsten Tag gelang es der Kahlen erneut, den Alten einzusperren, dieses Mal in der Folterkammer, sodass die Mädchen sich abermals laben konnten und danach wieder zum Schloss zurückkehrten. Die Prinzen beschlossen daraufhin, sich im Palast zu verstecken, um die Mädchen, nach dem Essen, zu überraschen. Also war der Alte am nächsten Tag sehr freundlich zu der Kahlen, sodass diese misstrauisch wurde, und so schlich sie sich, während des Essens, heimlich hinaus, um ein Loch, gerade groß genug für ein Mädchen, in das verschlossene Holztor zu machen, woraufhin sich die Mädchen, eine nach der anderen, wegstahlen.

Die genarrten Prinzen beschlossen daraufhin, den König aufzusuchen, um sich über seine Tochter und ihre Gespielinnen zu beschweren. Die Kahle fing sie jedoch ab und legte ihnen nahe, lieber um die Hand der Prinzessin und ihrer vierzig Gespielinnen zu werben und so wurde eine große Hochzeit gefeiert. Da die Kahle jedoch keiner haben wollte, packte sie sich den Alten, der keine andere Wahl hatte, als in die Heirat einzuwilligen.

Hintergrund Das Märchen stammt aus Gisela Borcherdings Granatapfel und Flügelpferd – Märchen aus Afghanistan (Kassel 1975) aus der Reihe Das Gesicht der Völker und erhielt im Deutschen den Titel Das Märchen von den 40 Töchtern und den 40 Söhnen. Nach Wolfram Eberhards und Pertev Naili Boratavs Werk Typen türkischer Volksmärchen (Wiesbaden 1953), in dem 18 türkische Varianten verzeichnet sind, bekam es den Typ 369 zugeordnet. Verglichen werden kann AaTh 956 B. Zumeist sind es vierzig Räuber, die von einem Mädchen hereingelegt werden.

Literatur Gisela Borcherding (Samm. und Hrsg.): Granatapfel und Flügelpferd – Märchen aus Afghanistan. Das Gesicht der Völker, Bd. 43. Erich Röth-Verlag, Kassel 1975, S. 142–148, 185–186.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen