Tȧhir und Zuchra (Tohir va Zuhra) ist ein usbekisches Abenteuermärchen (AaTh 930 + 970).Ilse Laude-Cirtautas (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Usbeken. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1984, S. 157–182, 266–267.
Handlung Ein Padischah und sein Wesir, die beide kinderlos blieben, verzichteten auf ihre Titel sowie ihren Reichtum und begaben sich auf Wanderschaft. Sie stießen auf einen alten Mann, der ihnen zwei rote Äpfel gab, die sie sich mit ihren Frauen teilen sollten, woraufhin sie einen Jungen und ein Mädchen bekommen würden. Der Alte gab ihnen die Äpfel aber mit der Bedingung, dass ihre Kinder später miteinander verheiratet werden würden. Die beiden Männer kehrten daraufhin heim, um ihr Land wieder zu regieren. Nach einiger Zeit gebar die Frau des Padischahs eine Tochter, die Zuchra genannt wurde, aber von ihrem Vater verstoßen wurde, da dieser lieber einen Sohn gehabt hätte. Der Wesir dagegen freute sich so sehr über den bekommenen Sohn, der den Namen Tȧhir bekam, dass er vom Pferd fiel und starb.
Als Tȧhir und Zuchra herangewachsen waren, sehnte sich der Padischah nach seiner Tochter und nahm sie wieder bei sich auf. Tȧhirs Mutter erzählte ihrem Sohn derweil von der Abmachung zwischen seinem Vater und dem Padischah, bemerkte dazu aber, dass es nun, wo sie arm waren, keine Möglichkeit mehr gäbe, ihn mit Zuchra zu vermählen. Tȧhir suchte in der Folge die Nähe zu Zuchra, woraufhin der Padischah ihn in eine Kiste sperrte und auf dem Fluss aussetzen ließ, woran Tȧhirs Mutter starb. Im Land Choresm fanden zwei Prinzessinnen die treibende Truhe, wobei sie miteinander ausmachten, dass die Ältere die Truhe und die Jüngere den Inhalt bekommen sollte. Der Vater der Prinzessinnen vermählte seine jüngere Tochter daraufhin mit Tȧhir, gegen dessen Willen.
Zuchra war derweil sehr traurig, da sie von Tȧhir getrennt war. Zudem vermählte ihr Vater sie mit einem anderen Prinzen, sodass ihr Leben mit Leid erfüllt war. Sie bat dann einen Karawanenführer nach Tȧhir zu suchen, der diesen auf seiner Hochzeit vorfand. Tȧhir beschloss sofort die Hochzeit zu verlassen und mit der Karawane zu Zuchra zu ziehen. Unterwegs wurden sie von Räubern gefangen, jedoch aus Mitleid mit Tȧhir, wieder freigelassen. Als Tȧhir dann seine Zuchra aufsuchte, wurde er gefangen und auf Befehl des Padischahs entzwei geteilt. Nach der Trauerzeit begab sich Zuchra dann zu Tȧhirs Grab, wo sie sich die Kleider zerriss, mit einem Messer an die Stirn schlug und das Grab aufforderte sich zu öffnen. Dieses kam dem nach, woraufhin sich Zuchra in die Arme Tȧhirs warf und sich das Grab wieder schloss. Als man es daraufhin wieder öffnete und die beiden Liebenden, frisch, wie schlafend, vorfand, nahm sich Zuchras Ehemann das Leben, woraufhin man ihn zwischen die beiden legte. Über Tȧhir wuchs jedoch eine rote Rose und über Zuchra eine weiße und diese wuchsen so hoch, dass sie die Distel, die aus Zuchras Ehemann entsprang, überragten, sodass sie sich innigst miteinander verflechten konnten.
Hintergrund Das Märchen stammt aus dem Werk Usbekische Volksmärchen (Taschkent 1963–1964, 2 Bände, S. 114–124) von M. I. Afzalov, X. Rasulov, Z. Husanova u. a. und erhielt in Ilse Laude-Cirtautas’ Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Usbeken (Köln 1984) den Titel Tȧhir und Zuchra. Aufgezeichnet wurde es 1935 von B. Karim nach Zovonbibi Sarimsoqova. Nach Ilse Laude-Cirtautas ist das Märchen eines der beliebtesten der Usbeken, wobei die vorliegende Fassung von einer der besten Erzählerinnen stammen soll.
Varianten finden sich in B. Ojžamols Realistische Märchen (Taschkent 1969, S. 60–72), im Usbekischen (Märchenkarawane, S. 158–173), in Uigurisch-Tarantschi (W. Radloff: Proben der Volksliteratur der türkischen Stämme, St. Petersburg 1866–1899, VI, S. 236–247), in Uigurisch-Khotan (G. Jarring: Materials to the Knowledge of Eastern Turki, Lund 1951–1964, I, S. 3–34), im Tobol-Tatarischen (W. Radloff: Proben der Volksliteratur der türkischen Stämme, St. Petersburg 1866–1899, IV, S. 340–355) und Krimtatarischen (W. Radloff: Proben der Volksliteratur der türkischen Stämme, St. Petersburg 1866–1899, VII, S. 241–297).
Literatur Ilse Laude-Cirtautas (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Usbeken. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1984, S. 157–182, 266–267.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Usbekisch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen