Friedrich Johann Carl Lochner (* 23. September 1822 in Nürnberg, Königreich Bayern; † 14. Februar 1902 in Milwaukee, Wisconsin), amerikanisiert Frederick Lochner, war ein deutschamerikanischer lutherischer Geistlicher und Hochschullehrer. Er gehörte 1847 zu den Gründungsmitgliedern der Missouri-Synode, lehrte an deren Concordia Theological Seminary und begründete das Lehrerseminar, aus dem die Concordia University Chicago hervorging.

Biographie Lochner wurde als Sohn eines Kupferstechers in Nürnberg geboren. Ursprünglich wollte ihm sein Vater eine theologische Ausbildung zukommen lassen, da auch viele von Lochners Vorfahren Geistliche gewesen waren. Mangelnde finanzielle Mittel verhinderten dies und so trat Friedrich Lochner die Ausbildung zum Kupferstecher an der Polytechnischen Schule an. Dort lernte er neben Zeichnen auch Klavier- und Orgelspiel. Nachdem er seinem Lehrer Johann Poppel nach München gefolgt war, erlitt er noch vor Abschluss seines Studiums eine Erkrankung des Sehnervs, die ihn zur Rückkehr nach Nürnberg zwang, um sich dort auszukurieren. Im nahen Neuendettelsau traf er auf Wilhelm Löhe, der Lochners eigenen Wunsch, für die Kirche tätig zu werden, bekräftigte und ihm nahelegte, als Missionar nach Amerika zu gehen. Von dort hatte Friedrich Wyneken 1842 in seiner Schrift Die Noth der deutschen Lutheraner in Nordamerika um die Entsendung weiterer Geistlicher für die verstreuten deutschen Gemeinden im Mittleren Westen geworben. Auf Wunsch seiner Eltern absolvierte er die Präparandenanstalt in Nürnberg und das Lehrerseminar in Schwabach, bevor er im November 1844 in die Neuendettelsauer Missionsanstalt eintrat. Dort studierte er auch Liturgischen Gesang bei Friedrich Hommel. Im März 1845 verließ er Neuendettelsau, traf sich mit August Crämer, der ebenfalls für die Amerika-Mission ausgebildet worden war, und reiste nach Mecklenburg, wo sie Unterstützer für ihr Unterfangen fanden. In Bremen trafen sie neben einer Gruppe fränkischer Emigranten auch auf weitere Mitglieder ihres Missionsunterfangens, darunter Philipp Jakob Trautmann und John Adam Detzer. Am 20. April bestieg die Gruppe den Dampfer Caroline und erreichte am 10. Juni New York City.

Von dort zogen sie weiter nach Monroe in Michigan, wo Wilhelm Hattstädt Pfarrer einer deutschen Gemeinde war. Sechs Wochen später wurde Lochner von einer Gemeinde in Toledo, damals kaum mehr als ein Dorf, berufen und am 10. August 1845 durch die Pfarrer Hattstädt, Cronenwett und Schmid zum Predigtdienst ordiniert. Der Bekenntnisstandpunkt der Vereinigten Lutherischen und Reformierten Salems-Gemeinde in Toledo sagte dem strengen Lutheraner Lochner jedoch nicht zu, und bereits im Dezember 1846 nahm er den Ruf an zwei Landgemeinden in Illinois an. Aus demselben Grund verließen er und einige andere auch die Michigan-Synode. Im Frühling 1846 reiste er mit Wilhelm Sihler und Johann Adam Ernst nach St. Louis, wo sie auf C. F. W. Walther und die sächsischen Emigranten dort trafen. Bei diesen Gesprächen wurde eine Kirchenverfassung entworfen, die später Grundlage für die Gründung der Missouri-Synode im Jahr 1847 wurde. In Illinois betreute Lochner die Gemeinden in Pleasant Ridge und Edwardsville und gründete weitere in Staunton und Collinsville.

1850 erhielt er einen Ruf an die drei Jahre zuvor gegründete Gemeinde der Dreieinigkeitskirche in Milwaukee. Mit dem großen Zuzug von Deutschamerikanern in die Stadt wuchs auch Lochners Gemeinde, sodass 1851 ein neues Kirchengebäude errichtet werden musste. Mit St Stephanus im Jahr 1864, der Immanuelkirche 1866 und der Bethlehemkirche 1888 mehrere Tochtergemeinden gegründet werden. Bereits 1855 gründete Lochner gemeinsam mit Philipp Fleischmann ein Lehrerseminar in Milwaukee. Dieses wurde 1857 von der Missouri-Synode übernommen, mehrfach verlegt und bildete später den Grundstock der Concordia-Universität Chicago.

Nach 25-jährigem Dienst an der Dreieinigkeitskirche in Milwaukee wurde Lochner im Dezember 1875 überraschend nach Springfield berufen, wo er neben der Pfarrstelle der Dreifaltigkeitskirche auch einen Lehrauftrag für Liturgik und Hymnologie am Concordia Theological Seminary, das zu dieser Zeit von seinem alten Freund August Crämer geleitet wurde, wahrnahm. Eine Asthma-Erkrankung zwang Lochner 1887 in den Ruhestand, doch bereits 1889 trat er eine Stelle als Hilfsgeistlicher in seiner alten Kirchengemeinde in Milwaukee an.

Lochner war dreimal verheiratet. Seine erste Frau, Lydia Bünger aus St. Louis, starb am 12. März 1848 nach drei Ehejahren bei der Geburt ihrer ersten Tochter. Im Februar 1849 heiratete er Maria Böhme, eine Freundin seiner ersten Frau. Das Paar hatte zehn gemeinsame Kinder. Maria Böhme erlag am 10. Dezember 1876 einer Typhusinfektion. Seine dritte Frau war Maria von Haugwitz, die er 1881 heiratete und mit der er drei Söhne hatte: den Kirchenmusiker Martin Lochner, den Journalisten und Pulitzerpreisträger Louis Paul Lochner und den Pfarrer William Lochner. Lochner selbst starb am 14. Februar 1902 nachdem er vier Tage zuvor einen Schlaganfall erlitten hatte. An seiner Beerdigung auf dem Union Cemetary nahm eine große Zahl von Würdenträgern der Missouri-Synode teil.

Schriften Lochner publizierte in und nach seiner Zeit als Professor in Springfield eine Reihe liturgiewissenschaftlicher Schriften. Daneben verfasste er eine Reihe von Artikeln für verschiedene deutschsprachige Zeitschriften und veröffentlichte auch einige seiner Predigten. Außerdem gab er zeitweise das gegen J. A. A. Grabau und dessen Buffalo-Synode gerichtete Nothwehr-Blatt und die Kirchenzeitschrift Missionstaube heraus.

Weblinks Friedrich Lochner in der Christian Cyclopedia

Literatur

Einzelnachweise

⚭Lochner Kategorie:Person (Milwaukee) Kategorie:Hochschullehrer (Springfield, Illinois) Kategorie:Liturgiewissenschaftler Kategorie:Lutherischer Theologe (19. Jahrhundert) Kategorie:Geistlicher der Lutheran Church – Missouri Synod Kategorie:Geistlicher der Michigan-Synode (1840) Kategorie:Lutherischer Geistlicher (19. Jahrhundert) Kategorie:Evangelischer Missionar Kategorie:Zeichner (Vereinigte Staaten) Kategorie:Zeichner (Deutschland) Kategorie:Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Bayer Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1822 Kategorie:Gestorben 1902 Kategorie:Mann