Johann Heinrich Walther (* 1. August 1588 in Magdeburg; † 2. September 1648 ebenda) war Bürgermeister der Stadt Magdeburg und Schöffe am Magdeburger Schöffenstuhl.
Leben Walther wurde als Sohn des Stadtsekretärs Johann Walther und seiner aus einer Gifhorner Familie stammenden Ehefrau Anna Timmen geboren. Sein Großvater war Georgius Walther, Pfarrer an der Ulrichskirche in Halle (Saale), der mehrere Bücher veröffentlicht hat.Tobias Cuno, Christliche Leichenpredigt Iohannis Heinrici Walthers vom 10. September 1648, gedruckt bei Johann Müllern, Magdeburg 1648, Seite 36
Walther besuchte das Gymnasium in Magdeburg und wurde dann zum Theologen Alberti Gravveri nach Eisleben geschickt. Ab 1607 studierte er an der Universität Wittenberg, wo er im März 1610 als Magister abschloss. Er setzte seine Studien in Leipzig, Helmstedt und Straßburg fort. Er hielt sich dann in Freiburg im Breisgau und Heidelberg auf, bis er 1613 nach Basel ging und dort zum Dr. jur. promovierte.Tobias Cuno, Christliche Leichenpredigt Iohannis Heinrici Walthers vom 10. September 1648, gedruckt bei Johann Müllern, Magdeburg 1648, Seite 38 f. Letztlich war er Doktor beider Rechte.
1615 erreichte ihn die Nachricht, dass seine Mutter, die mit seiner Schwester und seinem Schwager Johann Grothausen nach Braunschweig gezogen war, dort in Gefahr geraten sei. Er ritt daher nach Braunschweig, wurde jedoch eine Meile vor der Stadt bei Rothemühle von Reitern überfallen und ausgeraubt. Durch einen Pistolenschuss wurden ihm die Zähne aus dem Mund geschossen. Dreimal soll ihm eine Muskete auf den Rücken gesetzt und abgedrückt worden sein, ohne dass sich die Kugel jedoch löste, obwohl das Zündpulver verpuffte. Als die Soldaten die Muskete in eine andere Richtung hielten, löste sich dann ein Schuss. Dies wurde als göttliches Zeichen verstanden, ihn zu verschonen. Er überlebte so schwer verletzt den Angriff und wurde von den Verletzungen geheilt. Letztlich kehrte er nach Magdeburg zurück und war dort als Jurist tätig.Tobias Cuno, Christliche Leichenpredigt Iohannis Heinrici Walthers vom 10. September 1648, gedruckt bei Johann Müllern, Magdeburg 1648, Seite 39 f.
Bürgermeister und Schöffe in Magdeburg 1624 wurde er zum Bürgermeister in Magdeburg und zum Assessor am Schöffenstuhl gewählt. Noch im gleichen Jahr heiratete er Magdalena Schuster, Tochter eines Juristen aus Halberstadt. Aus der Ehe gingen sieben Kinder, drei Söhne und vier Töchter hervor. Ein Sohn und eine Tochter verstarben noch zu seinen Lebzeiten.Tobias Cuno, Christliche Leichenpredigt Iohannis Heinrici Walthers vom 10. September 1648, gedruckt bei Johann Müllern, Magdeburg 1648, Seite 40 f.
Er war bis 1630 Bürgermeister und verlor im Zuge von Veränderungen der Magdeburger Ratsverfassung das Amt. Andere Angaben nennen ihn nur 1624 und 1627 als regierenden Bürgermeister der Stadt.Max Dittmar, Der erste Versuch zur Wiedererrichtung des magdeburgischen Schöffenstuhls nach dem 10./20. Mai 1631 in Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, 30. Jahrgang, Magdeburg 1895, Seite 163 Sein Schwager Johann Grothausen war ebenfalls Schöffe und auch braunschweigischer Rat.Max Dittmar, Der erste Versuch zur Wiedererrichtung des magdeburgischen Schöffenstuhls nach dem 10./20. Mai 1631 in Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, 30. Jahrgang, Magdeburg 1895, Seite 161
Syndikus in Halberstadt Walther ging dann mit seiner Familie nach Halberstadt und war dort als Syndicus tätig. Am 21. November 1631 reiste er gemeinsam mit dem Halberstädter Bürgermeister Kaspar Heine nach Köthen, um mit dem Statthalter Fürst Ludwig I. über Erleichterungen für Halberstadt bei Einquartierungen und Requirierungen im Zuge der Auswirkungen des Dreißigjährigen Kriegs, zum Teil letztlich erfolgreich, zu verhandeln.Hermann Böttcher, Halberstadt im 30-jährigen Kriege, Ostfalia-Verlag, erweiterter Neudruck der Ausgabe von 1915, Osterwieck, 2025, ISBN 978-3-96226-107-8, Seite 98 f. 1632 war er Teil einer aus Bürgermeister Heine und Kämmerer Hans Bolemann bestehenden Halberstädter Delegation, die nach Mainz zum schwedischen König Gustav II. Adolf reiste. Ziel war es, nach dem erfolgten Auszug der katholischen Domherren aus Halberstadt, das Amt der Meierei und einen Teil der geistlichen Güter für die Stadt zu erhalten. Sie begleiteten den König auch, als er im März 1632 aus Mainz aufbrach. Tatsächlich unterzeichnete er am 16. März 1632 in Kitzingen eine Schenkungsurkunde, die die Halberstädter Wünsche mehr als übertraf.Hermann Böttcher, Halberstadt im 30-jährigen Kriege, Ostfalia-Verlag, erweiterter Neudruck der Ausgabe von 1915, Osterwieck, 2025, ISBN 978-3-96226-107-8, Seite 103, 105 Im April 1632 kehrte die Delegation nach Halberstadt zurück und erstattete am 30. April 1632 dem Statthalter in Köthen Bericht.Hermann Böttcher, Halberstadt im 30-jährigen Kriege, Ostfalia-Verlag, erweiterter Neudruck der Ausgabe von 1915, Osterwieck, 2025, ISBN 978-3-96226-107-8, Seite 108 Zur Durchsetzung der Ansprüche reiste er am 3. August 1632 mit Bolemann erneut zum StatthalterHermann Böttcher, Halberstadt im 30-jährigen Kriege, Ostfalia-Verlag, erweiterter Neudruck der Ausgabe von 1915, Osterwieck, 2025, ISBN 978-3-96226-107-8, Seite 110 f. und war dann am 26. März 1634 Teil einer Gruppe, die sich nach Wehrstedt begab, wo dann formell die Einweisung des Rats in die Meierei der Meierdörfer Wehrstedt, Sargstedt sowie Groß und Klein Quenstedt erfolgte.Hermann Böttcher, Halberstadt im 30-jährigen Kriege, Ostfalia-Verlag, erweiterter Neudruck der Ausgabe von 1915, Osterwieck, 2025, ISBN 978-3-96226-107-8, Seite 122 f. Da es weiterhin Probleme gab, wurde Walther gemeinsam mit Bürgermeister Bolemann als Abordnung nach Frankfurt am Main zu Reichskanzler Axel Oxenstierna entsandt. Allerdings empfing sie der Kanzler über sieben Wochen hinweg nicht. Der Delegation ging das Geld aus, so dass sich Walther am 26. Juli 1634 per Brief nach Halberstadt wandte und dringend um Geld oder die Erlaubnis zur Rückkehr bat. Letztlich wurde Geld geschickt. Der Kanzler empfing sie und entsprach auch den Halberstädter Wünschen.Hermann Böttcher, Halberstadt im 30-jährigen Kriege, Ostfalia-Verlag, erweiterter Neudruck der Ausgabe von 1915, Osterwieck, 2025, ISBN 978-3-96226-107-8, Seite 124
Tätigkeit in Braunschweig und Rückkehr nach Magdeburg 1635 wurde er von Herzog August II. in den Dienst nach Braunschweig berufen und war dort an wichtigen Verhandlungen beteiligt. Am 6. Mai 1639 erlitt er einen Schlaganfall und war dann halbseitig gelähmt und litt an einer Aphasie. Nach 19 Wochen Krankenlager und Behandlung durch die Ärzte Johann Durrens und Goschen war er wieder genesen. Er ging noch in diesem Jahr nach Hildesheim. Mit Verlagerung des Hofs zog er 1642 mit nach Hannover. 1643 wurde er nach dem Tod des städtischen Syndicus,Tobias Cuno, Christliche Leichenpredigt Iohannis Heinrici Walthers vom 10. September 1648, gedruckt bei Johann Müllern, Magdeburg 1648, Seite 42 nach anderen Angaben nach dem Abgang des früheren schwedischen Rats und Deputierten in Magdeburg, Christoph SchultzeMax Dittmar, Der erste Versuch zur Wiedererrichtung des magdeburgischen Schöffenstuhls nach dem 10./20. Mai 1631 in Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, 30. Jahrgang, Magdeburg 1895, Seite 163, wieder nach Magdeburg berufen. Er folgte dem Ruf in seine 1631 schwer zerstörte Heimatstadt und trat das Amt am 21. Januar 1644 an.Tobias Cuno, Christliche Leichenpredigt Iohannis Heinrici Walthers vom 10. September 1648, gedruckt bei Johann Müllern, Magdeburg 1648, Seite 43 Er wurde Syndicus und Consiliarius der Stadt Magdeburg und wohnte 1645 im Haus Zum Rosenkranz (Breiter Weg 61).Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 47
Walther war 1631 Eigentümer des Grundstücks Apfelstraße 5 in der Magdeburger Altstadt.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 2 1645 vermachte die Witwe des Schöffen und Bürgermeisters Stephan Olvenstedt ihm die Stätte Neuer Weg 16. Die Olvenstedtschen Erben fochten das Vermächtnis allerdings an. Ihnen wurde 1648 die Stätte zugesprochen, wobei die Ansprüche Walthers vorbehalten blieben. Letztlich gehörte ihm jedoch das kleine Haus samt Garten. Seine Witwe verkaufte es 1662.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 330
Walther erkrankte und verstarb am 2. September 1648 zwischen 6 und 7 Uhr morgens und wurde am 10. September in der Johanniskirche beigesetzt. Die von Pastor Tobias Cuno hierzu gehaltene Leichenpredigt ist erhalten.
Werke Drei von Walther handschriftlich verfasste juristische Abhandlungen befinden sich im Besitz der Stadtbibliothek Magdeburg, darunter:
De religionis pacificatione (in doppelter Niederschrift)
Literatur Tobias Cuno, Christliche Leichenpredigt Iohannis Heinrici Walthers vom 10. September 1648, gedruckt bei Johann Müllern, Magdeburg 1648 Max Dittmar, Der erste Versuch zur Wiedererrichtung des magdeburgischen Schöffenstuhls nach dem 10./20. Mai 1631 in Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, 30. Jahrgang, Magdeburg 1895, Seite 163.
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