Joachim K. Krauss (geboren am 18. Juni 1957 in Kehl) ist ein deutscher Neurochirurg, Neurologe und Neurowissenschaftler. Seit 2005 ist er Direktor der Klinik für Neurochirurgie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Werdegang Joachim Krauss studierte von 1977 bis 1985 Humanmedizin in Freiburg. 1985 promovierte er mit einer experimentellen Arbeit zur Neuropharmakologie der Basalganglien. Er absolvierte seine Facharztausbildung in Elzach in Neurologie und später in Freiburg in stereotaktischer und funktioneller Neurochirurgie (Fritz Mundinger), sowie in allgemeiner Neurochirurgie (Wolfgang Seeger). Im Jahr 1993 erhielt er die Facharztanerkennung für Neurochirurgie. Seine Habilitationsschrift befasste sich mit dem Normaldruckhydrozephalus, im Jahre 1995 wurde ihm die Venia legendi für das Fach Neurochirurgie in Freiburg verliehen.

Anschließend wechselte Krauss nach Houston, Texas, um dort von 1995 bis 1997 als Assistent Professor mit Robert Grossman (Neurochirurgie) und Joe Jankovic (Neurologie) zusammenzuarbeiten. Danach kehrte er nach Europa zurück, um in Bern, Schweiz, die funktionelle Neurochirurgie aufzubauen, während er weiterhin eine Stelle als Adjunct Associate Professor in Houston innehatte. 1998 erhielt er die Facharztanerkennung für Neurologie. Von 1999 bis 2005 war er stellvertretender Direktor der Klinik für Neurochirurgie in Mannheim (Fakultät der Universität Heidelberg). Im Jahr 2001 wurde er zum außerordentlichen Professor an der Universität Heidelberg ernannt. Im Jahr 2005 wurde er als W3-Universitätsprofessor und Direktor der Klinik für Neurochirurgie an die Medizinischen Hochschule Hannover berufen.

Krauss entwickelte mehrere Innovationen auf dem Gebiet der Neurochirurgie. 1994 führte er eine klinische Skala für den Normaldruckhydrozephalus ein, 1997 die tiefe Hirnstimulation des Pallidums zur Behandlung der cervikalen Dystonie, 2002 die Rückenmarkstimulation bei orthostatischem Tremor und 2008 einen Schädelbasiszugang für Tumore des Foramen jugulare. Joachim Krauss verfügt über Zusatzqualifikationen der Ärztekammer für Rehabilitationsmedizin, Sportmedizin, Intensivmedizin und Schmerztherapie. Sein klinisches Spektrum umfasst die Behandlung von Bewegungsstörungen und Schmerzsyndromen, die funktionelle Neurochirurgie, komplexe Wirbelsäuleneingriffe, Schädelbasisoperationen, mikrovaskuläre Dekompression, Neuroonkologie und Hydrozephalus.

Funktionen und Auszeichnungen Joachim Krauss war Präsident sowohl der Europäischen (2010–2014) als auch der Weltgesellschaft für Stereotaktische und Funktionelle Neurochirurgie (2013–2017). Darüber hinaus war er Präsident der Deutschen Akademie für Neurochirurgie (2018–2019).

Krauss erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Oppenheim Preis für seine Arbeit auf dem Gebiet der Dystonie, den Tasker Preis, den Spiegel und Wycis Preis sowie den Gabor Szikla Preis für seine Beiträge zur funktionellen Neurochirurgie.

Derzeit ist er zudem Vorsitzender der Kommission für Technische Standards und Normen der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie, Vorsitzender des Education committee der World Society for Stereotactic and Functional Neurosurgery, Leiter des Zentrums für Neuroonkologie an der Medizinischen Hochschule Hannover und stellvertretender Sprecher des Zentrums für Systemische Neurowissenschaften Hannover.

Publikationen (Auswahl) D. K. Meyer, J. Krauss: Dopamine modulates cholecystokinin release in neostriatum. In: Nature. Band 301, 1983, S. 338–340. J. K. Krauss, T. Pohle, S. Weber, C. Ozdoba, J. M. Burgunder: Bilateral deep brain stimulation of the globus pallidus internus for treatment of cervical dystonia. In: Lancet. Band 354, 1999, S. 837–838. J. K. Krauss, J. Jankovic, R. G. Grossman (Hrsg.): Surgery for Parkinson’s Disease and Movement Disorders. Lippincott, Williams & Wilkins, Philadelphia 2001. M. Alam, K. Schwabe, J. K. Krauss: The pedunculopontine nucleus area: critical evaluation of interspecies differences relevant for its use as a target for deep brain stimulation. In: Brain. Band 134(Pt 1), 2011, S. 11–23. A. Pirayesh Islamian, M. Polemikos, J. K. Krauss: Chronic subdural haematoma secondary to headbanging. In: Lancet. Band 384, Nr. 9937, 2014, S. 102. A. M. Lozano, N. Lipsman, H. Bergman, P. Brown, S. Chabardes, J. W. Chang, K. Matthews, C. C. McIntyre, T. E. Schlaepfer, M. Schulder, Y. Temel, J. Volkmann, J. K. Krauss: Deep brain stimulation: current challenges and future directions. In: Nature Reviews Neurology. Band 15, Nr. 3, 2019, S. 148–160. J. K. Krauss, N. Lipsman, T. Aziz, A. Boutet, P. Brown, J. W. Chang, B. Davidson, W. M. Grill, M. I. Hariz, A. Horn, M. Schulder, A. Mammis, P. A. Tass, J. Volkmann, A. M. Lozano: Technology of deep brain stimulation: current status and future directions. In: Nature Reviews Neurology. Band 17, Nr. 2, 2021, S. 75–87. T. Koeglsperger, M. Scherer, A. A. Kühn, A. Eusebio, A. Fasano, J. K. Krauss: Adaptive deep brain stimulation for Parkinson’s disease: navigating the roadblocks to clinical implementation. In: Movement Disorders. 1. Apr 2026. doi:10.1002/mds.70284

Einzelnachweise

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