Die Höllenfahrt der Ling-sa-schos-kyid ist ein tibetisches Märchen.Helmut Hoffmann (Hrsg. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Tibet. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf/Köln 1965, S. 32–41, 247.
Handlung „Ich, Schoskyid, will hiermit die Leiden beim Scheiden von Leib und Seele, den Lohn der Tugend, die Strafe der Sünde, sowie die Qualen der Hölle beschreiben und die Botschaft des Fürsten der Unterwelt ausrichten.“
Als Schoskyid im Sterben lag, spendete sie ein Drittel ihres Vermögens, um ihr Leben nach dem Tod besser zu gestalten. Sie fuhr hinab und kam in eine Stadt mit vielen darbenden Menschen, denn an diesem Ort bezahlten die Menschen für ihre Sünden, bis der Fürst des Totenreiches über ihre Tugenden und Sünden abwägt. Überragen die Tugenden die Sünden, so werden sie in den Himmel gesandt. Ist es umgekehrt, so müssen im Feuer der Läuterung unsägliche Qualen erlitten werden.
Schoskyid wurde also zum Totenfürst gerufen, der von etlichen Wesen mit Tierköpfen umgeben war, die verschiedene Waffen trugen und ihrem Fürst aufgeregt zugrölten, er solle ein Urteil fällen. Vor Schoskyid waren noch andere an der Reihe, die über ihre Sünden und Wohltaten berichten mussten. Der erste Mensch, den sie vor den Totenfürst treten sah, zählte daraufhin seine Tugenden und Sünden auf, woraufhin Moschustier und Affe in ein Buch und einen Spiegel blickten, um die Wahrheit zu erforschen. Sie bekamen heraus, dass der Mann nicht gestanden hatte ein Yak gestohlen und getötet zu haben. Seine Tugenden überwogen jedoch seine Sünden, also wurde er von letzteren gereinigt. Ein weiterer, einst armer Mann, gestand etliche Tiere getötet und zwei Mitmenschen beraubt zu haben, woraufhin die Tierköpfigen schadenfroh grölten. Der Spiegel offenbarte, dass er bezüglich seiner Sünden nicht die Wahrheit gesprochen hatte und diese noch weitaus größer waren, also wurde er in die heißen und kalten Höllen gezerrt, wo ihm feurige Kohlen und geschmolzenes Erz in den Mund geschüttet wurden.
Daraufhin trat ein mongolischer Arzt vor das Gericht und zählte etliche Tugenden auf. Der Spiegel und das Buch berichteten jedoch von einer Tat, bei der er einem reichen Kranken Gift verabreicht hatte, um ihn, für mehr Geld, länger behandeln zu können. Zudem wurden in seinem Haus etliche Tiere getötet. Seine Tugenden waren zahlreich, seine Sünden jedoch schwerer, also wies der Totenfürst seine Diener an, ihn in einen siedenden Giftsee zu werfen und ihn mit der Flüssigkeit zu tränken sowie tausend Eisennägel in den Leib zu schlagen; danach könne er hinaufsteigen. Der Schreiende wurde mit eisernen Haken fortgezerrt.
Danach kam die Reihe an Schoskyid, die zitternd vortrat, doch der Totenfürst meinte zu ihr, dass ihre Zeit noch nicht gekommen sei, allerdings auch keine guten Werke von ihr bekannt wären und er riet ihr etwas daran zu ändern sowie den Menschen auf Erden von dem Erlebten zu berichten.
Hintergrund Das Märchen stammt aus August Hermann Franckes Geistesleben in Tibet (Gütersloh 1925, S. 52 ff) und erhielt in Helmut Hoffmanns Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Tibet (Düsseldorf / Köln 1965) den Titel Die Höllenfahrt der Ling-sa-schos-kyid. Die Übersetzung stammt von dem Missionar Th. Schreve.
Literatur Helmut Hoffmann (Hrsg. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Tibet. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf/Köln 1965, S. 32–41, 247.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Tibetisch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen