Die Schakale und der Tiger ist ein tibetisches Tiermärchen.Helmut Hoffmann (Hrsg. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Tibet. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf/Köln 1965, S. 76–78, 248.

Handlung Eine Schakalfamilie war gezwungen umzuziehen, da sie in der Nähe eines Dorfes wohnte und die Hunde dort ihnen zu viele böse Stunden bereiteten. Im tiefen Dschungel entdeckten sie dann eine Tigerhöhle, in der sie sich niederließen und der Schakalmann trug seiner Frau auf, die Kinder heulen zu lassen, wenn er einen Stein in die Höhle wirft. Danach begab er sich auf einen Hügel, um nach der Raubkatze Ausschau zu halten. Als er den Tiger heranschleichen bemerkte, warf er den Stein und das Heulen erklang, woraufhin er seinen Kindern zurief, dass sie sich noch gedulden sollen, der Tiger aber bald da sein würde, um aus ihm einen feinen Braten zu machen. Erschrocken rannte der Tiger davon und traf auf einen Pavian, dem er seine Geschichte erzählte. Der Affe brach in Gelächter aus, schlang seinen Schwanz um den Tiger, um ihn zu beruhigen und nahm ihn mit zur Tigerhöhle, um ihn zu zeigen, dass ihm die Schakale nichts anhaben können.

An der Höhle angelangt rief der Schakalmann dem Pavian zu, dass er ihm dafür danke den Tiger zurückgebracht zu haben, denn seine Familie sei schon sehr hungrig. Auch beschwerte er sich darüber, dass der Affe ihm nur einen Tiger gebracht hatte. Da rannte der argwöhnische Tiger um sein Leben und schleifte den Pavian mit sich, der immer wieder an Bäume schlug und so ums Leben kam. Die Schakalfamilie aber hatte ein neues Heim.

Hintergrund Das Märchen stammt aus Maria Leitners Tibetanische Märchen (Berlin o. J. (1923), S. 201 ff.) und erhielt in Helmut Hoffmanns Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Tibet (Düsseldorf / Köln 1965) den Titel Die Schakale und der Tiger. Hoffmann verweist auf das Märchen Der Schakal, sein Weib und der Löwe in Johannes Hertels Die Märchen der Weltliteratur – Indische Märchen (Düsseldorf / Köln 1953), in dem eine Schakalin einen Löwen austrickstJohannes Hertel (Hrsg. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Indische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1953, S. 292–294. und auf Hertels Kathāratnākara (I, S. 66 f.). Weiterhin wird auf Johannes Boltes und Jiří Polívkas Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (Band II, S. 525; I, S. 168, 375) verwiesen.

Literatur Helmut Hoffmann (Hrsg. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Tibet. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf/Köln 1965, S. 76–78, 248.

Einzelnachweise

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