mini|Alisha Gamisch (2026) Alisha Gamisch (geboren 1990 in Tegernsee) ist eine deutsche Schriftstellerin. Ihre Themen sind generationsübergreifende Traumata, Mehrsprachigkeit und Migration.
Werdegang Gamischs Eltern sind Russlanddeutsche. Sie studierte in München und London Anglistik und Germanistik. Anschließend arbeitete sie als Lehrerin in Berlin und schrieb Beiträge für Literaturzeitschriften wie PS – Politisch Schreiben und das Mosaik-Magazin. Außerdem war sie Gast bei Lesereihen wie books without covers in Berlin und beim Großen Tag der jungen Münchner Literatur am Literaturhaus München.
Sie veröffentlichte 2020 im Verlagshaus Berlin ihren ersten Gedichtband Lustdorf, der vom Berliner Haus für Poesie als eines der besten Lyrikdebüts des Jahres ausgezeichnet wurde. 2022 erhielt sie zusammen mit Katharina Dück und Philipp Brotz den in diesem Jahr erstmals verliehenen, mit 300 Euro dotierten Nora-Pfeffer-Preis für Lyrik des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Russland (BKDR). 2023 war sie Stipendiatin der Romanwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin.
Gamisch ist Gründungsmitglied des gemeinnützigen feministischen Vereins Wepsert e.V., der ein Onlinemagazin herausgibt und für den Gamisch Lesungen organisiert und über Feminismus und Literatur schreibt. Zusammen mit der Schriftstellerin Ani Menua ist sie Kuratorin und Moderatorin der Lesungs- und Diskussionsreihe PostOst-Café des Zentrums für Antislawismusforschung im Maxim Gorki Theater Berlin. 2025 gründete sie zusammen mit Paula Fürstenberg und Raphaëlle Red die literarische Girlband No Scribes.
Gamisch lebt in Berlin.
Werk Gamisch veröffentlichte zunächst vor allem Lyrik; ihr erster Gedichtband Lustdorf erschien 2020.
Im Jahr 2026 erschien ihr Roman Parasiti bei Voland & Quist. Er erzählt von Lydia, Valli und Rina, drei russlanddeutschen Frauen aus drei Generationen einer Familie, deren Lebensgeschichten von einer Barackensiedlung im Nowosibirsk der 1960er-Jahre bis in ein Reihenhaus im gegenwärtigen Fürstenfeldbruck reichen. Die Handlung wird in Rückblenden und Zeitsprüngen erzählt, wobei abwechselnd jeweils eine der drei Frauen im Mittelpunkt steht.
Der Roman behandelt die Weitergabe von Gewalterfahrungen und Traumata zwischen den Generationen sowie familiäres Schweigen und Verdrängen. Eine weitere Rolle spielen gesellschaftliche Erwartungen an Frauen, Sexualität und Schwangerschaftsabbrüche sowie die Frage, wie die Figuren innerhalb überlieferter familiärer und kultureller Regeln ihre eigene Rolle finden. Der Titel Parasiti, das russische Wort für „Parasiten“, wird im Roman in unterschiedlichen Zusammenhängen aufgegriffen, etwa im Zusammenhang mit dem sowjetischen Vorgehen gegen Menschen, die keiner staatlich anerkannten Arbeit nachgingen.
Gamisch bringt in ihre Texte zahlreiche russlanddeutsche Wörter und Wendungen ein; ein am Ende des Romans angefügtes „Kleines russlanddeutsches Inventar“ erläutert diese Ausdrücke.
Auszeichnungen
2016 Nominierung für den Lyrikpreis München 2020 Nominierung für den Ulla-Hahn-Autorenpreis 2022 Nora-Pfeffer-Preis für Lyrik des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Russland 2022 Recherchestipendium und Arbeitsstipendium des Berliner Senats 2023 Stipendium der Romanwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin 2025 Internationales Residenzstipendium im Bereich Literatur des Künstlerhauses Lauenburg 2025 Residenzstipendium der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen 2026 Longlist zum Deutschen Buchpreis für Parasiti
Bibliografie
Lustdorf = Ljustdorf. Gedichte. Verlagshaus Berlin, Berlin 2020, ISBN 978-3-945832-40-0. mit Paula Fürstenberg und Raphaëlle Red: No scribes – die literarische Girlband. SuKuLTuR, Berlin 2025, ISBN 978-3-95566-192-2. Parasiti. Roman. Voland & Quist, Berlin 2026, ISBN 978-3-86391-466-0.
Weblinks
Alisha Gamisch, Autorenseite bei Voland & Quist Alisha Gamisch, im Literaturportal Bayern
Einzelnachweise Alisha Gamisch, Autorenseite bei Voland & Quist, abgerufen am 10. April 2026 Nora-Pfeffer-Literaturpreis 2022 zum ersten Mal in Nürnberg verliehen, Deutsche Allgemeine Zeitung vom 19. Januar 2023, abgerufen am 10. April 2026 Alisha Gamisch, im Literaturportal Bayern, abgerufen am 10. April 2026 Lustdorf, Seite des Verlagshauses Berlin, abgerufen am 10. April 2026 Alisha Gamisch, Website des Maxim Gorki Theaters Berlin, abgerufen am 10. April 2026
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