mini|Johann Tobias Ignatius Nytz von Wartenburg

Johann Tobias Ignatius Nytz von Wartenburg, mit vollem Namen Johann Tobias Ignatius Nytz Graf von Wartenburg († nach 1738Seibold, S. 206, Zedler bezeichnet ihn in dem 1740 erschienenen Band als „auch so viel man weiß, noch jetzo am Leben ist“.), war von 1702 bis 1711 Assessor (Richter) am ReichskammergerichtJahns, S. 218. und später kurbayrischer Vize-Statthalter der Oberpfalz.

Herkunft und Familie Verheiratet war Johann Tobias Nytz Graf von Wartenburg mit Constantia Sidonia Eleonora, geborene von Closen, Tochter von Ludwig Bernhard von Closen, kurbayrischer Kämmerer und Erbmarschall in Niederbayern. Constantia erhielt 1706 den Sternkreuzorden.Zedler; Seifert.

Wirken Johann Tobias Nytz Graf von Wartenburg soll zunächst kurbayrischer und kurpfälzischer Regimentsrat in Straubing gewesen sein.Zedler.Eventuell handelt es sich um eine Verwechslung mit seiner Tätigkeit aus der Zeit, nachdem er das Reichskammergericht verlassen hatte. Er wurde 1701 von Kurfürst Maximilian II. Emanuel von Bayern dem Reichskammergericht als Assessor für die seitens Kurbayern zu besetzende Assessorenstelle vorgeschlagen. Er durchlief das Berufungsverfahren zügig und leistete 1702 seinen Amtseid.Jahns, S. 219.

Aufgrund des Bündnisses mit Frankreich gegen den Kaiser im Spanischen Erbfolgekrieg wurde über den bayerischen Kurfürsten die Reichsacht verhängt, er verlor die Kurwürde und alle damit verbundenen Rechte, die auf die Kurpfalz übertragen wurde. Johann Tobias Nytz Graf von Wartenburg wurde dadurch kurpfälzischer Assessor – was aber in der gerichtlichen Praxis keine Konsequenzen hatte.Jahns, S. 218. Mit den Friedensschlüssen von Rastatt und Baden wurde 1714 der Ausgangszustand wieder hergestellt. Johann Tobias Nytz Graf von Wartenburg war erneut kurbayrischer Assessor.Jahns, S. 219.

Im Reichskammergericht wurde Johann Tobias Nytz Graf von Wartenburg eine zentrale Gestalt in einem internen Streit, der das Gericht auf Jahre komplett lahm legte: Konkreter Anlass war, dass Kaiser Leopold I. dem Gericht den Freiherren Johann Rudolf von Ow als Assessor als Kandidat für die von ihm als Kaiser zu besetzende Assessorenstelle präsentierte. Dieser fiel aber in dem Examen des Berufungsverfahrens, das einer Ernennung voranging, durch. Stattdessen sprach sich die Mehrheit der Richter dafür aus, den Assessor Johann Tobias Nytz Graf von Wartenburg auf diese Stelle umzusetzen. Es war nicht unüblich, dass Assessoren innerhalb des Kollegiums auf eine ranghöhere Assessorenstelle wechselten. Die vom Kaiser zu besetzende Assessorenstelle war die ranghöchste überhaupt. Hinter der Aktion zugunsten von Johann Tobias Nytz Graf von Wartenburg stand der römisch-katholische, ältere Präsident des Reichskammergerichts, Franz Adolf Dietrich von Ingelheim (1659–1742), Neffe des Mainzer Kurfürsten, Lothar Franz von Schönborn. Gegen diesen Vorschlag opponierte heftig der evangelische, jüngere Kammergerichtspräsident, Graf Friedrich Ernst von Solms-Laubach. Auf dessen Seite waren die Assessoren Johann Adam Ernst von Pyrck und Philipp Helfrich Krebs beteiligt.Bildnis des Joannes Tobias Ignatius Nytz (Weblinks). Der Streit eskalierte derart, dass das Gericht arbeitsunfähig wurde und seinen Betrieb einstellte. Er produzierte zudem eine Flut von Streitschriften.Diejenigen Streitschriften, in denen Johann Tobias Nytz Graf von Wartenburg als (Mit-)Autor auftrat, finden sich im Abschnitt „Werke“. Die evangelische Seite appellierte an den Kaiser und bat um eine Visistation. Dieser suspendierte 1710 zunächst Ingelheim und einige ihn unterstützende Assessoren – darunter auch Johann Tobias Nytz Graf von Wartenburg. Diesem wurde wegen Majestätsbeleidigung verboten, sich in den österreichischen Erblanden aufzuhalten und ihm wurde der Grafentitel aberkannt.Seibold, S. 199. Weiter veranlasste der Kaiser die Erste Wetzlarer Visitation (1707–1713), die 1711 die Wiederaufnahme der Rechtsprechung durch das Reichskammergericht erreichte. Schmidt-von Rhein, S. 29f. Ingelheim und Johann Tobias Nytz Graf von Wartenburg wurden dabei wieder in ihre Ämter eingesetzt. Schmidt-von Rhein, S. 30. 1711 wurden die gegen Johann Tobias Nytz Graf von Wartenburg verhängten Maßnahmen vom Kaiser wieder aufgehoben.Seibold, S. 199, 207.

1711 wechselte Johann Tobias Nytz Graf von Wartenburg – wohl infolge der Auseinandersetzung – in den Dienst des bayerischen Kurfürsten, wurde RegimentsratOder „Regierungsrat“ – so: Bildnis des Joannes Tobias Ignatius Nytz (Weblinks). und Kämmerer in StraubingSeibold, S. 206. sowie kurbayrischer Kammerherr.Bildnis des Joannes Tobias Ignatius Nytz (Weblinks). 1715 wurde er Geheimer Rat und Vize-Stadthalter der Oberpfalz.Zedler.

1726 begab sich Johann Tobias Nytz Graf von Wartenburg, schwer erkrankt, auf eine Wallfahrt zum Kloster Einsiedeln. Seine Heilung schrieb er dieser Wallfahrt zu.Zeugnis des Johann Tobias Ignaz Nytz Graf von Wartenburg.

Literatur Werke und Auto-Zeugnisse Der überwiegende Teil der nachfolgend aufgeführten Schriften stammt aus dem Streit zwischen Ingelheim und Graf Laubach und weist Johann Tobias Nytz Graf von Wartenburg als (Mit-)Autor auf.Der bibliografische Nachweis dazu findet sich hier.

Beantwortung und gründliche Demonstration Non factæ probationis, junctâ petitione Des Præsidentens Freyherrn von Ingelheim, und mit-unterschriebener Assessorn der [!] Kayserl. und Heil. Röm. Reichs Cammer-Gerichts Contra Den Grafen von Solms-Laubach. Mit Beylagen Num. 1. 2. & 3. O. O. 1704? An Die Röm. Kayserl. auch zu Hungarn und Böheim Königl. Majestät. [et]c. [et]c. Meinen Allergnädigsten Kaysern und Herrn Allerunterthänigste Anzeig und Bitt …. O. O. 1705. Memoriale, Und höchstbemäßigte Vorstellung, Sambt Beylagen sub Num. 1. 2. & 3. An Einen Hochlöblichen Reichs-Convent zu Regenspurg. Dicatum Regenspurg den 30. Septembr. 1705. O. O. 1705. Beantwortung Und Demonstration Daß Herr Assessor Schrag Daß jenige, So Ihme zu beweisen auferlegt worden, Nicht bewiesen habe. Ca. 1705. Unterthänigste Parition Und Anzeig Von Seithen, Des Ersten Præsidenten Freyherrn von Ingelheim, und mit-unterschriebener Assessorn des Kayserl. und Heil. Röm. Reichs-Cammer-Gerichts Contra Philipp Helffrich Krebs. Samt Beylagen sub Num. 1. 2. 3. O. O. 1705? Gründliche Demonstration Non factæ probationis, Der Dem Assessori Zerneman Zu probiren obgelegener Puncten. Unâ cum petitione Des Præsidentens Freyherrn von Ingelheim, und mit-unterschriebener mehrerer Assessoren des Kayserl. und Heil. Röm. Reichs Cammer-Gerichts. O. O. 1706?. Generalis Contradictio Cum Submissione Von Seithen Des Præsidenten Freyherrn von Ingelheim und mit-unterschriebener Assessoren Des Kayserl. und Heil. Römischen Reichs Cammer-Gerichts. Den 5ten Punct des Visitations-Decreti vom 18ten Junii 1708. betreffend. O. O. 1708. An Die Höchstansehnliche Käyserliche Commission Und Hochverordnete Reichs-Visitations-Deputation Gegen-Memoriale Des älteren Præsidenten Freyherrn von Ingelheim und mehrern Assessorn. Die Käyserl. dem Graffen von Solms-Laubach zukommene Inhibitiones betreffend. O. O. 1708. Refutation Der Pyrckischen vermeinten Verantwortungs-Schrifft über acht aus den disseitigen Schrifften Extrahirte Puncten. O. O. 1708. Beantwortung Und klahre Demonstration Dasz der von Pyrck Dasjenige, so Ihme zu beweisen per Decretum auferlegt worden, nicht bewiesen habe, und dahero alle seine Imputata in lauteren Calumnien bestehen. O. O. 1708? Der Durch Gottes Gnaden-Hülff Entdeckte Betrug. 1. In Gerichtlicher Verfolgung und Vernichtung des von einigen boßhaffter weiß zu Wetzlar erdichten und promulgirten infamen Paßquills. 2. Des so wohl bey der Röm. Käyserl. Majest. als bey dem Reichs-Convent producirten falschen Attestati durch vier Gerichtliche ausgefallene Sententzen und darüber erlangter zweyen Reversen zur confusion des Auctoris und seiner Helffer gezüchtiget …. O. O. 1708?. Beantwortung Und Demonstration Daß Philipp Helffrich Krebs Daß jenige, So Ihme zu beweisen auferlegt worden, Nicht bewiesen habe …. O. O. 1709. Zeugnis des Johann Tobias Ignaz Nytz Graf von Wartenburg, dass er von einer mehrjährigen Krankheit, bei der ihm die Ärzte alle Hoffnung abgesprochen hatten, nach einer Wallfahrt unversehens gesundete und er weiter von einer neun Jahre andauernden Verfolgung befreit wurde. Amberg in der Oberpfalz 2. Juli 1726.Klosterarchiv Einsiedeln, A.SE-02.34

Sekundärliteratur Sigrid Jahns: Das Reichskammergericht und seine Richter. Verfassung und Sozialstruktur eines höchsten Gerichts im Alten Reich – Teil 2, Band 1: Biografien (= Friedrich Battenberg, Albrecht Cordes, Ulrich Eisenhardt, Peter Oestmann, Wolfgang Sellert (Hg.): Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich, Band 26). Böhlau, Köln u. a. 2003. ISBN 3-412-06503-X Georg Schmidt-von Rhein: Das Reichskammergericht in Wetzlar. In: Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung e. V. (Hg.): Reichskammergerichtsmuseum [Katalog]. 2. Auflage. Wetzlar 1997. ohne ISBN, S. 24–34. Gerhard Seibold: Die Grafen Nütz von Wartenburg im Spiegel der ihnen gewährten Standeserhebungen. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines 158 (2013), S. 197–210. Johann Seifert: Stamm-Tafel derer Grafen Nytz von Wartenburg. Regensburg 1717.

Weblinks

Bildnis des Joannes Tobias Ignatius Nytz de Wartenburg

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Richter (Reichskammergericht) Kategorie:Person (Wetzlar) Kategorie:Person (Straubing) Kategorie:Geboren im 17. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 18. Jahrhundert Kategorie:Mann