Paul Viktor Emanuel Wurster, seit 1912 von Wurster (* 6. Dezember 1860 in Hohenstaufen; † 4. Januar 1923 in Tübingen) war ein deutscher evangelischer Theologe und Hochschullehrer.Hermann Ehmer: Paul Wurster. In: Dieter A. Bloedt, Hermann Ehmer, Wolfgang Schöllkopf (Hrsg.): Uracher Köpfe (= Uracher Geschichtsblätter, Bd. 2). Bad Urach 2009, S. 197–202, ISBN 978-3-923-107-49-0; Wurster, D. Dr. Paul Viktor Emanuel. In: Württembergische Kirchengeschichte Online (abgerufen am 9. April 2026).
Herkunft Paul Wurster war der Sohn des evangelischen Pfarrers Jakob Wurster (1811–1875), der zuletzt in Kirchentellinsfurt wirkte. Die Mutter von Paul Wurster, Paulina Wurster, geb. Zerneck (1817–1905), zog acht Kinder groß, wohingegen fünf weitere Kinder bereits früh verstarben.
Leben und Wirken Paul Wurster besuchte die Lateinschule in Giengen an der Brenz und das Pädagogium in Esslingen am Neckar. Von 1874 bis 1878 war er an den Evangelisch-theologischen Seminaren Schöntal und Urach. Im Jahre 1878 trat er in das Evangelische Stift Tübingen ein und studierte bis 1883 Evangelische Theologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Er war Mitglied der Studentenverbindung AG Rothenburg Tübingen. Tübinger Rothenburg (Hrsg.): Mitgliederverzeichnis der Tübinger Rothenburg 1978. Tübingen 1978, Nr. 10. Im Wintersemester 1882/83 schloss er sein Studium mit dem ersten theologischen Dienstexamen ab und promovierte 1883 zum Dr. theol. Es folgte das Vikariat in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Im ersten Halbjahr 1884 unternahm Wurster eine wissenschaftliche Studienreise durch Deutschland, die Niederlande, Großbritannien und Frankreich, wobei er sich sowohl für dortige diakonische Einrichtungen als auch für bedeutende Prediger interessierte. 1884/85 war er an den diakonischen Anstalten von Gustav Werner in Reutlingen tätig. Gustav Werner war nach dem Tod des Vaters von Paul Wurster 1875 sein Pflegevater geworden. Über ihn veröffentlichte er 1888 eine Biografie.
Von 1885 bis 1888 war Wurster als Repetent am Evangelischen Stift Tübingen und als Assistent am Predigerseminar tätig. Nach seiner zweiten theologischen Dienstprüfung wurde ihm eine Pfarrstelle in Heilbronn übertragen. Sein dortiges Wirken war insbesondere auf den sozialen und diakonischen Bereich gerichtet. Im Jahre 1903 erhielt er die Stelle des Dekans im Kirchenbezirk Blaubeuren; im gleichen Jahr wurde er als Professor und Pfarrer jedoch an das Predigerseminar der Landeskirche von Hessen-Darmstadt in Friedberg berufen, wo er 1904 das Amt des Direktors übernahm. 1907 wurde Wurster, dem die Universität Gießen in diesem Jahr einen Doktortitel verlieh, als Professor für Praktische Theologie und Ethik an die Eberhard Karls Universität Tübingen berufen.Personalakte Paul von Wurster (Universitätsarchiv Tübingen, UAT 126/778) (Volltext). Damit verbunden war das Amt eines Frühpredigers an der Stiftskirche Tübingen. Von 1900 bis 1903 und von 1912 bis 1919 war er Mitglied der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Vom 12. Januar bis 12. Mai 1919 war er für die Bürgerpartei Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung des Volksstaates Württemberg, musste das Mandat jedoch aus beruflichen Gründen vorzeitig niederlegen.
Paul Wurster veröffentlichte neben der Biografie über Gustav Werner Schriften über die Innere Mission, die Ausbildung und den Predigtdienst der evangelischen Theologen, vor allem in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Er war seit 1889 verheiratet und Vater von drei Kindern. Im Jahr 1912 erhielt er das Ehrenkreuz des Ordens der Württembergischen Krone. Damit war die Erhebung in den persönlichen Adelsstand verbunden.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Zur Charakteristik und Geschichte des Priestercodex und Heiligkeitsgesetzes. In: Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft, Bd. 4 (1884), S. 112–133. Matthäus Alber. Einige Züge aus der Reformationsgeschichte der guten Stadt Reutlingen. Verlag des Bruderhauses, Reutlingen 1884. Gustav Werners Leben und Wirken. Nach meist ungedrucken Quellen dargestellt. Kocher, Reutlingen 1888. Die Lehre von der inneren Mission (= Sammlung von Lehrbüchern der Praktischen Theologie in gedrängter Darstellung, Bd. 6). Reuther & Reichard, Berlin 1895. Christliche Glaubens- und Sittenlehre. Leitfaden für den Religionsunterricht. Salzer, Heilbronn 1896 (4. Aufl. 1927). (mit Martin Hennig): Was jedermann heute von der Inneren Mission wissen muß. Kielmann, Stuttgart 1902. Die biblische Grundlage der Inneren Mission. Bertelsmann, Gütersloh 1902. Hausbrot für evangelische Christen. Ein Andachts- und Gebetbuch für jeden Tag. Verlag des Evangelischen Schriftenvereins, Karlsruhe 1903 (und weitere Auflagen). Die praktische Vorbildung der evangelischen Theologen in Württemberg. Zugleich eine Beanwortung der Frage: Braucht Württemberg ein Predigerseminar? Salzer, Heilbronn 1907. Die Bibelstunde. Ihre Geschichte, Aufgabe und praktische Gestaltung. Mit Anleitung für die Praxis. Verlag der Evangelischen Gesellschaft, Stuttgart 1912 (2. umgearb. Aufl. 1921). In seinem Dienst. Ein Jahrgang Predigten. Verlag des Evangelischen Schriftenvereins, Karlsruhe 1912. Hundert Jahre Predigeranstalt in Tübingen. Festschrift der evangelisch-theologischen Fakultät Tübingen. Mohr, Tübingen 1917. Das kirchliche Leben der evangelischen Landeskirche in Württemberg (= Evangelische Kirchenkunde, Bd. 7). Mohr, Tübingen 1919. Text und Predigt (= Handreichung für das geistliche Amt, Bd. 1). Calwer Vereinsbuchhandlung, Stuttgart 1921. Morgen- und Abendsegen. Ein Andachts- und Gebetbuch für jeden Tag. Verlag des Evangelischen Schriftenvereins, Karlsruhe 1936.
Außerdem zahlreiche kleinere Veröffentlichungen mit Predigten und Gebeten, vor allem während des Ersten Weltkriegs.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Lutherischer Geistlicher (19. Jahrhundert) Kategorie:Lutherischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Lutherischer Theologe (19. Jahrhundert) Kategorie:Lutherischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Theologisches Seminar Friedberg) Kategorie:Hochschullehrer (Eberhard Karls Universität Tübingen) Kategorie:Person (Evangelische Landeskirche in Württemberg) Kategorie:Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung (Württemberg) Kategorie:Ehrendoktor der Justus-Liebig-Universität Gießen Kategorie:Träger des Ordens der Württembergischen Krone (Ehrenkreuz) Kategorie:Nobilitierter (Württemberg) Kategorie:Korporierter (Studentenverbindung) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1860 Kategorie:Gestorben 1923 Kategorie:Mann