Henri Marrannes (* 27. Juni 1923 in Ferrières-la-Verrerie; † 4. April 1945 in Zwickau) war ein französisches Mitglied der Christlichen Arbeiterjugend und Opfer des Nationalsozialismus. In der Katholischen Kirche wird er als Seliger und Märtyrer verehrt.
Leben
Marrannes wuchs mit sechs Geschwistern in der Normandie auf. Seine Eltern waren belgische Einwanderer römisch-katholischen Glaubens. Als Jugendlicher engagierte er sich in der Christlichen Arbeiterjugend und übernahm mit 17 Jahren dort eine Leitungsrolle. Er arbeitete als Mechaniker in einer Reparatur-Werkstatt für Schreibmaschinen.
Am 29. Oktober 1942 erfuhr Marrannes, dass neun Kollegen aus seinem Betrieb im Rahmen des Service du travail obligatoire durch das Vichy-Regime zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich geschickt werden sollten, darunter ein verheirateter Mann mit Ehefrau und Kindern. Der 19-Jährige Marrannes meldete sich freiwillig, um dem verheirateten Mann den Verbleib bei seiner Familie zu ermöglichen. Am 8. November 1942 gelangte Marrannes nach Gera, wo er sich mit Mitgliedern der Christlichen Arbeiterjugend vernetzte. Mit dem Priester Yves Rabourdin organisierte er ab Juli 1943 christliche Jugendgruppen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Kardinal Emmanuel Suhard hatte beide per Brief dazu motiviert. Nach einer Hausdurchsuchung wurde Marrannes im März 1944 durch die Geheime Staatspolizei inhaftiert, verhört und gefoltert. Er wurde daraufhin ins KZ-Außenlager Zwickau deportiert und erhielt die Häftlingsnummer 28902. Er arbeitete dort in den Horch-Werken. Marrannes schmuggelte Hostien ins Lager und feierte im Geheimen mit seinen Mithäftlingen Gottesdienste. Am 3. April 1945 wurde er erneut verhört und mit einem Brett geschlagen. Am darauffolgenden Tag verstarb er an seinen Verletzungen.
Seligsprechung
Marrannes wurde gemeinsam mit 50 anderen französischen Männern, die zwischen 1944 und 1945 wegen ihres christlichen Glaubens durch die Nationalsozialisten getötet wurden, am 13. Dezember 2025 durch Kardinal Jean-Claude Hollerich in der Kathedrale Notre-Dame de Paris auf Anordnung von Papst Leo XIV. seliggesprochen.
Die Seligsprechungsverfahren für Marannes und die weiteren Franzosen begannen bereits 1982, jedoch dezentral in 30 verschiedenen Diözesen. 1988 initiierte das Erzbistum Paris ein neues Verfahren, um alle bisherigen Verfahren zu bündeln. 2018 wurden die Unterlagen zur Seligsprechung ans Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse weitergegeben. Am 20. Juni 2025 veröffentlichte der Heiliger Stuhl ein Dekret, das das Martyrium unter anderem von Marrannes anerkannte und die Seligsprechung der 50 Männer anordnete. Literatur
Reimund Haas, Elisabeth Tillmann (Hg.): Verfolgt und ermordet als junge Christen: 51 französische Märtyrer im Nazi-Reich. Persecutés et assassinés comme jeunes chrétiens: 51 martyrs français dans le Reich nazi. Katholisches Bildungswerk Dortmund 2005, ISBN 978-3931183097.
Einzelnachweise
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