Minotaur () ist ein Spielfilm von Andrei Swjaginzew aus dem Jahr 2026. Das Drama thematisiert die moralische und emotionale Krise eines russischen Geschäftsmanns vor dem Hintergrund tiefgreifender persönlicher sowie politischer Erschütterungen. Teilweise inspiriert wurde die Geschichte von Claude Chabrols Film Die untreue Frau (1969). Die internationale Koproduktion zwischen Frankreich, Lettland und Deutschland wurde im Mai 2026 im Hauptwettbewerb des Filmfestivals von Cannes uraufgeführt und gewann dort den Großen Preis der Jury.
Handlung Russland im Jahr 2022: Gleb lebt mit seiner Ehefrau Galina und dem gemeinsamen jungen Sohn in einem wunderschönen Haus am Wasser in einer Provinzstadt. Er leitet erfolgreich ein Unternehmen. Sein sorgfältig geordnetes Leben beginnt unter dem Druck wachsender geschäftlicher Belastungen und einer zunehmend instabilen Welt aus den Fugen zu geraten. Mit Beginn des Überfalls auf die Ukraine verliert Gleb wichtige Mitarbeiter, weil diese in den Westen abwandern. Gleichzeitig sieht er sich durch einen Beschluss der Regierung gezwungen, 14 seiner Angestellten für die „Spezialoperation“ abzustellen. Zur selben Zeit findet Gleb heraus, dass Galina ihn betrügt. Sie leidet unter dem ständigen Druck, die perfekte Ehefrau und Mutter sein zu müssen. Glebs Zusammenbruch beschleunigt sich und er beginnt zunehmend mit Gewalt auf sein Umfeld zu reagieren. Beider Probleme entledigt sich der Familienvater daraufhin mit größtmöglicher Kälte.Minotaur. In: palacefilms.com.au (abgerufen am 9. April 2026).Minotaur. In: filmdienst.de (abgerufen am 9. April 2026).Minotaure. In: filmsdulosange.com (abgerufen am 9. April 2026).Beim Cannes Film Festival: Sechsfache Teilnahme von ZDF/ARTE-Koproduktionen . In: presseportal.zdf.de, 9. April 2026 (abgerufen am 12. April 2026).Minotaur. In: sff.org.au (abgerufen am 13. Mai 2026).
Entstehungsgeschichte mini|Andrei Swjaginzew (2024) Minotaur ist der sechste Spielfilm des regierungskritischen»Direkt zurück in die Sowjetzeit«. In: Spiegel Plus, 6. März 2015 (abgerufen am 12. April 2026). russischen Regisseurs Andrei Swjaginzew, der mittlerweile im Exil lebt. Sein letzte Regiearbeit war das Oscar-nominierte Familiendrama Loveless (2017) gewesen. Dazwischen war Swjaginzew 2021 aufgrund einer schweren COVID-19-Infektion nach Deutschland gebracht worden. Diese habe bis zu 92 Prozent seiner Lungenfunktion zerstört. Insgesamt wurde er 11 Monate im Krankenhaus behandelt. Ein danach 2023 erwogenes Spielfilmprojekt namens Jupiter, dass sich kritisch mit russischen Oligarchen beschäftigen sollte, kam nicht zustande.Elsa Keslassy: Andrey Zvyagintsev, Oscar-Nominated ‘Loveless’ Director, to Helm Russian Oligarch Movie ‘Jupiter’ for Anonymous Content (EXCLUSIVE) . In: variety.com, 28. September 2023 (abgerufen am 12. April 2026).
Das Drehbuch zu Minotaur verfasste Swjaginzew gemeinsam mit Simon Lyashenko. Das Werk wurde vorab als „politische Fabel“ beschrieben, die Elemente des Kriminalfilms und Thrillers mit einer klassischen Tragödie verbinde.Elsa Keslassy: Mubi Buys ‘Minotaur’ From Oscar-Nominated Russian Filmmaker Andrey Zvyagintsev for North America, the U.K. and More Territories (EXCLUSIVE). In: varietey.com, 2. April 2026 (abgerufen am 12. April 2026).Fabien Lemercier: Arte France Cinéma is backing Andrey Zvyagintsev’s Minotaur. In: cineuropa.org, 24. März 2025 (abgerufen am 12. April 2026). Der Handlungsstrang um Gleb fremdgehende Ehefrau wurde von Claude Chabrols Spielfilm Die untreue Frau aus dem Jahr 1969 inspiriert.Manon Durand: Minotaur by Andreï Zviaguintsev: the war within. In: festival-cannes.com, 19. Mai 2026 (abgerufen am 23. Mai 2026).
Die Dreharbeiten waren ab September 2025 in Lettland angesetzt und endeten noch vor dem Jahreswechsel.Jordan Ruimy: Andrey Zvyagintsev’s ‘Minotaur’ Wraps Filming — Cannes 2026 Being Eyed. In: www.worldofreel.com, 25. Dezember 2025 (abgerufen am 12. April 2026). Swjaginzew vertraute seinem langjährigen Weggefährten Michail Kritschman die Kamera an. Die Filmmusik komponierten Evgueni und Sacha Galperine, mit denen Swjaginzew bei Loveless zusammengearbeitet hatte.
Minotaur wurde von MK Production, dem Produktionsarm von MK2 Films und Charles Gilliberts Firma CG Cinéma in Zusammenarbeit mit Regisseur und Drehbuchautor Swjaginzew produziert. Koproduzenten waren die deutsche Gesellschaft Razor Film und Forma Pro Films aus Lettland. Finanziell unterstützt wurde das Projekt von ZDF und Arte sowie der Deutsch-Französischen Förderkommission (Produktionsförderung in Höhe von 280.000 Euro) und der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (100.000 Euro). (abgerufen am 12. April 2026).
Anfang April 2026 wurde bekannt, dass sich der Verleih Mubi die Veröffentlichungsrechte für Nordamerika, das Vereinigte Königreich und Irland, Deutschland, Österreich und Lateinamerika gesichert hat.
Rezeption Veröffentlichung Die Uraufführung von Minotaur fand am 19. Mai 2026 im Hauptwettbewerb des 79. Filmfestivals von Cannes statt.The Screenings Guide of the 79th Festival de Cannes. In: festival-cannes.com, 7. Mai 2026 (abgerufen am 11. Mai 2026). Das Premierenpublikum zollte Swjaginzews Film zehnminütigen Applaus nach Ende der Vorstellung.Andreas Wiseman, Baz Bamigboye: Andrey Zvyagintsev’s ‘Minotaur’ Gets Heartfelt 10-Minute Ovation At Cannes Premiere. In: deadline.com, 19. Mai 2026 (abgerufen am 23. Mai 2026).
Ein regulärer Kinostart in Frankreich unter dem Titel Minotaure ist am 14. Oktober 2026 im Verleih von Les Films du Losange geplant.Minotaure. In: allocine.fr (abgerufen am 9. April 2026).
In Deutschland und Österreich soll Minotaur von Razor Film verliehen worden.
Kritiken Im zum Festival von Cannes herausgegebenen Kritikenspiegel des Branchenmagazins Screen International schnitt Swjaginzews Regiearbeit mit 3,2 von 4 möglichen Sternen unter allen 22 gezeigten Wettbewerbsbeiträgen am zweitbesten ab, hinter Paweł Pawlikowskis Vaterland (3,3). Höchstnoten erhielt Minotaur unter anderem von Nt Binh von der französischen Filmzeischrift Positif, Peter Bradshaw vom britischen The Guardian und Justin Chang vom amerikanischen Magazin The New Yorker.Cannes Film Festival 2026 jury grid. In: screendaily.com (abgerufen am 23. Mai 2026). Auch der amerikanische Branchendienst IndieWire zählte den Film zum Mitfavoriten auf den Hauptpreis, hinter Vaterland und Soudain von Ryūsuke Hamaguchi.Ryan Lattanzio: Who Will Win the Cannes Film Festival Palme d’Or?. In: indiewire.com abgerufen am 23. Mai 2025). In einem rein französischsprachigen Kritikenspiegel der Website Le film français sahen mit Philippe Rouyer (Positif), Céline Roude (La Croix) und Barbara Théate (Le Journal du Dimanche) drei von 15 Kritikern den Film als Palmen-Favoriten an.Les étoiles de la critique. In: lefilmfrancais.com (PDF-Datei; abgerufen am 23. Mai 2025).
Auf der Website Metacritic erhielt Minotaur eine Bewertung von 90 von 100 möglichen Punkten, basierend auf fast einem Dutzend ausgewerteter englischsprachiger Kritiken. Das Echo der Rezensenten wurde dort mit „einhelligem Beifall“ („universal acclaim“) beurteilt. Von den auf der Website Rotten Tomatoes nach der Premiere aufgeführten über 20 Kritiken wurden 95 Prozent als positiv („fresh“) eingeschätzt.
Auszeichnungen mini|Andrei Swjaginzew mit seinem gewonnenen Großen Preis der Jury Minotaur war Andrei Swjaginzews vierte Regiearbeit nach 2007, 2014 und 2017, die in den Wettbewerb um die Goldene Palme eingeladen wurde. Dort erhielt er mit dem Großen Preis der Jury die zweitwichtigste Auszeichnung zuerkannt.Ryan Lattanzio: Cannes Film Festival Reveals Competition Award Winners — Updating Live. In: indiewire.com, 23. Mai 2026 (abgerufen am 23. Mai 2026). Auch beim australischen Sydney Film Festival einen Monat später wurde die Produktion mit weiteren Berlinale- und Cannes-Beiträgen in den Hauptwettbewerb aufgenommen.Official Competition. In: sff.org.au (abgerufen am 11. Mai 2026).
Festival Kategorie Resultat Person Cannes (2026) Goldene Palme – Bester Film Nominiert Großer Preis der Jury Gewonnen Sydney (2026) Sydney Film Prize – Bester Film Nominiert
Weblinks Festivalprofil von Cannes (englisch)
Offizielle Webseite (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2026 Kategorie:Französischer Film Kategorie:Lettischer Film Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Kriminalfilm Kategorie:Thriller