Die Gesamterneuerungswahlen im Kanton St. Gallen 2024 fanden am 3. März und 14. April 2024 statt. Dabei wurden die 120 Mandate des kantonalen Parlamentes (Kantonsrat) und die sieben Mitglieder der kantonalen Regierung (Regierungsrat) neu gewählt.

Bei den Kantonsratswahlen wurde die Schweizerische Volkspartei klar stärkste Partei und hat sieben Sitze dazugewonnen. Die grösste Verliererin war die FDP. In der Regierung konnten Sozialdemokratische Partei und Schweizerische Volkspartei ihre freiwerdenden Sitze verteidigen, während alle wiederantretenden Regierungsmitglieder für eine weitere Amtszeit gewählt wurden.

Wahlverfahren

Kantonsrat Die 120 Mitglieder des Kantonsrates werden nach dem Verhältniswahlrecht (Proporz) gewählt. Der Kanton wird dadurch in acht Wahlkreise unterteilt. Die 120 Mandate werden entsprechend der Bevölkerungsgrösse auf die Wahlkreise verteilt (vgl. Tabelle). Innerhalb eines Wahlkreises werden die Parlamentssitze nach dem Hagenbach-Bischoff-Verfahren auf die Parteilisten verteilt. +WahlkreisAnzahl MandateSt. Gallen29 SitzeWil18 SitzeRheintal17 SitzeSee-Gaster16 SitzeToggenburg11 SitzeRorschach10 SitzeSarganserland10 SitzeWerdenberg9 Sitze

Regierungsrat Der Regierungsrat wird nach dem Mehrheitswahlrecht (Majorz) gewählt, wobei das ganze Kantonsgebiet als Einheitswahlkreis fungiert. Im ersten Wahlgang ist das absolute Mehr erforderlich. Das absolute Mehr entspricht der nächsthöheren ganzen Zahl wenn die Anzahl der gültigen Stimmzettel durch zwei geteilt wird. Falls mehr als sieben Personen das absolute Mehr erreichen, sind die Personen mit den höheren Stimmenzahl gewählt. Im zweiten Wahlgang genügt das relative Mehr. Das bedeutet, dass im zweiten Wahlgang die Personen mit den meisten Stimmen gewählt sind. Im zweiten Wahlgang ist auch eine stille Wahl möglich, falls gleich viele Kandidaturen vorliegen wie Mandate zu vergeben sind.

Ausgangslage

Kantonsrat Bei den vorangegangenen Kantonsratswahlen vom 8. März 2020 konnten die Grünen und die GLP je 4 Sitze dazugewinnen. Die CVP gewann ebenfalls ein Mandat dazu und war damit alleinige zweitstärkste Partei. Auch die EVP gewann zwei Sitze und war neu im Kantonsrat vertreten. Auf der Verliererseite musste die SVP fünf Sitzverluste verkraften, verblieb aber stärkste Partei. Die FDP verlor vier Mandate und rutschte auf den dritten Platz ab. Die SP hat einen Sitz verloren.

Zum ersten Mal ist die neue Mitte-Partei (nach der Fusion aus CVP und BDP) bei Kantonsratswahlen in St. Gallen angetreten. Die BDP hatte jedoch seit 2016 keine Vertretung mehr im Kantonsrat.

Regierungsrat Mit Fredy Fässler (SP) und Stefan Kölliker (SVP) haben zwei Regierungsmitglieder nicht für eine erneute Amtszeit kandidiert. Die fünf weiteren bisherigen Regierungsratsmitglieder – Laura Bucher (SP), Bruno Damann (Mitte), Susanne Hartmann (Mitte), Marc Mächler (FDP) und Beat Tinner (FDP) – strebten alle eine Wiederwahl an. Die SP hat als Ersatz für Fredy Fässler die Kantonsrätin Bettina Surber nominiert. Die SVP trat mit einem Zweierticket an und strebte damit einen Sitzgewinn in der Regierung an. Das Ticket bestand aus Dana Zemp und Kantonsrat Christof Hartmann. Die Grünen nominierten Kantonsrat Daniel Bosshard und die GLP trat mit der Kantonsrätin Sarah Noger-Engeler an. Daneben gab es drei Personen, welche ohne etablierte Partei kandidierten. Dazu gehörte auch die ehemalige SVP-Kommunalpolitikerin Sarah Bösch, welche nach einem Skandal aus der Partei ausgetreten ist.

Ergebnisse

Kantonsrat Die SVP wurde wiederum stärkste Partei und konnte 7 Sitze dazugewinnen. Damit wurden die Verluste der Wahlen 2020 überkompensiert. Auch die GLP konnte einen Sitz gewinnen. Die FDP und die Grünen haben je drei Sitze verloren. Für die FDP ist es die zweite Niederlage hintereinander, nach dem sie bei den letzten Wahlen bereits vier Sitze einbüsste. Die Grünen mussten ihre bei den Wahlen 2020 erzielten Sitzgewinne nahezu vollständig wieder abgeben. Die SP konnte ihren Wähleranteil zwar halten, verlor aber aufgrund der Stimmverteilung einen Sitz im Kantonsrat.

Die Parteien SP, Grüne und GLP schlossen sich zu einer gemeinsamen Fraktion zusammen und bildeten somit mit 30 Mandaten die zweitgrösste Fraktion. Die beiden EVP-Kantonsratsmitglieder schlossen sich der Mitte-Fraktion an.

+ParteiWählerzahlEntspricht der Summe aller fiktiven Wählenden, gewichtet nach Sitzzahl des WahlkreisesWähleranteil±Unterschied zum Wähleranteil 2020 in ProzentpunktenSitze SVP40’46031,48 % +4,642 Mitte28’14321,90 %−0,527 FDP20’16315,69 %−2,619 SP19’09514,86 %−0,218 GrüneGrüne und Grünliberale traten in den Wahlkreisen Sarganserland, Werdenberg und Toggenburg auf gemeinsamen Listen an. Die Stimmen der Kandidierenden wurden aufgeteilt, die Zusatzstimmen anteilsmässig ebenfalls.8’7216,79 %−1,16 GLP8’4176,55 % +0,36 EVP2’2911,78 %−0,52 EDU1900,15 %—— SD1000,08 %—— AuF/PFGemeinsame Listen der Organisationen Aufrecht und Parteifrei. Der Verbund trat in den Wahlkreisen Rheintal, St. Gallen und Toggenburg an.8680,68 %—— ÜSZDie Liste «Üseri Schwiiz Zerscht», Senioren (kurz ÜSZ) trat mit zwei Kandidaten im Wahlkreis Rorschach an.740,06 %——Total Wahlzettel128'522

Regierungsrat Erster Wahlgang Das absolute Mehr betrug im ersten Wahlgang 73'182 Stimmen. Alle fünf bisherigen Regierungsratsmitglieder erreichten das absolute Mehr und sicherten sich die Wiederwahl somit bereits im ersten Wahlgang. Von den neuen Kandidaturen erreichte niemand das absolute Mehr, weshalb ein zweiter Wahlgang für die verbleibenden zwei Sitze durchgeführt wurde. KandidatParteiBisher/NeuStimmenSusanne HartmannMitteBisher90'728Marc MächlerFDPBisher87'772Beat TinnerFDPBisher84'102Laura BucherSPBisher82'435Bruno DamannMitteBisher81'841Absolutes Mehr73'182Dana ZempSVPNeu58'653Christof HartmannSVPNeu58'059Bettina SurberSPNeu48'457Daniel BosshardGrüneNeu45'587Sarah BöschohneNeu39'522Sarah Noger-EngelerGLPNeu38'959

Zweiter Wahlgang Daniel Bosshard und Sarah Noger-Engeler zogen ihre Kandidaturen zurück und unterstützten im zweiten Wahlgang Bettina Surber. Die SVP hielt am Zweierticket fest. Auch das ehemalige SVP-Mitglied Sarah Bösch kandidierte erneut. Dank der breiten Allianz konnte Bettina Surber die beiden SVP-Kandidaturen überholen und holte im zweiten Wahlgang den ersten Platz. Ebenfalls gewählt wurde Christoph Hartmann der seine Parteikollegin Dana Zemp im zweiten Wahlgang überflügelte. Dana Zemp und Sarah Bösch verpassten die Wahl in den Regierungsrat. KandidatParteiBisher/NeuStimmenBettina SurberSPNeu47'674Christof HartmannSVPNeu45'117Dana ZempSVPNeu41'127Sarah BöschohneNeu24'009

Weblinks

Informationen zu den Kantonsratswahlen auf der Website des Kantons St. Gallen Informationen zu den Regierungsratswahlen auf der Website des Kantons St. Gallen

Einzelnachweise

St. Gallen 2024 Kategorie:Politik Kategorie:Wahl 2024 Kategorie:Parlamentswahl