mini|Robert Tournières (1667–1752): Porträt von Michel Corneille l’Aîné, 1702. Schloss Versailles Michel Corneille der Jüngere (* 1642 in Paris; † 16. August 1708 ebenda), auch Michel II., Michel l'aîné oder Michel-Ange Corneille, war ein französischer Maler, Zeichner und Kupferstecher. Er war der älteste Sohn des gleichnamigen Malers Michel Corneille der Ältere sowie Bruder von Jean-Baptiste Corneille.
Leben Michel Corneille erhielt seine erste Ausbildung bei seinem Vater, anschließend bei Pierre Mignard und Charles Le Brun. Im Jahr 1659 gewann er den Prix de Rome der Académie royale de Peinture et de Sculpture und hielt sich von 1659 bis 1663 zur Weiterbildung in Rom auf. Am 29. September 1663 wurde er mit dem Gemälde Berufung von Petrus und Andreas (Rennes, Musée des Beaux-Arts) in die Akademie aufgenommen. Dort wurde er 1673 Adjoint au Professeur, 1690 Professor und 1691 Conseiller. 1672 wiederholte er beim Mays-Geschenk für die Kathedrale Notre-Dame das Thema von 1663 (Arras, Musée des Beaux-Arts). In den folgenden Jahren schuf er eine Reihe religiöser Kompositionen sowie profane und mythologische Darstellungen. Gemeinsam mit anderen Akademiemitgliedern wirkte er an Aufträgen für den König mit. In der Malergruppe um Le Brun gestaltete er in der Antichambre de la Reine zu Versailles das Deckengemälde Merkur inmitten der Musen sowie vier Darstellungen zu Fabeln und zur Weltgeschichte. Im Schloss Trianon de Marbre malte er acht Szenen, darunter Zephir und Flora. Dank der Protektion durch Jules Hardouin-Mansart wurde er ab den 1680er Jahren vom Marquis de Louvois im Schloss Meudon beschäftigt. Bis 1706 dekorierte er gemeinsam mit Charles de La Fosse, den Brüdern Bon und Louis de Boullogne, Jean Jouvenet und Charles-François Poërson die Kapelle St-Grégoire im Pariser Dôme des Invalides. Daneben stattete er Privathäuser aus, darunter das von Hardouin-Mansart in der Rue des Tournelles in Paris und das von Charles Perrault errichtete Cabinet des Arts.
mini|Michel Corneille der Jüngere: Iris and Jupiter, 1701. Schloss Versailles Zeitlebens beschäftigte sich Michel Corneille intensiv mit dem Zeichnen. Bekannt ist vor allem eine Sammlung für Eberhard Jabach mit Studienblättern nach eigenen Entwürfen und nach alten Meistern, die sich heute im Cabinet des Dessins des Louvre befinden. Auch als Kupferstecher trat er hervor: Von 1665 bis 1671 war er mit 66 Kompositionen neben seinem Bruder Jean Pesne, Charles Massé und Jacques Rousseau am sogenannten Recueil Jabach beteiligt. Robert-Dumesnil beziffert sein druckgrafisches Œuvre auf 103 Blätter. Er stach häufig nach eigenen Werken und nach Gemälden der Carracci. Corneille starb in seiner seit Ende des 17. Jahrhunderts bewohnten Wohnung in der Manufacture des Gobelins, wo er eine königliche Pension von jährlich 700 Livres bezog. Gegen Ende seines Lebens scheint er sich weitgehend zurückgezogen zu haben. Sein Porträt malten Robert Tournières (Paris, École nationale supérieure des Beaux-Arts) und Jacob van Loo (Louvre).
Werke mini|Michel Corneille der Jüngere: Apollon, von Nymphen bedient. Museo del Prado Michel Corneille Stil ist durch eine italianisierende Darstellungsweise geprägt, die sich an Annibale Carraccis Istoria con figure piccole sowie an Domenichino orientiert. Weitläufige, düstere Landschaften mit ausgeprägtem Helldunkel bestimmen die Kompositionen, ohne den Gesamteindruck seiner luftigen Wirkung zu berauben. In den zahlreichen Studien findet sich die Formensprache eines Mignard wieder, für den Corneille eine Replik der Kuppelmalerei der Val-de-Grâce zeichnete.
Zeichnungen in: Alençon, Musée des Beaux-Arts et de la Dentelle; Bayonne, Musée Bonnat; Berlin, Kunstbibliothek; Besançon, Musée des Beaux-Arts; Frankfurt am Main, Städel; Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle; Köln, Wallraf-Richartz-Museum; Montpellier, Musée Fabre; Paris, École nationale supérieure des Beaux-Arts; Paris, Bibliothèque nationale; Rouen, Musée des Beaux-Arts; Stockholm, Nationalmuseum; Washington D.C., National Gallery of Art; Wien, Albertina. Gemälde in: Angers, Musée des Beaux-Arts; Arras, Musée des Beaux-Arts; Beaugency, Musée Dunois; Besançon, Musée des Beaux-Arts; Bordeaux, Musée des Beaux-Arts; Chantilly, Musée Condé; Dijon, Musée des Beaux-Arts; Leipzig, Museum der Bildenden Künste; Nantes, Musée des Beaux-Arts; Orléans, Musée des Beaux-Arts; Paris, Louvre; Rennes, Musée des Beaux-Arts; St. Petersburg, Eremitage; Tours, Musée des Beaux-Arts; Versailles, Schloss.
Literatur
Jane Turner (Hrsg.): The Dictionary of Art. Bd. 7. London 1996, s. v. Corneille (family). Antoine-Joseph Dézallier d’Argenville: Abrégé de la vie des plus fameux peintres. Bd. 4. Paris 1762. Alexandre-Pierre-François Robert-Dumesnil: Le peintre-graveur français. Bd. 6. Paris 1842; Bd. 11. Paris 1871. Pierre-Jean Mariette: Abecedario. Hrsg. von Philippe de Chennevières, Anatole de Montaiglon, Bd. 2. Paris 1853–1854. Jules Guiffrey, Pierre Marcel (Hrsg.): Inventaire général des dessins du Louvre. Bd. 3. Paris 1909. Inventaire du fonds français. Graveurs du XVIIe siècle. Bd. 3. Paris 1954. Catherine Monbeig-Goguel: in: The Burlington Magazine. 130 (1988), S. 1028. Xavier Salmon: in: Revue de la Société des Amis du Musée de l’Armée. 100 (1990). Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 3: Bülow – Cossin. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, Verlag De Gruyter, 2009.
Weblinks
DomQuartier Salzburg Getty Städel. Digitale Sammlung
Einzelnachweise
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