Die Postleitzahl gibt es in Deutschland seit 1941, als im Deutschen Reich zweistellige Postleitgebietszahlen eingeführt wurden, zunächst für den Paket- und Päckchendienst. Ab 1944 galten diese Postleitgebiete auch für den Briefverkehr. Die Zahlen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg weiterverwendet. 1962 fand in der Bundesrepublik und 1965 in der DDR ein Wechsel zu jeweils eigenständigen vierstelligen Postleitzahlsystemen statt. Beide Leitsysteme wurden 1993 von einem von der Deutschen Bundespost entwickelten fünfstelligen System für das wiedervereinigte Deutschland abgelöst.

mini|989x989px|Darstellung der ersten zwei Ziffern der fünfstelligen Postleitzahl, Stand 2003 (Postleitregionen) Die fünfstellige Postleitzahl ist eine Ziffernkombination innerhalb von Postadressen auf Briefen, Paketen oder Päckchen, die den Zustellort eingrenzt. Neben den Postleitzahlen für geografische Zustellgebiete gibt es eigene Postleitzahlen für Großempfänger und Postfächer. Für die Vergabe neuer Postleitzahlen ist die Deutsche Post AG als Nachfolgerin der Bundespost zuständig.

Geschichte der Postleitzahlsysteme in Deutschland Vorläufer Mit Hilfe von Ringnummernstempeln ermöglichte es die Verwaltung der Thurn-und-Taxis-Post zum ersten Mal 1853, Orte aus einer Region an einem Zahlenbereich zu erkennen. Ab Nummer 338, vergeben am 1. Oktober 1854 an die Post in Lehesten, sind die Nummern zufällig vergeben.

Carl Bobe gliederte 1917 Deutschland in Großräume, regionale Bereiche und örtliche Bereiche in einem Organisationsschema.

Das ein- bis zweistellige System Einführung im Deutschen Reich mini|Postleitzahlen auf den Paketen ganz groß! Information zur Einführung der Postleitzahlen in Deutschland mini|Postkarte von 1944, die beiden Postleitgebiete sind in den jeweiligen Kreisen gut zu erkennen, von (10) Sangerhausen nach (6) Wreschen mini|Einführung der Postleitzahl im Mai 1944, kundgetan im nationalsozialistischen Bozner Tagblatt: Beispiel Magdeburg (19)

Die Einführung eines Postleitzahlensystems liegt im Zweiten Weltkrieg begründet. Während des Krieges stieg das Postaufkommen durch Feldpostsendungen und vor allem Feldpostpäckchen enorm an.Walter Schießl: Fünfzig Jahre deutsche Postleitzahlen. Ein Rückblick auf die Anfänge … In: Philatelie und Postgeschichte. Nr. 128/1993, S. 20 ff. Die meisten erfahrenen Postbediensteten, die die Sendungen sortierten, waren bereits zur Wehrmacht eingezogen und durch kurz angelernte Postsortierer und Fremdarbeiter mit unzureichenden geografischen Kenntnissen ersetzt worden, was zu einer deutlichen Verlängerung der Zustellzeiten führte.Heinz Adlunger: Wieso kam die Postleitgebietszahl (PLGZ) 22a in einigen Mainzer Tagesstempeln vor? In: Philatelie und Postgeschichte. Mai 1988, S. 40. Erschwerend kam hinzu, dass auch vordem unbekannte und umbenannte Orte im Generalgouvernement und den anderen deutsch besetzten Gebieten zu bedienen waren, die auch erfahrenen Kräften kaum bekannt waren.

Am 25. Juli 1941 gab das Reichspostministerium mit der Verfügung 407/1941 in seinem Amtsblatt die Einführung von „Päckchenleitgebieten“ bekannt. Diese galten zunächst für den Paketdienst. Es gab 24 Päckchenleitstellen mit Unterleitstellen, die von 1 bis 24 durchnummeriert wurden. Die Gebiete entsprachen im Allgemeinen der GaueinteilungAufruf! „Wie trage ich zur schnellen Beförderung meiner Post bei?“ S. 13. In: Reichspostministerium (Hrsg.): Postnachrichtenblatt – Mitteilungen aus dem Post- und Fernmeldedienst. 24. Jahrgang, Nr. 3, Berlin 22. Januar 1944 und damit auch den Oberpostdirektionsbezirken. Diese wurden durch zweistellige, numerische Postleitzahlen gekennzeichnet, zum Beispiel 21 für die Provinz Westfalen.Deutsches Reichspostministerium: Verzeichnis der Postämter des Reichspostgebiets mit Angabe der Postleitzahl, Ausgabe Juli 1944, Übersicht der Postleitgebiete, S. 4.

Am 19. Oktober 1943 erschien eine „Anweisung für den Briefverteildienst“ mit der allgemein verbindlichen Einführung von 32 Leitgebieten im zivilen Postverkehr.

Anfang 1944 wurde die Bevölkerung aufgerufen, die Postleitzahl bei allen Postsendungen – auch Briefen – zu verwenden:mini|Postleitgebietskarte um 1943

Gleichzeitig wurden Muster für die Empfängeranschrift auf Briefen sowie Karten mit den Postleitgebieten in der Presse veröffentlicht.

Darüber hinaus erließen der Normenausschuss und der Reichsausschuss für wirtschaftliche Verwaltung beim Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit Anfang des Jahres 1944 Richtlinien für das Eindrucken der Postleitzahl in genormte Briefe, Rechnungen usw. Die Postleitzahl war vor die Ortsangabe zu setzen. Nach dem Wunsch der Reichspost sollte sie von einem Kreis umgeben sein; sofern der Aufwand hierfür hoch war (z. B. zweiter Druckgang), wurde aus kriegswirtschaftlichen Gründen empfohlen, die Postleitzahl in runde Klammern zu setzen.

Die Postleitzahl sollte in einem Kreis etwa in der Größe eines Groschens links neben dem Bestimmungsort erscheinen, bei Schreibmaschinenschrift in Klammern gesetzt. Der Bestimmungsort war zusätzlich zu unterstreichen.

Beispiel: (2) Luckenwalde

Bei manchen Ortsnamen kamen zusätzliche amtliche Bezeichnungen hinzu.

Beispiel: (2) Werder (Havel)

Orte, die durch Landkraftposten postalisch versorgt wurden, mussten mit der Angabe „über“ und dem Namen des zuständigen Leitamtes unterhalb des Bestimmungsortes gekennzeichnet sein.Deutsches Reichspostministerium: Verzeichnis der Postämter des Reichspostgebiets mit Angabe der Postleitzahl, Ausgabe Juli 1944, S. 3. (19) Parey über Genthin Der Straßenname wurde unterhalb des Bestimmungs- beziehungsweise Leitamtsortes geschrieben.

Eine Übersicht der Postleitgebiete von 1944 befindet sich in der Liste der Postleitregionen in Deutschland.

Ab dem Jahr 1944 wurde die Benutzung der Leitzahlen durch werbliche Maßnahmen unterstützt, dabei wurden insbesondere Einsatzstücke in Maschinenstempeln verwendet.vgl. Postnachrichtenblatt Nr. 13 vom 1. April 1944 Ab Ende März sollte die Angabe der Postleitzahl auf allen amtlichen Formblättern (vor allem auf allen Nummernzetteln usw.) erfolgen.So die Verfügung des RPM Nr. I 2474-0 vom 20. März 1944 Um die Anwendung der Leitzahlen weiter zu forcieren, sollten ab Juni 1944 die Zahlen in die postalischen Stempel eingefügt werden.Amtsblatt des Reichspostministeriums Nr. 56 vom 6. Juni 1944, Amtsblatt-Vfg.Nr. 175/1944 Dies galt auch für die außerhalb der Postämter stehenden Absenderfreistempel. Vom Prinzip her gilt diese Vorgabe immer noch.

Weiterverwendung nach 1945 Gebietsleitzahlen mini|Postkarte Stempel vom 2. August 1945 nach (10) Halle (Saale) Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte weiterhin die Regelung der Reichspost Gültigkeit. In den vier Besatzungszonen Deutschlands existierten die Postleitzahlen (zweistellig, numerisch mit einstelligem Buchstabenzusatz) weiter. Die Postleitbereiche 4 bis 9 sowie 11 und 12 lagen in Gebieten, die seit 1945 nicht mehr zu Deutschland gehörten, und wurden nicht mehr benötigt. Es gab im Laufe der Zeit weitere Änderungen, indem einige Gebiete weiter unterteilt wurden – beispielsweise die 21 in 21a und 21b oder 22 in 22a bis 22d. Auch nach der Gründung der Bundesrepublik und der DDR im Jahre 1949 galten mit leichten Anpassungen an die jeweiligen Staatsgrenzen diese Postleitzahlen weiter.

In den 1950er Jahren hielten sich immer weniger Briefschreiber an die Postleitzahlen. Nur noch jede dritte Sendung hatte die Postgebietsleitzahl in der Anschrift. Dies führte sogar dazu, dass im Bereich der Bundespost Anfang der 1950er Jahre Überlegungen stattfanden, auf Postleitzahlen komplett zu verzichten.Handwörterbuch des Postwesens. 2. Auflage, S. 536. Mitte der 1950er Jahre hatte sich die Situation durch die bevorstehende Automation des Briefverteildienstes jedoch überholt und es wurde über ein neues System nachgedacht.Handwörterbuch des Postwesens. Ergänzungsband zur 2. Auflage, 1956, S. 88.

mini|Postleitgebiete und Besatzungszonen, 1946 Um die Zahl der 24.000 Postorte in den Anschriften zu verringern, ordnete man die Orte mit Poststellen II und die meisten Orte mit Poststellen I Leitpostämtern unter. Übrig blieben 6.500 Leitpostämter, für die Briefbunde gefertigt werden mussten. Die eingesparten Orte hatten die Ortsbezeichnung mit dem Zusatz „über Leitpostamt“. Diese Neuordnung fand in der Bevölkerung geringe Resonanz, 72 % der Sendungen enthielten diese Ortsbezeichnung mit dem Zusatz nicht. Abhilfe war dringend notwendig, da es beispielsweise alleine im Gebiet der (westlichen) Bundesrepublik Deutschland mehr als 30 Orte mit dem Namen „Neustadt“ gab und weitere hilfreiche Zusätze wie etwa die Angabe des Landkreises nicht immer angegeben waren. Damit erforderte selbst die Angabe solcher Hilfsbezeichnungen enormes Wissen der Verteilkräfte.

In der DDR wurden die zweistelligen Postleitzahlen spätestens Anfang der 1960er Jahre außer Kraft gesetzt.ZPF 10/62, S. 365

Amtskennzahlen für Pakete Für den Paketdienst wurde 1956 ein neues System entwickelt. Dabei erhielt jedes selbständige Amt zusammen mit seinen Zweigpostämtern und Poststellen eine Amtskennzahl. Das System dieser Amtskennzeichen war eine Art Verschlüsselung. Die ersten Zahlen von 1 bis 20 wurden, nach dem Paketaufkommen gestaffelt, den Oberpostdirektionen zugeteilt. Die darunter stehenden Buchstaben von A–Z (ohne I, O, Q wegen der Möglichkeit der Verwechslung mit Ziffern) erhielten die Postämter nach gleichem Gesichtspunkt. War das Alphabet erschöpft, wurde eine dreiteilige Kombination vorgesehen: Ziffern – Buchstaben – Ziffern.

Mit Amtsblattverfügung 274/1956 galten die Amtskennzahlen am 30. Juli 1956 auch für Einschreibzettel. Die Amtskennzeichen der Zweigpostämter, Poststellen I und II in der Bundesrepublik und in Berlin (West) stimmten mit den Amtskennzeichen der Abrechnungs- oder Leitpostämter überein. Nach der Postreform 1959 galt dies für Postämter und Poststellen. Insgesamt wurden 22 Grundnummern vergeben. Die Nummern 21 für die Landespostdirektion Berlin und 22 für die OPD Saarbrücken wurden unabhängig von dem Zuteilungskriterium des Paketaufkommens vergeben.

Das System wurde am 1. April 1964 von der bis 1963 gültigen Form der Postleitzahlen abgelöst.Amtsblatt für das Post- und Fernmeldewesen, Vf 543/63 Die alten R-Zettel durften bis zum 31. Mai 1964 weiterverwendet werden. Von kleineren Postorten wurde das Datum jedoch nicht eingehalten. Nach Angaben des Amtsblatts konnten bereits vor dem 1. April 1964 die Postleitzahl-Einschreibzettel verwendet werden, wenn die alten R-Zettel nicht bis zur Umstellung reichen würden.

Die Systeme in der Bundesrepublik und in der DDR

mini|Die beiden vierstelligen Postleitgebiete bis 30. Juni 1993 Deutsche Bundespost Das neue Postleitzahlensystem in der Bundesrepublik wurde 1961 von dem damaligen Bundespostminister Richard Stücklen vorangetrieben und am 23. März 1962 eingeführt. Am 3. November 1961 wurden die Postleitzahlen im Amtsblatt des Bundesministeriums für das Post- und Fernmeldewesen Nr. 126 bekanntgegeben. Das Verkehrsgebiet war nun in sieben Leitzonen unterteilt, diese wiederum in bis zu zehn Leiträume, jeder Leitraum in bis zu zehn Leitbereiche. Bei Postleitzahlen, die am Ende Nullen hatten, wurden diese zunächst nicht geschrieben (2 Hamburg, 53 Bonn, 318 Wolfsburg). Die Schreibweise richtete sich nach der jeweils gültigen Version der DIN 5008.