mini|hochkant=1.3|Blick vom Frauenberg auf Eichstätt mini|hochkant=1.3|Lage der Stadt Eichstätt im Altmühltal mini|Ortsschild mit der Beschriftung „Universitätsstadt Eichstätt“
Eichstätt ist eine Große Kreisstadt und Mittelzentrum in Oberbayern. Die Stadt ist Sitz des gleichnamigen Landkreises sowie der Verwaltung des Naturparks Altmühltal, außerdem Bischofssitz des Bistums Eichstätt und Hauptsitz der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.
Geografie mini|Die Landschaft des Naturparks Altmühltal auf dem Stadtgebiet, gesehen vom „Eichstätter Matterhorn“ aus mini|Typischer Kalkstein in einem Steinbruch in Wintershof
Lage
Die Stadt liegt an der Altmühl, in der Nähe des bei Kipfenberg gelegenen geographischen Zentrums Bayerns und im Dreieck der größten bayerischen Oberzentren München, Nürnberg und Augsburg. Die nächstgelegene Großstadt ist das ca. 15 km Luftlinie südöstlich gelegene Ingolstadt. Ungefähr 14 km Luftlinie südlich liegt Neuburg an der Donau, ca. 18 km nordwestlich Weißenburg in Bayern.
Die Nachbargemeinden Eichstätts sind:
Eichstätt liegt im Naturpark Altmühltal, dem viertgrößten Naturpark Deutschlands, und ist dessen zentraler Parkort.
Stadtgliederung
Die Gemeinde hat 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Neben der Kernstadt besteht Eichstätt aus den historischen Vorstädten Buchtalvorstadt, Ostenvorstadt, Spitalvorstadt/Frauenberg und Westenvorstadt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden die Baugebiete Burgberg, Eichendorffstraße, Herzogfeld, Landershofen-Siedlung, Seidlkreuz, Weinleite (aufgrund der durchgängigen Flachdachbauweise als „Klein-Jerusalem“ bezeichnet) und das Industriegebiet Sollnau.
Bahnhof Eichstätt befindet sich im Gemeindeteil Wasserzell.
Folgende neun Gemarkungen liegen auf dem Stadtgebiet:
Eichstätt Wintershof Buchenhüll Marienstein Landershofen Wasserzell Park Preith (auch auf dem Gebiet der Gemeine Pollenfeld) Pietenfeld (auch auf dem Gebiet der Gemeine Adelschlag)
Gewässer mini|Die Altmühl auf Höhe der Spitalbrücke; zwischen Spitalbrücke und der Spitalkirche Heilig Geist ist ein Nachbau der historischen Prelle zu sehen, mit der im Mittelalter das Bäckerschupfen durchgeführt wurde.
Dominiert wird die Stadt von der Altmühl, die das Stadtgebiet durch die Gemeindeteile Wasserzell, Rebdorf, Marienstein, Eichstätt, Pietenfeld an der Leithen und Landershofen durchfließt.
Durch die Stadt fließt auch der Kapellenbach. Des Weiteren fließt ein großteils unterirdisch durch Rohre geführter, Buchtalbach genannter Kanal durch die Stadt. Beide Gewässer befinden sich ausschließlich auf dem Gebiet des Hauptortes.
Erhebungen
Die Stadt gilt als Hauptort des Altmühltals. Der nördliche Talabhang oberhalb der Stadt bildet einen Ausläufer des Fränkischen Jura. Höchster Punkt im Stadtgebiet ist mit 574 Metern Höhe eine ehemalige Abraumhalde nahe dem Gemeindeteil Lüften; in der Stadt ist dieser Punkt auch als „Eichstätter Matterhorn“ bekannt. Am tiefsten Punkt, bei 384 Meter, verlässt die Altmühl das Stadtgebiet. Das Stadtzentrum liegt auf einer Höhe von 393 Meter. Die Stadt ist der namensgebende Ort der Eichstätter Alb. Die zahlreichen Erhebungen auf dem Gebiet Eichstätts tragen historisch überlieferte Namen, u. a. Frauenberg, Blumenberg, Galgenberg, Ziegelhofer Berg, Doktorberg, Haselberg, Gaberberg, Gaisberg, Adamsberg, Burgberg und Kugelberg.
Klima
In Eichstätt herrscht ein gemäßigtes Klima vor. Die Daten der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in Landershofen ergeben für die Normalperiode von 1961 bis 1990 eine Jahresmitteltemperatur von 7,9 °C, wobei die Temperaturen jahreszeitlich erheblich schwanken. Kältester Monat ist der Januar mit einer Durchschnittstemperatur von −1,6 °C; im wärmsten Monat Juli ergibt sich ein Temperaturschnitt von 17,4 °C. Jährlich fielen in der Normalperiode im Schnitt insgesamt 772,5 mm Niederschlag. Der feuchteste Monat ist der Juli mit im Schnitt 97,0 mm Niederschlag; am trockensten ist der März mit 48,1 mm. Insbesondere auch durch die Tallage tritt im Herbst und im Winter regelmäßig Nebel auf.
Geschichte Vorgeschichte mini|Eichstätter Exemplar des Archaeopteryx
Vor etwa 150 Millionen Jahren war hier der nördliche Rand des Jurameeres mit Korallenriffen und Lagunen, auf deren Grund sich Kalk in Schichten als Plattenkalk ablagerte. Eingeschlossene Tier- und Pflanzenreste blieben als Fossilien erhalten, unter anderem Juravenator und Archaeopteryx, von dem einige Exemplare in Eichstätter Steinbrüchen gefunden wurden. Nach Ende der Weichsel-/Würm-Kaltzeit wurde das mittlere Altmühltal durch die Urdonau, in diesem Abschnitt auch Altmühldonau genannt, geschaffen. Dabei blieben versteinerte Korallenriffe als markante Steinformationen erhalten und prägen noch heute die Jurahänge. Die ersten Spuren von Menschen in der Gegend von Eichstätt werden auf die Zeit um 10.000 v. Chr. datiert.
Frühgeschichte und Altertum
Bereits in der Hallstattzeit (8. bis 6. Jahrhundert v. Chr.) und der Zeit der Kelten (Latènezeit ab 5. Jahrhundert v. Chr.) befand sich eine kleine Ansiedlung ungefähr an der Stelle des Domes, die den Namen Eistedd (vermutlich aus dem Keltischen: Wohn- oder Versammlungsstätte) trug. Zwischen 80 und 260 n. Chr. war Eichstätt Teil der Provinz Raetia und beherbergte eine kleine Römersiedlung (Villa rustica), deren Lage nördlich oder nordöstlich des Doms vermutet wird. Zwar wurden im Dombereich römische Funde gemacht, römische Baureste wurden jedoch nicht gefunden.Alfred Wendehorst: Das Bistum Eichstätt. Band 1: Die Bischofsreihe bis 1535. Reihe: Germania Sacra – Neue Folge 45. Berlin 2006, ISBN 978-3-11-018971-1, S. 20. Nördlich von Eichstätt verlief der Limes. Dieser wurde in den Jahren 213, 233 und 259 von den Alemannen gestürmt und die Römer zogen sich südlich über die Donau zurück.
Mittelalter
Die erstmalige urkundliche Erwähnung des Ortes „Eihstat“ datiert auf das Jahr 740, als Winfried Bonifatius das Gebiet von einem Edlen namens Suitger geschenkt bekam. 741 oder 742 n. Chr. wurde der angelsächsische Benediktinermönch Willibald durch Winfried Bonifatius zum Bischof geweiht und nach Eichstätt entsandt; die „regio Eihstat“, die Suidger, ein Adeliger des bayerischen Herzogtums, dem Bonifatius zu seinem Seelenheil übergeben und dieser an Willibald weitergegeben hatte, war „ganz verwüstet, so dass kein Haus daselbst war“, mit Ausnahme einer Marienkirche. In ihrer Nähe, im Bereich des heutigen Domes, errichtete Willibald weisungsgemäß ein Kloster als Urzelle des noch vor 762 entstandenen Bistums Eichstätt.Andreas Kraus: Der heilige Willibald von Eichstätt – Person, Zeit und Werk. In: Hl. Willibald 787-1987. Ausstellungskatalog, Eichstätt 1987, S. 13–21 Um 880 wurden die Gebeine der Schwester des hl. Willibald, der hl. Walburga, von Heidenheim nach Eichstätt überführt; an ihrem Grab wurde 1035 ein Benediktinerinnen-Kloster gegründet, das bis heute Wallfahrtsziel ist. Diese Heilige wird nahezu weltweit verehrt.
Im 8. Jahrhundert gehörte Eichstätt politisch dem Nordgau an. Am 5. Februar 908 verlieh König Ludwig IV. dem Bischof Erchanbald das Markt-, Münz- und Zollrecht sowie das Recht zur Ummauerung; dies wird heute von der Stadt selbst als ihr Gründungsdatum angesehen. In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts wurde das noch heute vorhandene Fundament der Spitalbrücke gelegt, die damit die älteste bekannte steinerne Brücke in Bayern ist; die heutige Brückenkonstruktion aus Beton stammt allerdings aus den 1980er Jahren.Bayerns älteste Steinbrücke steht in Eichstätt, BR24 vom 8. Juli 2026; Zugriff am 8. Juli 2026
„Eihstat“ durfte sich 1042 „civitas“ (Stadt) nennen. Im Jahr 1003 schlug der deutsche König Heinrich II. einen Aufstand von Heinrich von Schweinfurt nieder. In der Folge wurde der Nordgau in Teilgrafschaften aufgelöst. Die Gebiete um Eichstätt kamen zu Graf Berengar. 1205 erhielten die Grafen von Grögling-Hirschberg Vogteirechte. Eichstätt wurde zur Residenzstadt der Grafschaft Hirschberg. Von 1305 bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts herrschten die Bischöfe von Eichstätt über Stadt und Hochstift Eichstätt. Das Hochstift war von 1500 bis 1806 Teil des Fränkischen Reichskreises innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
Überregional bekannt wurde der Arzt und, ein bedeutendes Regimen sanitatis verfassende, Schriftsteller Konrad von Eichstätt (* um 1275; † August 1342), Sohn des Eichstätter Stadtrichters Hiltbrand.Gundolf Keil: Konrad von Eichstätt. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 775 f.Michael von Matuschka: Konrad von Eichstätt. In: Lexikon des Mittelalters. Band 5 (199), Sp. 1358. Konrad, 1327 mit dem „Zehnten zu Piburch“ von Bischof Gebhard von Eichstätt belehnt, betrieb zudem in Eichstätt eine Badestube, die 1341 zum Brauhaus umfunktioniert wurde.Manfred Peter Koch, Gundolf Keil: Konrad von Eichstätt. In: Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 5, Sp. 162–169.
Mindestens seit dem 13. Jahrhundert gab es eine jüdische Gemeinde in Eichstätt. Judenverfolgungen sind für das Jahr 1298 und für die Pestzeit 1348/49 überliefert. Fürstbischof Johann III. von Eych veranlasste zudem 1445 die Vertreibung aller Juden aus dem Hochstift Eichstätt und damit auch aus der Stadt.Jüdische Geschichte in Eichstätt (Oberbayern), Alemannia Judaica; Zugriff am 24. Oktober 2020
Im Mittelalter wurde das Gebiet um Eichstätt auch zum Weinanbau genutzt. Die dafür angelegten Terrassen sind teilweise heute noch zu erkennen. Mit dem Beginn der Kleinen Eiszeit und aufgrund der Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges wurde der Weinanbau schließlich aufgegeben. (PDF) Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau; abgerufen am 15. März 2018
Im Spätmittelalter machten sich auch in Eichstätt hussitische Einflüsse bemerkbar.
Neuzeit Frühe Neuzeit mini|Eichstätt im 17. Jahrhundert (Matthäus Merian: Topographia Franconiae. 1648)
Hexenverfolgung in Eichstätt
Von 1582 bis 1723 wurden im Hochstift Eichstätt mindestens 241 Menschen, 211 Frauen (88 %) und 30 Männer (12 %), wegen des Verdachts auf sogenannte Hexerei angeklagt und verhaftet. 222 (195 Frauen, 27 Männer) von ihnen wurden nachweislich in Hexenprozessen zum Tode verurteilt und hingerichtet, darunter Kunigunde Sterzl, Eva Hohenschildin und Helena Schneckin. Für die übrigen ist die Hinrichtung entweder bisher nicht sicher belegt oder sie starben während der Haft oder wurden wieder freigelassen. Die Hauptphase der Hexenverfolgung im Hochstift Eichstätt dauerte von 1617 bis 1630 und fiel in die Regierungszeit des Fürstbischofs Johann Christoph von Westerstetten. In diesen 14 Jahren sind mindestens 185 Verhaftungen und Prozesse und 167 Hinrichtungen von 141 Frauen und 26 Männern wegen Hexerei nachweisbar, davon kontinuierlich jedes Jahr zwischen vier und 25 (1620) Todesurteile. Die letzte bisher bekannte Hinrichtung wegen Hexerei fand in Eichstätt 1723 statt.
Weitere Entwicklungen
Zwischen 1540 und 1546 traf Eichstätt eine Epidemie, wodurch zahlreiche Menschen starben. In der Folge wurde der erst 1534 errichtete Ostenfriedhof weiter vergrößert. Auf Veranlassung Fürstbischof Moritz von Huttens wurde im Jahre 1550 der Getreidespeicher am Residenzplatz errichtet. Dieser beherbergt heute das Alte Stadttheater. Auf das Jahr 1564 wird die Errichtung des Collegium Willibaldinum im Zuge der Tridentinischen Reform datiert. Der Hortus Eystettensis auf der Willibaldsburg wurde auf Veranlassung von Fürstbischof Johann Konrad von Gemmingen ab 1597 errichtet, im Dreißigjährigen Krieg jedoch wieder verwüstet.