mini|Titelseite des Ostindien-Reiseberichts Georg Leonhardt Schwarz, auch Georg Bernhardt Schwarz genannt (* 1706 in Beutelsbach bei Stuttgart; † 1790 in Münster bei Stuttgart) war ein deutscher Küfer (Faßmacher) und Reiseschriftsteller.
Leben Schwarz heuerte 1731 bei der Niederländische Ostindien-Kompanie als Soldat an und segelte mit der Nieuw Walcheren nach Batavia, dem heutigen Jakarta. Dort kam er am 26. Mai 1735 an. Er diente als Soldat, wurde Geselle bei einem Faßmacher und eröffnete ein Logierhaus für deutsche Handwerker. 1740 beteiligte er sich am Massaker von Batavia an den Chinesen. Er beschrieb es in seinen Erinnerungen Reise in Ost-Indien (1748) so: Um 9 Uhr schickte der Herr General zu uns in das Handwerkerquartier den Befehl, dass wir alle ausrücken und alle Chinesen in der Stadt kaputt machen sollten. Dies war nun Wasser auf unsere Mühlen und um eine gute Beute davon zu tragen, wollte ein jeder der Erste sein. Dann ging das Metzeln los. Die Zimmerleute mit ihren Äxten schlugen Türen und (Fenster)Läden ein und die mit Gewehr mussten in die Häuser gehen und die Chinesen massakrieren. Ich selbst musste auch mitmachen. Und weil ich wusste, dass mein Nachbar ein fettes Schwein hatte, so wollte ich solches mitlaufen lassen und in mein Haus bringen. Als nun der Meister Zimmermann das sah, schlug er mich, und sagte, ich sollte zuerst die Chinesen tot schlagen, dann erst rauben; ich nahm in Ermanglung eines Gewehrs flugs einen Reisstampfer, ein langen Stück Holz eines Arms dick, und schlug damit meinen Nachbar, mit welchem ich vorher öfter gegessen und getrunken hatte, tot. Obwohl es mir erbärmlich vorkam, musste ich es dennoch wider meinen Willen, weil mein Vorgesetzter vor der Tür stand, verrichten. Als ich ihn nun umgebracht hatte, ging ich in seine Kammer, fand da ein Pistole; diese nahm ich, und weil noch viele Patronen dabei waren, ging ich weiter und schoss damit alles tot, was ich nur antraf. Da ich nun deren zwei oder drei umgebracht hatte, so war ich des Metzgens schon gewohnt und machte mir so wenig ein Gewissen daraus, ob ich einen Chinesen oder einen Hund tot schlug.Dies ist der einzige bekannte Augenzeugenbericht eines Beteiligten und einer der wenigen Berichte von Tätern eines Genozids.
Georg Leonhardt Schwarz beschrieb die Tier- und Pflanzenwelt Indonesiens, den Handel mit Menschen, die Hinrichtungen und das Alltagsleben in Batavia. 1740 fuhr er zurück nach Europa und in seinen Geburtsort Beutelsbach. Er heiratete Sophia Magdalena Gsell, die mit ihm sechs Kinder bekam. Schwarz wurde Fassmacher im herzöglichen Weinkeller in Münster bei Stuttgart. Auf eigene Kosten ließ er seinen Bericht drucken. Mit 79 Jahren starb er.
Literatur
Georg Leonhard Schwarz: Georg Bernhardt Schwartzens, Von Beutelspach aus dem Hertzogthum Würtemberg, Hochfürstl. Herren-Kieffers zu Münster bey Cantstatt, Reise in Ost-Indien 1748 Georg Schwarz: Ost-Indische Reise. 2026. Elfverlag Philip Hahn: Between Beutelsbach and Batavia: A Cooper's Career and His Involvement in Colonial Violence, in: Christina Brauner u. a. (Hgg.), Encountering the Global in Early Modern Germany: Microhistories of Mobility, Materiality, and Belonging, Oxford/New York 2025, 45–67. Peter Kirsch: Deutsche Reiseberichte des 17. Jahrhunderts als Quelle für die niederländische Ostindienfahrt" Deutsches Schifffahrtsarchiv, 13, Hamburg 1990 Roelof van Gelder: Das ostindische Abenteuer: Deutsche in Diensten der Ostindischen Kompanie der Niederlande (VOC), 1600–1800, Hamburg 2004
Einzelnachweise
Kategorie:Reiseliteratur Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (18. Jahrhundert) Kategorie:Geboren 1706 Kategorie:Gestorben 1790 Kategorie:Mann