Meron Benvenisti (; geboren am 21. April 1934 in Jerusalem; gestorben am 20. September 2020 ebenda) war ein israelischer Autor und Kommunalpolitiker. Von 1971 bis 1978 war er stellvertretender Bürgermeister von Jerusalem. Bekanntheit erlangte er als Befürworter einer binationalen Ein-Staat-Lösung.
Leben Meron Benvenisti wurde 1934 in Jerusalem geboren. Sein Vater David Benvenisti, geboren in Thessaloniki, wurde 1982 für sein Lebenswerk im Bereich Bildung und Geographie des Landes Israel mit dem Israel-Preis ausgezeichnet. Seine Mutter Leah (geborene Friedman) stammte aus Litauen und war Krankenschwester.
Seinen verpflichtenden Militärdienst absolvierte er in der Nachal-Brigade im Kibbuz Gescher Haziv nahe Israels Grenze zum Libanon. Im Jahr 1955 begann er sein Studium an der Hebräischen Universität Jerusalem in den Fächern Wirtschaft und Mittelalterliche Geschichte, wobei er sich auf die Kreuzfahrerzeit im Heiligen Land spezialisierte.
In den 1960er Jahren leitete er die Abteilung Wirtschaft und Entwicklung im Ministerium für Tourismus Israels. Im Jahr 1965 leitete er Teddy Kolleks ersten Wahlkampf um das Amt des Bürgermeisters von Jerusalem. 1969 wurde Benvenisti in den Stadtrat von Jerusalem gewählt. Von 1971 bis 1978 war er stellvertretender Bürgermeister von Jerusalem und dabei für das illegal von Israel annektierte Ostjerusalem verantwortlich.
Nach seiner politischen Karriere promovierte er an der Harvard Kennedy School der Harvard University zum Thema Konfliktmanagement in Jerusalem und Belfast. Anschließend lehrte er an der Hebräischen Universität, der Ben-Gurion-Universität im Negev und an der Johns Hopkins University. Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter war er unter anderem in Harvard, am Wilson Center und der Hebräischen Universität beschäftigt. Benvenisti gründete 1984 das West Bank Data Project, das Daten über israelische Siedlungsaktivitäten sowie über die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen im besetzten Westjordanland sammelte. Er wandte sich der journalistischen und publizistischen Arbeit zu, schrieb u. a. von 1991 bis 2009 eine Kolumne in der Zeitung Haʾaretz und veröffentlichte mehrere Bücher.
Aus seiner ersten Ehe hatte er einen Sohn, Eyal Benvenisti. Aus seiner zweiten Ehe hatte er zwei weitere Kinder. Meron Benvenisti starb am 20. September 2020 nach langer Krankheit in Jerusalem.
Politische Positionen Benvenisti vertrat bereits frühzeitig die Position, dass die israelische Siedlungspolitik „unumkehrbar“ und die Zweistaatenlösung damit gescheitert sei. 1983 äußerte er: „Innerhalb von 36 Monaten wird das Westjordanland 100.000 jüdische Einwohner haben. Wenn dies eintritt, wird es für jede israelische Regierung unmöglich sein, die Kontrolle abzugeben.“ Eine Annexion der besetzten Gebiete sei dann unausweichlich.
Ein weiterer Grund, warum er eine Zweistaatenlösung für unrealistisch hielt, war die Einschätzung, dass weder Juden noch Palästinenser den Anspruch auf ihr gesamtes Heimatland aufgeben würden. Benvenisti betrachtete stattdessen eine binationale Ein-Staat-Lösung, in der Israelis und Palästinenser sich die Macht teilten und über gleiche Rechte verfügten, als notwendig. Zur Lösung des Konflikts müsse anerkannt werden, „dass es hier zwei Volksgruppen gibt, die dieses Land lieben und deren Aufgabe es ist, den unvermeidlichen Konflikt zwischen ihnen in einen Dialogprozess für das Zusammenleben zu lenken.“
Gegenüber dem Zionismus äußerte er sich 2012 in einem Interview desillusioniert. Der Zionismus habe der Region keinen Fortschritt gebracht und sei seit der Staatsgründung Israels und besonders seit dem Sechstagekrieg 1967 eine „Enteignungs“-Bewegung. Die Idee eines „jüdisch-demokratischen Staates“ sei ein Widerspruch in sich.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Literatur Christian K. Hauck: Wohnungsbau in Jerusalem zwischen Sechs-Tage-Krieg und Camp David. Die Ära Teddy Kollek und Meron Benvenisti 1967-1978. LIT, Münster 2004, ISBN 3-8258-7835-X.
Weblinks
Meron Benveninsti in der Israelischen Nationalbibliothek.
Einzelnachweise
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