mini|Unterer Teil der Schlucht mit dem Denkmal für das Magdeburger Recht Der Kreschtschaty jar (, ), gelegentlich auch Kreschtschatik-Schlucht (урочище Крещатик) oder Heilige Stätte (, ) ist eine Schlucht am rechten Ufer des Dnepr in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Sie gilt als Ort der Taufe der Rus durch Großfürst Wladimir I. In der Schlucht befindet sich das Denkmal für das Magdeburger Recht.

Lage Die Schlucht liegt im Rajon Podil. Sie trennt den Petschersker Hügel im Süden vom MichailshügelDer ursprüngliche Michailshügel wurde durch die Anlage des Wladimirsteiges Anfang des 18. Jahrhunderts verkleinert. Auf dem nördlichen Teil des Hügels entstand Ende des 19. Jahrhunderts der Wladimirpark, aus dem sich die heutige Bezeichnung Wladmirhügel ableitet. im Norden. Dabei verbindet sie heute den Wladimirsteig mit der Uferchaussee. Ursprünglich verlief durch die Schlucht ein gleichnamiger Bach, der in die Potschajna mündete. Dieser Bach ist nicht zu verwechseln mit dem Kreschtschatik-Bach, der entlang des heutigen Chreschtschatyk verläuftDer Kreschtschatik-Bach verläuft seit den 1880er Jahren unterirdisch und ist im Stadtbild nicht mehr zu erkennen.. Die Ufer des Dneprs haben sich durch die ständigen Überschwemmungen in den letzten Jahrhunderten stark verändert, insbesondere ist die lange Sandbank, die die Potschajna vom Dnepr trennte, verschwunden, so dass die Schlucht heute direkt zum Ufer des Dnepr führt.

Durch den Kreschtschaty jar verlief die Alte Petschersker Straße, die das Podol mit der Siedlung auf dem Petschersker Hügel verband. Nach dem Bau des Wladimirsteigs wurde diese Straße nicht mehr benötigt und aufgegeben.

Der Name Kreschtschaty jar wurde erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt. Vom Namen der Schlucht leiten sich mehrere Orts- und Flurnamen im heutigen Kiew ab: die Straße Chreschtschatyk, die Kreschtschtizkaja-Straße im Podol (existierte im 17. Jahrhundert), die Nabereschno-Kreschtschatizkaja-Straße, der Kreschtschatik-Berg als eine der Bezeichnungen für den Michails- bzw. Wladimirhügel, die Kreschtschatizkije gory (Крещатицкие горы) als Bezeichnung für das Steilufer des Dnepr südlich des Kreschtschaty jar an den Zarengärten, den Kreschtschatizki spusk (der bis Mitte des 19. Jahrhunderts entlang des Kreschtschatik-Hügels verlief), das Kreschtschatik-Tor als Teil der Podolsker Befestigungen am Postplatz und den an diesem Tor gelegenen Kreschtschatik-Garten.

Geschichte mini|Taufe der Rus, Darstellung in der Manasses-Chronik Nach Quellen aus dem 17. Jahrhundert (Kijewo-Petscherski paterik, Kiewer Synopsis) taufte Großfürst Wladimir 988 in dem Bach zunächst seine zwölf Söhne und am nächsten Tag alle Einwohner Kiews.Nach deutschsprachigen Quellen soll die Taufe im Dnepr stattgefunden haben. Russische und ukrainische Historiker gehen überwiegend von einer Taufe im genannten Bach aus. Der Ort der Taufe wird indirekt durch Dokumente aus dem 14. Jahrhundert bestätigt, nach denen sie Taufe in der Nähe der späteren Peterskirche stattfand. Es ist bekannt, dass eine Peterskirche Teil des Klosters des Heiligen Dmitri war, welches sich auf der Michailshöhe befand. Dieses Ereignis gilt als Beginn der Christianisierung der Rus.

Der Ort wurde von der Russisch-Orthodoxen Kirche als Taufstätte verehrt. Die Quelle des Bachs wurde eingefasst und über ihr eine kleine Kapelle errichtet, in der unter anderen auch Ikonen der Heiligen Boris und Gleb und Wladimirs I. aufbewahrt wurden. Die Kapelle unterstand der Geburtskirche, deren Geistliche am 2. Mai, dem Gedenktag an Boris und Gleb, und am 15. Juli, dem Gedenktag an Wladimir I, Prozessionen zur Segnung des Brunnenwassers abhielten. Die Kapelle ist auf dem Plan Uschakows aus dem Jahre 1695 als Kreschtschatik (Крещатик) bezeichnet.

Bauwerke mini|Tafel am Denkmal mit der Widmung an Alexander I. Zwischen 1802 und 1802 wurde in der Schlucht ein Denkmal errichtet, das heute als Denkmal für das Magdeburger Recht bekannt ist. Der russische Kaiser Alexander I. hatte 1802 das Magdeburger Recht für Kiew wiederhergestellt. Das diesem Kaiser gewidmete Denkmal sollte sowohl an die Taufe der Rus, als auch an die Wiederherstellung des Magdeburger Rechts erinnern. Die Quelle wurde zugeschüttet und ihr Wasser in ein Becken unterhalb des Denkmals geleitet. Die Ikonen der Kapelle wurden in einen Steinpavillon über dem Becken verlegt, der die frühere Kapelle ersetzte und weiterhin der kirchlichen Jurisdiktion unterstand. Der Kiewer Metropolit Serapion Aleksandrowski verfügte 1804, das jeden Mittwoch in der Pfingstwoche eine Prozession von der Sophienkathedrale zur Segnung des Quellwassers durchzuführen sei. 1861 wurde die Prozession wieder auf den 15. Juli gelegt. Für die Prozessionen, Pilger und Besucher wurde 1883 eine Holztreppe in der Schlucht gebaut. Diese wurde 1915 durch eine Treppe aus Stahlbeton nach einem Entwurf des russischen Architekten Michail Bobrussow ersetzt.

Literatur

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Geschichte Kiews Kategorie:Geographie (Kiew)