Siegfried Dorschel (* 28. Januar 1912 in Hamborn; † Februar 1988 in Duisburg) war ein deutscher Maler, Grafiker und Bildhauer.
Leben Siegfried Dorschel wurde am 28. Januar 1912 in der damals preußischen Stadt Hamborn geboren. Der Vater war bereits als Künstler tätig. Der junge Siegfried wurde nach seinem Abitur an der Folkwang-Schule in Essen ausgebildet. Zwischen 1936 und 1940 besuchte Dorschel die Düsseldorfer Kunstakademie, wo er bei den Professoren Wilhelm Schmurr, Werner Heuser, Max Clarenbach, Wilhelm Herberholz, Otto Coester und Carl Ederer lernte.Bügeleisenhaus Hattingen: Siegfried Dorschel, abgerufen am 8. April 2026. Dorschel war Meisterschüler des Düsseldorfer Professors Julius Paul Junghanns.
Dorschel war einer der ersten angehenden Maler in Düsseldorf, der die neu eingerichteten Landschaftsmalerei-Klassen auf der Wasserburg in Rindern und in Kalkar im Haus Sieben Linden besuchte. Bereits kurz nach dem Ende seiner Ausbildung wurden einzelne Landschaftsmalereien Dorschels als Kunst im Sinne des NS-Regimes auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen in München gezeigt. Viele der Arbeiten wurden allerdings während des Zweiten Weltkriegs zerstört. Erste Einzelausstellungen Dorschels können in den 1950er Jahren nachgewiesen werden.
Der Künstler richtete 1945 ein Atelier in Essen-Kupferdreh ein. 1960 kam er nach Duisburg zurück, wo er 1964 Doris Schlingmann heiratete. Im Jahr 1960 gründete Dorschel mit Frans Masereel und Carlo Schellmann die Künstlergruppe „Tendenzen“. Die Gruppe, die sich der Förderung des Realismus in der Nachkriegszeit verschrieben hatte, gab auch eine Zeitschrift unter dem Namen der Gruppe heraus. Dorschel engagierte sich daneben in der pazifistischen Bewegung, wo er immer wieder mit dem Mülheimer Künstler Otto Pankok zusammenarbeitete.Gisela Luther-Zimmer: Gelebte Nähe. Drei Künstler sehen Heimat (= Zeitlupe 2015). Duisburg 2015. S. 7.
Zuletzt arbeitete Dorschel als Kunsterzieher in einem Mülheimer Gymnasium. Siegfried Dorschel erkrankte bereits Anfang der 1980er Jahre schwer und starb im Februar 1988 in Duisburg.Gisela Luther-Zimmer: Gelebte Nähe. Drei Künstler sehen Heimat (= Zeitlupe 2015). Duisburg 2015. S. 9. Posthum wurden ihm mehrere Ausstellungen gewidmet, so präsentierte man seine Skizzenbücher etwa im Hattinger Museum Bügeleisenhaus oder 2015 im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg.WAZ: Drei Künstler sehen Heimat, abgerufen am 8. April 2026. Seine Darstellung einer Westfälischen Bäuerin ist heute Teil der Sammlungen des Deutschen Historischen Museums Berlin.
Werke (Auswahl) Siegfried Dorschel schuf eine Vielzahl von Gemälden, Zeichnungen, Radierungen und Holzschnitten. Dorschel beschäftigte sich in seinen Arbeiten, die zwischen Realismus und Expressionismus schwanken, vor allem mit den Veränderungen, die die Stadt Duisburg durch die Industrialisierung erlebte. Daneben taucht immer wieder die niederrheinische Landschaft auf. In den 1960er Jahren begann Dorschel auch sozialkritische Elemente in seine Arbeiten einfließen zu lassen, wobei die Marginalisierung des einzelnen Bergarbeiters, der beginnende Strukturwandel und die Automatisierung des Menschen, aber auch soziale Bewegungen nun im Zentrum seiner Arbeiten standen.
Der Schriftsteller Otto Brües schrieb über die graphischen Arbeiten Dorschels 1962: „In diesen knappen Zusammenfassungen weht die Luft unseres Jahrhunderts.“ Neben den untengenannten Ausstellungen war Dorschel auf der Biennale in Rostock und auf der Intergraphik in Ost-Berlin mit Arbeiten vertreten. Ferdinand Oppenberg: Landschaft und Mensch in der Unruhe unserer Zeit. In: Hermann Thelen (Hrsg.): Heimat Duisburg. Jahrbuch 1972 (14. Jhg.). Verlag Hanns Graffmann, Duisburg-Meiderich 1972. S. 88. 1959, B.C. Koekkoek-Haus, Kleve 1962, Städtisches Kunstmuseum, Mönchengladbach 1964, Altes Rathaus, Hattingen 1966, Ruhrlandmuseum, Essen 1967, Sauerland-Museum, Arnsberg 1967, Altes Museum, Berlin, Gemeinschaftsausstellung 1972, Niederrheinisches Museum, Duisburg
Literatur Gisela Luther-Zimmer: Gelebte Nähe. Drei Künstler sehen Heimat (= Zeitlupe 2015). Duisburg 2015. Ferdinand Oppenberg: Der automatisierte Mensch. Zu nebenstehendem Holzschnitt von Siegfried Dorschel. In: Hermann Thelen (Hrsg.): Heimat Duisburg. Jahrbuch 1968 (10. Jhg.). Verlag Hanns Graffmann, Duisburg-Meiderich 1968. S. 12 f. Ferdinand Oppenberg: Landschaft und Mensch in der Unruhe unserer Zeit. In: Hermann Thelen (Hrsg.): Heimat Duisburg. Jahrbuch 1972 (14. Jhg.). Verlag Hanns Graffmann, Duisburg-Meiderich 1972. S. 85–89. Ferdinand Oppenberg: Unruhe im Revier. Der Maler und Grafiker Siegfried Dorschel. In: Hermann Thelen (Hrsg.): Heimat Duisburg. Jahrbuch 1967 (9. Jhg.). Verlag Hanns Graffmann, Duisburg-Meiderich 1967. S. 118 f.
Weblinks Deutsche Digitale Bibliothek: Westfälische Bäuerin, Siegfried Dorschel
Einzelnachweise
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