Der Pferdetransportwagen (später umbenannt in Pferdetransportwagen (Vf. 1) (ab 1919)) war ein vierspännig gefahrenes Pferdefuhrwerk für den Transport verwundeter Zugtiere.

Entwicklung Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war das Veterinärwesen des Heeres nicht auf die Versorgung von vielen verletzten Zugtieren vorbereitet. Beim Rücktransport von verwundeten Tieren in die Heimat kamen diese oftmals zu Tode oder mussten erlöst werden. Aus diesem Grund wurden im Jahr 1915 Pferdelazarette im rückwärtigen Frontgebiet eingerichtet. Damit sollte die Dauer des Transports verringert und die Versorgung der Tiere schneller durchgeführt werden. Bis zum November 1918 stieg die Zahl der eingerichteten Pferdelazarette auf 478 Stück.

In die Pferdelazarette eingegliedert wurden die Pferdesammelstellen. Die Hauptaufgabe dieser Pferdesammelstellen bestand darin, die verletzten Tiere von der Frontlinie zu holen und in die oftmals 20 km entfernten Pferdelazarette zu bringen. Für diese Aufgabe waren sie mit ein bis zwei der seit 1915 eingeführten Pferdetransportwagen ausgerüstet.

Technische Daten Der Pferdetransportwagen war ein vierspännig gefahrenes Pferdefuhrwerk. Er war nach dem verbesserten Protznagelsystem aufgebaut und verfügte über zwei Achsen mit je zwei Holzspeichenrädern. Die Bereifung der Speichenräder bestand aus Eisen. Der Wagen selber verfügte über ein Vordergestell und ein Hintergestell.

Das Vordergestell bestand aus kleinen, unterlaufenden Rädern, dem Lenkkranz, dem Protznagel, den beiden Deichselarmen, der Deichsel, der Hinterbracke und den beiden Ortscheiten.

Das Hintergestell verfügte vorn über einen Auftritt mit Fußbrett sowie einen Sitzkasten mit Arm- und Rückenlehnen. Der Sitzkasten war nach vorn hin aufklappbar und beherbergte die persönliche Ausrüstung des Kutschers sowie Zubehör für den Wagen und die Zugtiere. Auf der rechten Seite des Wagens befand sich eine Kurbel für die Spindelbremse, welche mit den Bremsklötzen die Hinterräder bremste. Der hinter dem Sitzkasten befindliche und hochbordige Wagenkasten verfügte vorn links über eine verriegelbare Klappe. Diese konnte zur Seite hin heruntergeklappt werden und für die Beladung der marschunfähigen Reit-, Zug- und Tragtiere genutzt werden. Auch die hintere Wand konnte abgeklappt werden, um hier ebenfalls die Tiere be- oder entladen zu können. Der gesamte Wagen bestand aus hölzernen Planken, welche mit Eisen verstärkt wurden.

Die ersten Wagen verfügten über keinerlei Federung und hatten einen tiefer liegenden Wagenkasten, Speichenräder ohne Stahlnabe und ohne Speichenschuhe. Auch befand sich nur an der Seite ein Einstieg. Spätere Wagen wurden mit deutlichen Verbesserungen versehen. So wurde, um den Transport für den Kutscher und für die Pferde so angenehm wie möglich zu gestalten, der gesamte Wagen durch fünf Blattfedern gedämpft. Dabei wurden vier Längsfedern und eine Querfeder verbaut. Auch kam die Einstiegsluke hinten dazu. Die Wagen wurden im einheitlichen Feldgrau (RAL 6006) lackiert.

Einsatz Zum Einsatz kamen die Pferdetransportwagen während des Ersten Weltkrieges bei den Pferdesammelstellen zu je ein bis zwei Fahrzeugen. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden die Wagen in der Reichswehr weiter eingesetzt und erhielten die Bezeichnung Pferdetransportwagen (Vf. 1), wobei Vf. für Veterinärfahrzeug steht. Ab dem Jahr 1920 wurden die Pferdelazarette aufgelöst, da man zu dieser Zeit keine größere Notwendigkeit mehr darin sah. Im Jahr 1923 wurden anlässlich der jährlichen großen Kaisermanöver diese Pferdlazarette als Übungspferdelazarette wieder eingeführt und genutzt. Ab dem Jahr 1929 wurden sie wieder offiziell eingeführt.

Auch in der Wehrmacht wurden die Pferdetransportwagen (Vf. 1) weiter eingesetzt. Zur Ausstattung einer Sammelstaffel der Heerespferdelazarette, gemäß der KStN Nr. 1415 vom 1. Oktober 1937, gehörten je zwei vierspännig gefahrene Pferdetransportwagen (Vf. 1). Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges blieben die Gliederung und die Ausstattung der Wagen identisch und erhalten. Eine Änderung fand jedoch bei den Gebirgsveterinärkompanien Einzug. Gemäß der KStN Nr. 1417 vom 1. Oktober 1937, 1. März 1942 und dem 1. Oktober 1944 führten diese Kompanien vier statt nur zwei Fahrzeuge.

Verbleib Bis heute haben nur sehr wenige Pferdetransportwagen (Vf. 1) die Zeit überdauert. So kann man im Museumshof Lensahn eines der wenigen Fahrzeuge nach Absprachen betrachten.

Siehe auch Liste von bespannten Fahrzeugen des Deutschen Heeres im Kaiserreich

Literatur

Einzelnachweise

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