mini|Kaiser Qi Gao Di Qi Gao Di (; * 427; † 11. April 482), persönlicher Name Xiao Daocheng, war der Gründer und von 479 bis 482 der erste Kaiser der Südlichen Qi-Dynastie in China. Er begann eine erfolgreiche Militärkarriere unter der vorhergehenden Früheren Song-Dynastie und wurde schließlich faktischer Machthaber im Song-Reich. 479 entthronte er den letzten Song-Kaiser Shundi und bestieg selbst den Thron. Er förderte u. a. Sparsamkeit am Kaiserhof, ließ seine Verwandten, denen er misstraute, überwachen und ernannte seinen ältesten Sohn Xiao Ze zum Kronprinzen, der ihm 482 als Kaiser Wu Di auf den Thron folgte.
Leben Abstammung und frühes Leben Xiao Daocheng war niedriger Abkunft. Er entstammte einer ursprünglich in Lanling in der Donghai-Region (in der heutigen Provinz Shandong) ansässigen Familie und führte seine Ahnenreihe bis auf den berühmten Kanzler Xiao He (* 257 v. Chr.; † 193 v. Chr.) der Westlichen Han-Dynastie zurück, von dem er in 24. Generation abstammen sollte. Zu Beginn der Östlichen Jin-Dynastie zogen seine Vorfahren weiter südlich nach Nan Lanling (nahe dem heutigen Danyang, Provinz Jiangsu) und dienten während der Jin- und Früheren Song-Dynastie als Beamte niedrigen Rangs. Sein Vater Xiao Chengzhi (* 384; † 447) war Statthalter der Kommandantur Hanzhong und Feldherr in der Armee des Kaisers Song Wendi. Xiao Daocheng selbst studierte konfuzianische Klassiker an der vom Gelehrten Lei Cizong geleiteten kaiserlichen Hochschule in der Hauptstadt Jiankang (nahe dem heutigen Nanjing). Im Alter von 15 Jahren schlug er aber eine militärische Laufbahn ein und stieg rasch in höhere Ränge auf.Emperor Qi Gaodi, in: Chinaknowledge – An Encyclopedia on Chinese History and Literature.
Aufstieg unter der Song-Dynastie Kaiser Song Mingdi (regierte 465–472) ernannte Xiao Daocheng zum General der Rechten Armee. Xiao Daocheng unternahm einen Feldzug gegen das Reich Qiuchi und stieß bis zu 80 Li vor die Stadt Chang’an (nahe des heutigen Xi’an, Shaanxi) vor. Er wurde zum Oberbefehlshaber der Garnisonen von Guji (heute Shaoxing, Zhejiang) und Huaiyin (heute Huai’an, Jiangsu) und später zum Regionalinspektor der Provinz Nan-Yanzhou ernannt. Damals war die Song-Dynastie bereits durch interne blutige Fehden, welche die kaiserlichen Prinzen gegeneinander führten, sehr geschwächt. Als der Prinz Liu Xiufan, Statthalter der Provinz Jiang (heute Jiangxi und Fujian), 474 gegen seinen Neffen, Kaiser Song Houfeidi (regierte 472–477), rebellierte und mit seinen Truppen gegen Jiankang marschierte, organisierte Xiao Daocheng die letztlich erfolgreiche Verteidigung der Hauptstadt. Liu Xiufan wurde ermordet. Für seine Verdienste erhielt Xiao Daocheng das Oberkommando über die kaiserliche Garde und leitete nun zusammen mit Yuan Can, Chu Yuan und Liu Bing (bekannt als die „vier Adligen“) faktisch die Regierungsgeschäfte. Die tatsächliche Macht am Hof konzentrierte sich immer mehr in den Händen von Xiao Daocheng.
Der jugendliche Kaiser empfand das Prestige und die Machtfülle des Generals als bedrohlich und beschloss dessen Ermordung. Xiao Daocheng kam Houfeidi aber zuvor, ließ ihn im August 477 durch dessen Diener Yang Yufu umbringen und setzte Houfeidis achtjährigen Bruder Liu Zhun auf den Thron, der als Kaiser den postumen Namen Song Shundi erhielt. In der Folge wurde Xiao Daocheng von Shundi zum Aufseher des kaiserlichen Sekretariats sowie zum Herzog der Kommandantur Jingling ernannt und erhielt die oberste Leitung aller staatlichen und militärischen Angelegenheiten. Der Feldherr Shen Youzhi, Statthalter der Provinz Jing (im heutigen Hubei), beschuldigte Xiao Daocheng, den Thron usurpieren zu wollen und unternahm im Jahr 478 einen Aufstandsversuch. Auch Yuan Can und andere einflussreiche Männer erhoben sich. Xiao Daocheng verhängte das Kriegsrecht und warf in einem von ihm persönlich geleiteten Feldzug die Rebellen nieder. Er wurde weiter befördert, so u. a. zum Großmentor (Taifu, einem der drei höchsten Ämter der Zentralregierung nach dem Kaiser) und zum Fürsten von Qi erhoben; auch wurden ihm die Neun Ehrenzeichen verliehen. Im Mai 479 zwang er Kaiser Shundi zur Abdankung, gründete die Südliche Qi-Dynastie und rief sich zu deren erstem Kaiser aus. Einen Monat später ließ er Shundi ermorden. Als Kaiser erhielt er den postumen Namen Qi Gao Di.
Kaiser Xiao Daocheng misstraute den mächtigen Adelsgeschlechtern und den Mitgliedern seines Clans. Er übertrug seinen Verwandten Militärkommandos in den Provinzen mit relativ geringer realer Macht und ließ die Prinzen durch Beamte niedriger Herkunft in den ihnen zur Verwaltung anvertrauten Gebieten überwachen, um frühzeitig etwaige Aufstandsversuche, die sie planten, in Erfahrung zu bringen.David A. Graff: Medieval Chinese Warfare, 300-900, 2002, S. 88. Zudem verbot er den Prinzen, illegal Land in den Hügelregionen zu roden und Sümpfe trockenzulegen. Die Militärbefehlshaber durften auf seine Anordnung keine Privattruppen rekrutieren. Der Kaiser verschrieb sich dem Kampf gegen übermäßigen Luxus bei Hof und entsandte regelmäßig Gesandte zur Überwachung der regionalen Statthalter, reduzierte oder erließ die Steuerrückstände des einfachen Volks und milderte die Härte mancher Strafen. 480 beauftragte er Yu Wanzhi mit der Durchführung einer Volkszählung, wobei zahlreiche Fälschungen der dem Steuerwesen als Grundlage dienenden Bevölkerungsregister festgestellt wurden. In der Folge wurden derartige Vergehen streng bestraft. Xiao Daocheng befahl auch die Errichtung einer Mauer um die Hauptstadt Jiankang. Seine Truppen errangen 481 einen Sieg gegen ein Heer der Nördlichen Wei nördlich des Huai He. Am 11. April 482 starb Xiao Daocheng nach dreijähriger Regierung im Alter von 55 Jahren und wurde im Tai'an-Mausoleum (im heutigen Danyang, Jiangsu) beigesetzt. Ihm folgte sein ältester Sohn Xiao Ze als Kaiser Wu Di.
Literatur Andrew Chittick: The Southern Dynasties, in: Albert E. Dien und Keith N. Knapp (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 2: The Six dynasties, 220-589, Cambridge University Press, Cambridge 2019, ISBN 978-1-107-02077-1, S. 237–272. Victor Cunrui Xiong: Historical Dictionary of Medieval China, Teil der Reihe Historical dictionaries of ancient civilizations and historical eras, Scarecrow Press, Lan-ham 2009, 731 p., ISBN 978-0-8108-6053-7. Jacques Gernet: Die chinesische Welt. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988 (französische Originalausgabe Paris 1972), ISBN 3-518-38005-2, S. 157 f. David A. Graff: Medieval Chinese Warfare, 300-900, Routledge, London und New York 2002.
Weblinks Emperor Qi Gaodi, in: Chinaknowledge – An Encyclopedia on Chinese History and Literature.
Anmerkungen
Kategorie:Kaiser (China) Kategorie:Herrscher (5. Jahrhundert) Kategorie:Geboren 427 Kategorie:Gestorben 482 Kategorie:Mann