Johannes Loersfeld (auch Loersfelt oder Loersfeldt) war ein im 16. Jahrhundert lebender Drucker reformatorischer Werke. Seine genauen Lebensdaten sind nicht bekannt, aber seine Tätigkeit in Erfurt und Marburg von 1523 bis 1528 ist belegt.
Frühe Zeit Als Geselle oder als Setzer war Loersfeld vermutlich in Halberstadt unter dem Ratsherr und mutmaßlichen Geldgeber Ludwig Trutebul bei dem Drucker Lorenz Stuchs tätig.Martin von Hase: Bibliographie der Erfurter Drucke von 1501-1550, Wiesbaden 1966. ISBN 978-9-004-61700-1, S. 216ff. Sein Beiname „Paryser“ oder „Pariser“, den er nicht ohne Stolz mehrfach selber in seinen Drucken verwendete, weist darauf hin, dass er zeitweilig in Paris gelebt und gearbeitet haben muss.Christoph Reske: Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet. Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen, Band 51. Harrassowitz 2007, ISBN 978-3-447-05450-8, S. 204Gustav Könnecke: Hessisches Buchdruckerbuch. Elwertsche Verlagshandlung Marburg 1894, S. 216ff. Wilfried Ehbrecht (Hrsg.): Der weite Blick des Historikers: Einsichten in Kultur-, Landes- und Stadtgeschichte. Peter Johanek zum 65. Geburtstag. Böhlau, 2002. ISBN 978-3-412-07602-3, S. 146
Erfurter Zeit Von 1523 bis 1527 war Loersfeld in Erfurt tätig. Hier übernahm er das Typenmaterial aus der Druckerei von Stuchs/Trutebul und hatte seine Druckerei im Haus „Zum Färbefaß“ in der Permentergasse (heute Pergamentergasse 15).Stephan Füssel: "Nicht Wort zu Wort, sondern Sinn zu Sinn". In: Stefan Oehmig, Stefan Rhein (Hrsg.): Wittenberger Bibeln der Reformationszeit. Evangelische Verlagsanstalt 2022, ISBN 978-3-374-06883-8, S. 17, Anm. 21.
Aus seiner Erfurter Zeit sind 143 Drucke bekannt, darunter auch niederdeutsche. Hier entstand auch eines seiner Hauptwerke, das Erfurter Enchiridion.
Aus seiner Erfurter Druckerei gingen nach seinem Weggang einige Materialien an andere Drucker, darunter Conrad Treffer, der bei Loersfeld als Setzer gearbeitet zu haben scheint.
Marburger Zeit Im Jahr 1527 wurde in Marburg die Philipps-Universität gegründet. Vermutlich ließ der Landgraf in diesem Kontext durch einen Beauftragten – Lambert von Avignon oder Hermann Buschius –Arrey von Dommer: Die aeltesten Drucke aus Marburg in Hessen, 1527-1566. Elwert 1892, S. 3 (PDF) nach einem geeigneten Drucker suchen, der bereit war, sich in Marburg anzusiedeln. So ließ Loersfeld sich dort nieder und war dort vom Zeitpunkt der Universitätsgründung bis 1528 tätig.Jürgen Wolf: 1527: Aus dem finstren Mittelalter in die Welt der Moderne: Marburg findet Buch und Buchdruck. Auf: studierendengeschichte.de, abgerufen am 6. April 2026.Barbara Bauer: Melanchthon und die Marburger Professoren: (1527-1627); Katalog und Aufsätze, Band 1. Universitäts-Bibliothek, 2000, ISBN 978-3-8185-0298-0, S. 229 Er war somit der erste in Marburg tätige Buchdrucker.Wilhelm Kolbe: Die Einführung der Reformation in Marburg. Elwertsche Universitäts-Buchhandlung 1871, S. 11
Aus dieser Zeit sind von ihm neun Drucke bekannt, darunter eine Schrift des Dichters und Mediziners Euricius Cordus und ein Nachdruck der in Wittenberg erstmals erschienenen Feldpostille Martin Luthers. Auch Luthers Taufbüchlein druckte er in dieser Zeit.Christoph Reske: Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet. Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen, Band 51. Harrassowitz 2007, ISBN 978-3-447-05450-8, S. 602
Loersfeld galt als geschäftstüchtiger und guter Drucker, aber herausragende Fähigkeiten oder eigenständige Originalität können ihm nicht bescheinigt werden. Die meisten seiner Drucke waren Nachdrucke bereits vorhandener Werke von Luther oder Melanchthon.
Aus Loersfelds Druckerei ging einiges an seinen Nachfolger Franciscus Rohde. Über den Verbleib Loersfelds nach seiner Marburger Zeit ist nichts bekannt. Ebensowenig bekannt ist der Grund für seinen recht kurzen Aufenthalt in Marburg. Jürgen Wolf mutmaßt, dass Loersfeld die in ihn gesetzten Erwartungen möglicherweise doch nicht erfüllt haben könnte, Martin von Hase nimmt an, dass er schlicht gestorben ist.
Das Erfurter Enchiridion mini|Gott sei gelobet und gebenedeiet im Druck von Johannes Loersfeld. Erfurter Enchiridion (1524)
Über den Druck dieses Werkes scheint Loersfeld sich einen Wettstreit mit seinem Konkurrenten Mathes Maler geliefert zu haben; die erhaltenen Drucke beider weisen Anzeichen hastiger Arbeit auf. Nach Einschätzung von Konrad Ameln hatte der alteingesessene Maler sich vermutlich widerrechtlich einen Korrekturabzug oder ein Manuskript des Neuankömmlings Loersfeld besorgt. Beide Drucke erschienen am Ende fast zeitgleich.Robin A. Leaver: A New Song We Now Begin. Fortress Press 2024, ISBN 978-1-506-48745-8, S. 52. Die Arbeit Loersfelds war jedoch sorgfältiger insbesondere im Bereich der Notierung.Konrad Ameln, Christhard Mahrenholz, Karl Ferdinand Müller: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie, Band 12. Stauda 1968 S. 122ff.Wim Kloppenburg: Das Erfurter Enchiridion in Dublin. In: Jörg Neijenhuis, Eckart David Schmidt et al.: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie 2025. Vandenhoeck & Ruprecht 2025, ISBN 978-3-647-50247-2. S. 131
Fälschungen Für Leipziger Drucker, die sich seit 1518 stark auf den Druck reformatorischer Schriften spezialisiert hatten, wurde dies im Zuge der gegenreformatorischen Maßnahmen von Herzog Georg dem Bärtigen zu gefährlich, so dass manche sich entschieden, mit falschen Angaben zu drucken. So nutzte der Dresdner Drucker Valentin Schumann 1527 ein fingiertes Impressum „Erfurt: Johannes Loersfeld“ für den Druck einer niederdeutschen Ausgabe von Luthers Enchiridion geistliker Gesenge vnd psalmen.Thomas Fuchs: Verbot und Angebot. In: Stefan Oehmig, Stefan Rhein (Hrsg.): Wittenberger Bibeln der Reformationszeit. Evangelische Verlagsanstalt 2022, ISBN 978-3-374-06883-8, S. 74
Allerdings war Loersfeld wohl nicht nur Opfer von Fälschungen, sondern selber auch daran beteiligt. Aus seiner Erfurter Zeit sind sechs Fälschungen aus seiner Druckwerkstatt bekannt.Drew B. Thomas: Provenance and Deception: Tracking Counterfeit Luther Pamphlets in Wittenberg (PDF). Taylor & Francis Online, Online-Publikation vom 27.06.2025, S. 5 Zwei Drittel seiner Luther-Ausgaben tragen ein gefälschtes Wittenberger Impressum, allerdings gibt sich Loersfeld in etlichen davon im Kolophon zu erkennen. Insbesondere bei größeren Werken wie etwa einer Ausgabe von Luthers Übersetzung des Neuen Testaments wollte er offensichtlich auf die Anerkennung für seine Arbeit nicht verzichten.Drew B. Thomas: The Industry of Evangelism: Printing for the Reformation in Martin Luther’s Wittenberg. Library of the Written Word - The Handpress World Bd. 96. Brill 2021, ISBN 978-9-004-46242-7, S. 150
Literatur Arrey von Dommer: Die aeltesten Drucke aus Marburg in Hessen, 1527-1566. Elwert 1892, S. 1–4 (PDF) Rudolf Schmidt: Loersfeld, Johann. In: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 4. Berlin/Eberswalde 1907, S. 642f.
Weblinks
Verzeichnis seiner Druckwerke im Katalog der Universität Heidelberg Verzeichnis seiner plattdeutschen Druckwerke auf plattmakers.de
Einzelnachweise
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