+ Anzahl von Menschen mit Albinismus in Ruanda (Zensus 2022) Wo Gesamt Stadt LandRuanda 1864 480 1384 Kigali 11,1 % 35,8 %2,5 % Nordprovinz 15,3 % 9,4 %17,4 % Ostprovinz 25,9 % 19,0 %28,3 %Südprovinz21,9 %12,1 %25,4 %Westprovinz25,8 %23,8 %26,4 %

Menschen mit Albinismus in Ruanda werden seit der Volkszählung des National Institute of Statistics of Rwanda (NISR) aus dem Jahr 2022 in Ruanda statistisch erfasst. Insgesamt wurden 1864 Menschen mit Albinismus im Alter von mindestens fünf Jahren gezählt, die etwa 0,016 % der Gesamtbevölkerung bzw. 1 in 6190 Menschen entsprechen. Für ihre Rechte setzt sich insbesondere der im Juli 2013 gegründete nationale Behindertenverband Organization for the Integration and Promotion of People with Albinism (OIPPA, deutsch „Organisation zur Integration und Förderung von Menschen mit Albinismus“) ein.

Hintergrund Albinismus ist eine genetische Erkrankung, die durch eine verminderte Melaninproduktion gekennzeichnet ist. Die Zahl der Menschen mit Albinismus in Subsahara-Afrika liegt laut der World Health Organization zwischen 1 in 5000 und 1 in 15.000 Menschen. Durch die fehlende Melaninbildung in Haut und Augen haben sie ein erhöhtes Risiko an Hautkrebs zu erkranken oder Sehbehinderungen zu bekommen. Durch erhöhte Sonneneinstrahlung ist das Risiko zudem für Menschen mit Albinismus in Afrika höher. Zudem arbeiten sie häufig im Freien und haben häufiger keinen ausreichenden Zugang zu Sonnenschutzmitteln, Früherkennungs- und Behandlungsmethoden. Hautkrebserkrankungen treten unter ihnen einigen Schätzungen nach im Allgemeinen bis zu viermal häufiger auf als in anderen Weltregionen, jedoch mit starken regionalen Unterschieden.

Zensus 2022 In der fünften Volkszählung des National Institute of Statistics of Rwanda (NISR) aus dem Jahr 2022 wurden erstmals Menschen mit Albinismus als eigene Kategorie statistisch erfasst. Insgesamt wurden für Ruanda dabei 1864 Menschen im Alter von mindestens fünf Jahren mit Albinismus gezählt, davon leben 480 im städtischen und 1384 im ländlichen Raum. Mit einer Gesamtbevölkerung von zum selben Zeitpunkt 11.537.934 Menschen im Alter von mindestens fünf Jahren liegt der Bevölkerungsanteil von Menschen mit Albinismus in Ruanda somit bei etwa 0,016 % bzw. tritt Albinismus bei 1 in 6190 Menschen auf. Zudem wurde die räumliche Verteilung nach Provinz erfasst sowie unter anderem das Bildungsniveau und die Anzahl an Menschen mit Mehrfachbehinderungen. Bei Letzteren dominieren sehbehinderte Menschen mit Albinismus.

+ Menschen mit Albinismus in Ruanda (mind. 5 Jahre) nach Schulbildung und Mehrfachbehinderung (Zensus 2022)SchulbildungMehrfachbehinderte Menschen mit AlbinismusBildungsniveau%Mehrfachbehinderung Gesamt Männer FrauenKeine Schule besucht23,7Sehen 223 109 114Kindergarten1,4Hören 10 5 5Grundschule56,3Mobilität 38 20 18INGOBOKA/Berufsausbildung0,9Kommunikation 6 3 3Untere Sekundarstufe8,1Kognition 14 7 7Obere Sekundarstufe6,3Selbstfürsorge 7 4 3Universität3,3Kleinwuchs 14 10 4Summe 100Summe 312 158 154

Soziale und rechtliche Lage

Menschen mit Albinismus sind in Ruanda im Alltag sozialen Stigmata und Diskriminierung ausgesetzt. So gilt Albinismus als schlechtes Omen, was für Betroffene gesellschaftliche und familiäre Ausgrenzung bedeuten oder sogar zu ihrer Verletzung oder Tötung führen kann. Frauen mit Albinismus werden außerdem häufiger Opfer von Vergewaltigungen, da teilweise geglaubt wird, dass durch Geschlechtsverkehr mit ihnen HIV/AIDS geheilt würde. Für Menschen mit Albinismus in Ruanda ist zudem der Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt erschwert, sodass sie ein insgesamt sehr niedriges Bildungsniveau und eine hohe Analphabetenrate aufweisen und verstärkt von Armut betroffen sind.

Die Diskriminierung von Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung ist in Ruanda gesetzlich verboten. In der Verfassung der Republik Ruanda, den vorhandenen Gesetzen und Richtlinien wie insbesondere dem Behindertengesetz Nr. 01/2007 und dem nationalen Strategieplan des (MINALOC) aus dem Jahr 2021 wird jedoch Albinismus nicht explizit erwähnt.

Gesundheitsversorgung Menschen mit Albinismus erhalten seit 2020 eine Subventionierung von Sonnencreme durch gesetzliche Krankenkassen. Die Sonnenschutzmittel sind jedoch nur an Gesundheitszentren für registrierte Personen erhältlich, sodass von Betroffenen ein nicht ausreichender Zugang kritisiert wird. Die Anzahl der Hautkrebserkrankungen unter Menschen mit Albinismus in Ruanda ist nicht bekannt.

In der Populärkultur Menschen mit Albinismus in Ruanda sind beispielsweise Thema des Kurzfilms A Place for Myself von Marie-Clémentine Dusabejambo aus dem Jahr 2016, der von einem ruandischen Mädchen mit Albinismus handelt, das in seiner Schule Diskriminierung ausgesetzt ist. Auf dem Zanzibar International Film Festival erhielt der Film unter anderem den Golden Dhow Award für den besten Kurzfilm (ZIFF Award 2016 Best Short Film).

Weiterführende Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Behinderung (Ruanda) Ruanda