Der Jüdische Friedhof in Seelow ist ein Begräbnisort im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg, der bis 1940 belegt wurde.

Beschreibung Der Friedhof in Seelow liegt an der Hinterstraße in der Nähe des städtischen Busbahnhofes. Das längliche Grundstück ist durch einen verrosteten Metallzaun mit einem großen Doppeltor sowie am hinteren Ende durch eine teilverputzte Mauer mit Pfeilern eingefasst. Die 500 Quadratmeter große Fläche ist mit Schotter aufgefüllt und an den Rändern großflächig mit Gebüsch bewachsen. Es sind keine Grabsteine auf dem Areal erhalten.

Geschichte Um das Jahr 1800 errichteten die jüdischen Familien in Seelow auf einem gekauften Stück Land einen Friedhof, auf dem zwischen 1800 und 1876 insgesamt 80 Bestattungen stattfanden. Weitere 34 lassen sich für die Zeit von 1876 bis 1940 nachweisen. Mit sinkender Mitgliederzahl durch Abwanderung übergab die jüdische Gemeinde in Seelow 1909 ihren Friedhof in städtische Verwaltung und verkaufte in den frühen 1930er Jahren auch ihre Synagoge. Zur Zeit des Nationalsozialismus war die ehemalige Friedhofsmauer nur noch an der Nordseite des Friedhofs erhalten. Nur der vordere Teil des Geländes mit einer Größe von etwa 40 × 14 Meter war zugänglich, der Rest war zugewachsen. Während der Novemberpogrome 1938 wurde jüdisches Wohneigentum zerstört und der Friedhof mit etwa zwanzig noch vorhandenen Grabsteinen geschändet. Die letzte Beisetzung erfolgte Ende 1940. Ende 1942 waren die restlichen in Seelow lebenden Juden geflüchtet oder in Konzentrationslager oder Ghettos deportiert worden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Friedhof bei der Schlacht um die Seelower Höhen weiter zerstört.

Im Jahr 1949 war der Friedhof eingeebnet und wurde als Ackerland zweckentfremdet. Obwohl der Rat einer Restaurierung des Friedhofs zustimmte, wurde diese nie umgesetzt und das Gelände verwilderte in den folgenden Jahren immer mehr. Die letzten bis in die frühen 1950er Jahre an der Friedhofsmauer vorhandenen Grabsteine wurden beseitigt und vermutlich in einen kleinen Teich in einem Bereich südlich des Friedhofs geworfen. 1967 ging das Areal in öffentliches Eigentum über, wurde asphaltiert und als überdachter Firmenparkplatz genutzt. In der folgenden Zeit wurden Friedhofsflächen mit Stützmauern und Treppen am Haupteingang einer inzwischen entstandenen Tischlerei und eines Verwaltungsgebäudes überbaut.

Gedenken Der Grabstein von Ernestine/Esther Levy, die im März 1870 beigesetzt worden war, wurde im Jahr 2000 beim Abriss des an das Friedhofsgelände angrenzende Gebäude entdeckt und wird seitdem im Bahnhofsmuseum Seelow / Gusow ausgestellt. 2023 entfernte die Stadt den Asphalt, damit das Gelände nicht mehr als Parkplatz genutzt wird.

Im Jahr 2006 kam erstmals ein Nachkomme der früher im Ort ansässigen jüdischen Familie Philippsborn nach Seelow. Bryan Wood, Urenkel von Max Phillippsborn, setzte sich dafür ein, ein Denkmal oder eine Gedenktafel zur Erinnerung an den jüdischen Friedhof zu schaffen. Im März 2024 brachten Nachkommen der auf dem Friedhof Bestatteten ein Banner mit den Namen von 115 Juden an, die zwischen 1800 und 1940 beigesetzt wurden. Benjamin Wood legte dem Seelower Stadtrat mehrere Entwürfe vor, um den Friedhof als jüdischen Gedenkpark zu gestalten. Im April 2024 genehmigte der Stadtrat Pläne zur Gestaltung der neuen Gedenkstätte mit einer Gedenktafel und Kenntlichmachung der ursprünglichen Einfriedung, die Umsetzung steht noch aus.

Einzelnachweise Seelow (MOL). In: Alemannia Judaica. Abgerufen am 6. April 2026

Jüdischer Friedhof Seelow. In: jewish-places.de. Abgerufen am 6. April 2026

Sabine Franke, Michael Schimmel, Benjamin Wood: Jüdischer Friedhof in Seelow. In: Jüdische Friedhöfe in Brandenburg, Universität Potsdam. Abgerufen am 6. April 2026

Anke Geißler-Grünberg: Anlage des Jüdischen Friedhofs in Seelow. In: Jüdische Friedhöfe in Brandenburg, Universität Potsdam. Abgerufen am 6. April 2026

Sabine Franke, Michael Schimmel, Benjamin Wood: Geschichte des Jüdischen Friedhofs in Seelow. In: Jüdische Friedhöfe in Brandenburg, Universität Potsdam. Abgerufen am 6. April 2026

Sabine Franke, Michael Schimmel, Benjamin Wood: Geschichte der Juden in Seelo. In: Jüdische Friedhöfe in Brandenburg, Universität Potsdam. Abgerufen am 6. April 2026

Benjamin Max Wood: Konzeptvorschlag für den Jüdischen Friedhof Seelow. In: Projekte Jüdische Friedhöfe, Universität Potsdam. Abgerufen am 6. April 2026

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