Desider Rothstein (auch Dezső Rothstein; geb. 15. November 1896 in Ružomberok, Österreich-Ungarn;Jüdisches Geburtsregister Ružomberok (Rózsahegy), Eintrag Nr. 331/1896 (via FamilySearch). gest. am 26. Dezember 1944 im Konzentrationslager Dachau) war ein tschechoslowakischer Opernsänger (Lyrischer Tenor) und Kantor. Er wirkte an deutschsprachigen Bühnen der Zwischenkriegszeit und wurde ein Opfer des Holocaust.

Leben und künstlerischer Werdegang Desider Rothstein entstammte einer musikalischen Familie. Sein Vater Adolf Rothstein war ebenfalls als Kantor tätig.Egyenlőség - Ungarisch-jüdische Wochenzeitung, 1. Januar 1905, S. 11Egyenlőség - Ungarisch-jüdische Wochenzeitung, 22. August 1908, S. 10Egyenlőség - Ungarisch-jüdische Wochenzeitung, 17. Oktober 1925, S. 16Egyenlőség - Ungarisch-jüdische Wochenzeitung, 29. Juni 1929, S. 11Grenzbote - Deutschsprachige Zeitung in Bratislava (Preßburg), 31. Mai 1932, S. 3Siehe Abbildung des Grabsteins von Adolf Rothstein auf dem jüdischen Friedhof in Lučenec (Wikimedia Commons). Seine Mutter war Kornelia, geb. Weisz. Seine Geburt ist im Geburtsregister der jüdischen Gemeinde von Ružomberok verzeichnet.archiviert bei FamilySearch In seiner Familie gab es mehrere Kantoren: darunter sein Schwager Moric Heilbraun in ČadcaVolkszählungsbogen Tschechoslowakei 1930, 138/251, Palarikova-Straße, ČadcaJournal Of Synagogue Music Band 36, Herbst 2011, , S. 167. sowie sein Neffe, spätere Kantor in Prag, Ladislav Blum.CD und DVD The Forgotten Voice Of The Jeruzalemska Synagogue in Prague

Er studierte Operngesang an der Deutschen Musikakademie in Prag bei Konrad Wallerstein,Konrad Wallerstein (1879–1944): Meine Lebenserinnerungen, ein Familienbild (1942). Herausgegeben von Melina Paetzold. Hochschule für Musik und Theater, Zentrum für Verfemte Musik, Rostock 2017; doi:10.18453/rosdok_id00000153. der selbst Kantor und Sohn eines Kantors war.Veronika Seidlová - Unter David's Harfe Sein künstlerischer Weg führte ihn über verschiedene deutschsprachige Bühnen.

Von 1920 bis 1923 hatte er ein Engagement am Neuen deutschen Theater in Prag unter der Leitung von Alexander von Zemlinsky, Paul Pella und Heinrich Jalowetz. Obwohl er offiziell als Chormitglied geführt wurde, übernahm er bereits während seines Studiums regelmäßig kleinere Rollen.Deutsches Bühnenjahrbuch 1921, S. 566Deutsches Bühnenjahrbuch 1922, S. 585 Von 1923 bis 1924 war er Lyrischer Tenor am Stadttheater NeisseDeutsches Bühnenjahrbuch 1924, S. 343. In dieser Zeit gab er auch Liederabende in Preßburg mit seiner Nichte, der jungen Pianistin Martha Grünwald, bei denen er Werke von Tchaikowsky, Schumann, Brahms, Wolf, Dvořák oder Smetana interpretierte.Preßburger Zeitung, 6. Januar 1924, S. 5, 12. Januar 1924, S. 5, 13. Januar 1924, S. 9, 25. Januar 1924, S. 4, 13. Februar 1926, S. 5Grenzbote, 15. Januar 1924, S. 4, 16. Januar 1924, S. 4, 20. Januar 1924, S. 7, 24. Januar 1924, S. 4, 7. Februar 1926, S. 4, 13. Februar 1926, S. 5, 25. Februar 1926, S. 5 Zwischen 1924 und 1927 wirkte er als Zweiter lyrischer Tenor am Stadttheater Magdeburg.Deutsches Bühnenjahrbuch 1925, S. 400Deutsches Bühnenjahrbuch 1926, S. 444Deutsches Bühnenjahrbuch 1927, S. 458 1928–1930 war er am Stadttheater Rostock engagiertDeutsches Bühnenjahrbuch 1928, S. 541Deutsches Bühnenjahrbuch 1929, S. 583Deutsches Bühnenjahrbuch 1930, S. 597, in 1931 immer noch "dem Orts-Verband Rostock I. angeschlossen."Deutsches Bühnenjahrbuch 1931, S. 864mini|Die Mitglieder der Oper und Operette am Rostocker Stadttheater (1929) © Carl Eggers (1877–1953)

Ab 1932 war Rothstein Oberkantor an der Großen Synagoge in Teplitz-Schönau (Teplice) - der größten Synagoge in Böhmen. Hier trat er auch als Solist in Uraufführungen zeitgenössischer geistlicher Werke auf, etwa unter der Leitung des Kapellmeisters und Komponisten Hugo Landesmann.Friedrich Weihs: Aus Geschichte und Leben der Teplitzer Judengemeinde 1782–1932. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn 1932, S. 82, 83, 91. Der ehemalige Rabbiner der jüdischen Gemeinde Teplitz-Schönau Friedrich Mordechai Weiss schreibt in seinen Erinnerungen auch: „Ich hoerte den suessen Tenor unseres Chasan Rothstein, die liebgewordenen Stimmen unserer geschulten Saengerinnen, …“Zeitzeugenbericht von Friedrich Mordechai Weiss – Erinnerungen aus den letzten Jahren meiner Amtszeit in Teplitz-Schoenau (Hitler ante portas), geschrieben zwischen 1945 und 1951, S. 27 und „Hatten schon am Rosch Haschanah die Erinnerung an meinen Tempel und meine Gemeinde das wehmutvolle Gedenken an den begeisterten Scheliach zibbur Eugen Dawison in frueheren Jahren, und den jungen Nachfolger, Deszoe Rothstein, den herrlichen Tenor, mich maechtig ergriffen, so lebte die Erinnerung an unseren Gottesdienst in mir jetzt vor Jim Kippur noch erregender auf. Welch echte Andacht war das! Wie war der Gottesdienst so ergreifend und erhebend, so beruhigend und befreiend; da wurde man der Liebe und verzeihenden Gnade Gottes sich bewusst. Da waren Hingebung und Schoenheit harmonisch im Gebet und Gesang verbunden.“Zeitzeugenbericht von Friedrich Mordechai Weiss – Erinnerungen aus den letzten Jahren meiner Amtszeit in Teplitz-Schoenau (Hitler ante portas), geschrieben zwischen 1945 und 1951, S. 28

Im März 1937 wirkte er in New York an der hebräischen Erstaufführung von Mendelssohns Oratorium Elias mit (Tenorpart), geleitet von Erich Wachtel.Elijah in Hebrew. In: Musical Courier. New York, 6. März 1937, S. 36.

Vermutlich Ende der 1930er Jahre siedelte Rothstein nach Ungarn über, wo er in Esztergom (Gran) ebenfalls das Amt des Oberkantors bekleidete.

Verfolgung und Tod Nach der deutschen Besetzung Ungarns im Jahr 1944 wurde er deportiert. Dokumente der Gedenkstätte Yad Vashem belegen, dass Desider Rothstein im Dezember 1944 im Konzentrationslager Dachau ermordet wurde. Eine Gedenktafel für die Opfer der Judenverfolgung mit der Namensliste der Verstorbenen auf dem jüdischen Friedhof in Esztergom in der Petőfi-Straße erinnert heute unter anderen auch an ihnSiehe Abbildung der Gedenktafel für Rothstein Dezső in Esztergom (Wikimedia Commons). und seine EhefrauSiehe Abbildung der Gedenktafel für Rothstein Dezsőné in Esztergom (Wikimedia Commons). als Opfer des Holocaust.

Repertoire (Auswahl) Ruiz in Il trovatore (G. Verdi) Erster Edler in Lohengrin (R. Wagner) Vierter Knappe in Parsifal (R. Wagner) Zweiter Nazarener in Salome (R. Strauss) Ein Liebhaber in Il tabarro (G. Puccini) Geharnischter in Die Zauberflöte (W. A. Mozart) Erster Gefangener in Fidelio (L. van Beethoven)

Einzelnachweise

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