Claus Franz Vogelmeier (* 9. Januar 1956) ist ein deutscher Internist und Pneumologe, der nach seiner Promotion an der LMU München (1984) und ärztlicher und wissenschaftlicher Tätigkeit am Klinikum Großhadern von 2001 bis 2025 als Direktor der Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie am Universitätsklinikum Marburg tätig war. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), zu der er als Vorsitzender des Science Committee der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) sowie als Leiter der deutschen Kohortenstudie COSYCONET international anerkannte Beiträge geleistet hat. In der deutschen Wissenschaftsorganisation übernahm er führende Positionen in der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und der Deutschen Lungenstiftung und wurde 2025 mit der Leopold-Lichtwitz-Medaille ausgezeichnet.

Ausbildung und frühe Laufbahn Claus Franz Vogelmeier erhielt 1982 seine Approbation als Arzt und wurde 1984 an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) promoviert. Vogelmeier ist verheiratet mit der Ärztin Maria Vogelmeier (geb. Schormair). Das Paar hat drei Kinder.

Seine klinische und wissenschaftliche Laufbahn begann Vogelmeier im Januar 1984 als Assistenzarzt an der Medizinischen Klinik I des Klinikums Großhadern der LMU München, wo er bis Oktober 1987 und erneut von Dezember 1989 bis Juli 1994 tätig war. Zwischen November 1987 und November 1989 absolvierte er einen durch ein Ausbildungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsaufenthalt am Pulmonary Branch der National Heart, Lung, and Blood Institute (NHLBI) der National Institutes of Health (NIH) in Bethesda, Maryland, unter der Leitung von Ronald G. Crystal. Im Juni 1994 habilitierte er sich im Fach Innere Medizin an der LMU München.

Die Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin erhielt Vogelmeier am 30. Juni 1993, die Teilgebietsbezeichnung Lungen- und Bronchialheilkunde am 11. Januar 1995, die Zusatzbezeichnung Allergologie am 20. Juli 1995 und die Teilgebietsbezeichnung Kardiologie am 11. Dezember 1996.

Von August 1994 bis Dezember 1996 war Vogelmeier Funktionsoberarzt der Pneumologischen Abteilung am Klinikum Großhadern, ab Januar 1997 klinischer Oberarzt der Medizinischen Klinik I. Von Juni 1998 bis Januar 2001 leitete er den Schwerpunkt Pneumologie an der LMU München.

Klinische Tätigkeit in Marburg Im Januar 2001 wurde Vogelmeier als Direktor der Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie an die Philipps-Universität Marburg berufen. In dieser Funktion leitete er die Klinik am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM), Standort Marburg, über einen Zeitraum von 24 Jahren. Die Klinik umfasste unter seiner Leitung die Bereiche Pneumologie, Intensiv- und Schlafmedizin. Vogelmeier war zugleich Mitglied des Universities of Giessen and Marburg Lung Center (UGMLC) und des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL).

Forschungsschwerpunkte COPD und GOLD-Initiative Der zentrale Forschungsschwerpunkt von Vogelmeier ist die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Seit 2010 ist er Mitglied des Science Committee der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD), seit 2014 dessen Vorsitzender. In dieser Funktion ist er maßgeblich an der Evaluation neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zur COPD-Versorgung und an der Erstellung sowie Aktualisierung der weltweit verwendeten GOLD-Reports beteiligt. Zudem ist er Mitglied des GOLD Board of Directors.

In einem Interview anlässlich der Vorstellung des GOLD-Reports 2024 erläuterte Vogelmeier unter anderem die Einführung eines neuen Abschnitts zur Hyperinflation und die veränderte Haltung zur Raucherentwöhnung, in der nunmehr pharmakologische Ansätze gegenüber dem Dampfen (Vaping) bevorzugt werden.

COSYCONET-Kohortenstudie Vogelmeier ist Leiter und Sprecher der deutschen COPD-Kohortenstudie COSYCONET (COPD and Systemic Consequences – Comorbidities Network), die als einzige international konkurrenzfähige deutsche COPD-Kohorte gilt. Die Rekrutierung begann Ende 2010 und endete im Dezember 2013. Insgesamt wurden 2.741 Patienten mit der Diagnose COPD eingeschlossen. Die Teilnehmer wurden in sieben Visiten über einen Zeitraum von bis zu 90 Monaten untersucht: bei Aufnahme sowie nach 6, 18, 36, 54, 72 und 90 Monaten. Aus COSYCONET sind zahlreiche Publikationen hervorgegangen, die unter anderem die Komorbiditäten der COPD, den Einfluss der Medikation unter Beobachtungsbedingungen, den Zusammenhang mit Depressionen, Adipositas und Mortalität sowie die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf COPD-Patienten untersuchen.

Im Mai 2019 stellte Vogelmeier als DGIM-Kongresspräsident auf dem 125. Internistenkongress aktuelle Ergebnisse der COSYCONET-Studie vor, aus denen unter anderem hervorging, dass die COPD erhebliche kardiovaskuläre Auswirkungen hat und dass zu wenige COPD-Patienten nicht-medikamentöse Behandlungs- und Präventionsangebote wahrnehmen.

PerMed-COPD Unter Vogelmeiers Leitung wird seit 2025 das Kooperationsprojekt PerMed-COPD durchgeführt, das mit einer Fördersumme von insgesamt rund fünf Millionen Euro (davon rund vier Millionen Euro für die Universitätsmedizin Marburg) ausgestattet ist. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines klinischen Entscheidungshilfesystems (Clinical Decision Support System, CDSS), das Ärzte bei der individuellen Diagnosestellung und bei maßgeschneiderten Therapieempfehlungen für COPD-Patienten einschließlich deren Begleiterkrankungen unterstützen soll. Das CDSS greift dabei auf Erkenntnisse der COSYCONET-Kohorte, auf allgemeine Gesundheitsdaten, auf CT-Bilder der Lunge und auf molekulare Marker zurück. An der klinischen Studie sind neben Marburg und München weitere neun Studienstandorte beteiligt.

Weiteres zur Forschung Vogelmeier ist seit 2008 Sprecher des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMFTR) geförderten Deutschen Asthma- und COPD-Netzwerks (AsCoNet). Seine frühen wissenschaftlichen Arbeiten befassten sich mit immunologischen und biochemischen Aspekten der Lunge. Sein Forschungsaufenthalt am NHLBI bei Ronald G. Crystal war der Emphysemforschung gewidmet, wofür er 1993 den Curt-Dehner-Preis erhielt.

Vogelmeier ist Erstautor der deutschen S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD), die 2018 unter Herausgeberschaft der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und der Deutschen Atemwegsliga veröffentlicht wurde.

Vogelmeier ist Autor einer großen Zahl wissenschaftlicher Publikationen. Sein Google-Scholar-Profil verzeichnet über 59.000 Zitierungen (Stand 2025).

Funktionen in Fachgesellschaften und Gremien Von 2009 bis 2011 war Vogelmeier Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Im Jahr 2018 wurde Vogelmeier zum Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) für das Amtsjahr 2018/19 gewählt. Er löste in dieser Funktion Cornel C. Sieber ab. Als DGIM-Vorsitzender und Kongresspräsident gestaltete er den 125. Internistenkongress, der vom 4. bis 7. Mai 2019 im RheinMain CongressCenter (RMCC) in Wiesbaden stattfand und rund 8300 Teilnehmer zählte. Als Leitthema des Kongresses wählte Vogelmeier das Thema „Digitale Medizin – Chancen, Risiken, Perspektiven“. Im weiteren Verlauf blieb Vogelmeier als kooptiertes Vorstandsmitglied der DGIM tätig. Er fungiert als Sonderbeauftragter für das Thema Digitale Medizin.

Seit 2015 ist Vogelmeier Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung (DLS). Diese Funktion übt er seit über zehn Jahren aus.

Vogelmeier war von 1998 bis 2009 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Gesellschaft für Lungen- und Atmungsforschung und ist seit 2002 Mitglied im Vorstand der Deutschen Atemwegsliga. Von 2004 bis 2012 war er Mitglied des Fachkollegiums Medizin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und von 2004 bis 2009 Mitglied des Vorstands der Fortbildungsakademie der Hessischen Landesärztekammer. Seit 2005 war er Mitglied des Vorstands des Sonderforschungsbereichs SFB TR 22, und seit 2008 Vorsitzender des Promotionsausschusses des Fachbereichs Medizin der Philipps-Universität Marburg.

Seit 2011 ist Vogelmeier Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Leibniz-Zentrums für Medizin und Biowissenschaften in Borstel, seit 2014 dessen Vorsitzender. Seit 2014 ist er außerdem Vorsitzender der Kommission für wissenschaftliches Fehlverhalten der Philipps-Universität Marburg. Zudem gehört er dem Vorstand der Initiative „Jahrzehnt der Lunge“ an.

Seit 2016 ist Vogelmeier Mitglied des Editorial Boards der Fachzeitschrift The Lancet: Respiratory Medicine.

Stipendien und Auszeichnungen Von 1975 bis 1982 erhielt Vogelmeier ein Begabtenstipendium des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus. Von 1987 bis 1989 wurde sein Forschungsaufenthalt am NIH durch ein Ausbildungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. 1993 wurde ihm der Curt-Dehner-Preis für Emphysemforschung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft verliehen.

2014 wurde Vogelmeier zum Fellow der European Respiratory Society (FERS) ernannt. 2025 erhielt Vogelmeier die Leopold-Lichtwitz-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, die als höchste Auszeichnung dieser Fachgesellschaft gilt und das Lebenswerk des Geehrten würdigt. Die DGP würdigte ihn darüber hinaus mit der Feststellung, er sei „bereits mit zahlreichen hochdotierten Auszeichnungen“ für seine Arbeit geehrt worden.

Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit Vogelmeier tritt regelmäßig als Experte für COPD und Lungenerkrankungen in Fachmedien und der Öffentlichkeit auf. In Interviews erläutert er unter anderem die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der COPD, darunter die Rolle der Biologika-Therapie seit der Zulassung eines monoklonalen IgG4-Antikörpers im Juli 2024 für Patienten mit Typ-2-Entzündung sowie aktuelle Impfempfehlungen einschließlich der RSV-Impfung für COPD-Patienten. Auf Kongressen der DGP ist er als Referent und Interviewpartner zu Fragen der COPD-Diagnostik und -Therapie präsent.

Schriften (Auswahl)

Einzelnachweise Curriculum Vitae auf der Website von AiroMedical, abgerufen am 3. April 2026.

Curriculum Vitae auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, abgerufen am 3. April 2026.

Curriculum Vitae auf der Website des DZL (Deutsches Zentrum für Lungenforschung), abgerufen am 3. April 2026.

Board of Directors der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD), abgerufen am 3. April 2026.

Vorstand & Gremien des Vereins Jahrzehnt der Lunge, abgerufen am 3. April 2026.

, abgerufen am 3. April 2026.

Kategorie:Pneumologe Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Philipps-Universität Marburg) Kategorie:Geboren 1956 Kategorie:Deutscher Kategorie:Mann