Gladenbach ist eine verwaltungspolitische Gemeinde im Westen des mittelhessischen Landkreises Marburg-Biedenkopf. Sie besteht aus 15 Ortsteilen, ist nach ihrem zentralen Ortsteil und Verwaltungssitz Gladenbach, in dessen Tradition sie die Bezeichnung „Stadt“ führt, benannt und entstand in ihrer heutigen Form als Großgemeinde in den 1970er-Jahren im Zuge der Hessischen Gebietsreform (siehe dazu Abschnitt „Gemeindebildung“). Die Gemeinde Gladenbach liegt im Westen des Hessischen Hinterlandes und wird gemeinhin als eine von sieben „Hinterlandkommunen“ bezeichnet.
Gladenbach ist als Luftkurort und Kneippheilbad ausgezeichnet In: Oberhessische Presse, aufgerufen am 25. März 2016. und ist die nach Einwohnerzahl zweitgrößte Gemeinde des Hessischen Hinterlandes.
Geographie Geographische Lage Die Stadtgemeinde Gladenbach liegt an einem östlichen Ausläufer des (naturräumlichen) Westerwaldes, der nach seiner zentralen Stadt Gladenbacher Bergland genannt wird, im Naturpark Lahn-Dill-Bergland. Das heutige Stadtgebiet stimmt weitgehend mit dem Gebiet des „Untergerichtes“ des historischen Amtes Blankenstein überein. Das Untergericht umfasste den ostsüdöstlichen Teil des ehemaligen Landkreises Biedenkopf.
In den Gemarkungen der südlichen Stadtteile Weidenhausen, Erdhausen, Gladenbach und Mornshausen fließt von Westen die auf dem Gebiet der Gemeinde Bad Endbach entspringende Salzböde durch das Stadtgebiet und dann östlich weiter in die Gemeinden Lohra, Fronhausen und Lollar, wo sie bei Odenhausen in die Lahn mündet. Die Gemarkungen der weiter nördlich gelegenen Stadtteile Runzhausen, Bellnhausen, Sinkershausen, Frohnhausen und Friebertshausen durchquert ebenfalls weitgehend west-östlich die Allna, die im weiteren Verlauf im Gebiet der Gemeinde Weimar (Lahn) dann bereits oberhalb der Salzböde in die Lahn mündet. Weitershausen liegt am wichtigsten Allna-Zufluss Ohe. Beide Flussläufe sind durch Höhenrücken auch in ihrem jeweiligen Einzugsgebiet für kleinere Zuflüsse deutlich voneinander getrennt.
Naturräumliche Zuordnung Das Stadtgebiet liegt ganz in Naturräumen der Haupteinheit 320 – Gladenbacher Bergland. Alle Ortsteile, die im Einzugsgebiet der Salzböde liegen, werden, inklusive der Kernstadt, zum Naturraum Salzbödetal gerechnet, wobei Rachelshausen bereits an der Nahtstelle zum Hochplateau der Bottenhorner Hochflächen liegt.
Demgegenüber werden die nördlichen Ortsteile an der Allna zum Naturraum Damshäuser Kuppen gezählt. Die ganz im Osten, am Unterlauf der Allna bzw. deren Einzugsgebiet gelegenen Friebertshausen und Rüchenbach werden zur Elnhausen-Michelbacher Senke gerechnet. Im Süden trifft die Gemarkung der Stadt auf den Höhenzug der Zollbuche, wo auf Gladenbacher Gemarkung über 450 m über NN erreicht werden.
Höchste Erhebung des Stadtgebiets ist der 552 m hohe Berg Daubhaus nordwestlich von Rachelshausen am Ostrand der Bottenhorner Hochflächen.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet von Gladenbach ist in 15 Stadtteile gegliedert: Bellnhausen Diedenshausen Erdhausen Friebertshausen Frohnhausen Gladenbach Kehlnbach Mornshausen Rachelshausen Römershausen Rüchenbach Runzhausen Sinkershausen Weidenhausen Weitershausen
Weiterhin gibt es einige wüst gefallene Orte, darunter Idenshausen und Seibertshausen.
Nachbargemeinden Gladenbach grenzt im Norden an die Gemeinde Dautphetal, im Nordosten an die Stadt Marburg, im Osten an die Gemeinde Weimar (Lahn), im Südosten an die Gemeinde Lohra (alle im Landkreis Marburg-Biedenkopf), im Südwesten an die Gemeinde Bischoffen (Lahn-Dill-Kreis), sowie im Westen an die Gemeinde Bad Endbach (Landkreis Marburg-Biedenkopf).
Geschichte Gemeindebildung Am 1. April 1972 wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin eigenständige Nachbargemeinde Runzhausen als Ortsteil zum heutigen Hauptort eingegliedert. Am 1. Juli 1974 folgte durch Landesgesetz der Zusammenschluss der bisherigen Gemeinde Gladenbach mit den Gemeinden Bellnhausen, Diedenshausen, Erdhausen, Friebertshausen, Frohnhausen b. Gladenbach, Kehlnbach, Mornshausen a. S., Rachelshausen, Römershausen, Rüchenbach, Sinkershausen, Weidenhausen und Weitershausen zu heutigen Gemeinde Gladenbach. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden und die Kerngemeinde Gladenbach wurden Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Gladenbach 12.227 Einwohner. Darunter waren 699 (5,7 %) Ausländer, von denen 165 aus dem EU-Ausland, 440 aus anderen europäischen Ländern und 94 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 14,0 % einen Migrationshintergrund. Nach dem Lebensalter waren 2043 Einwohner unter 18 Jahren, 5067 zwischen 18 und 49, 2508 zwischen 50 und 64 und 2610 Einwohner waren älter. In 1113 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 3273 Haushaltungen leben keine Senioren/-innen. Die Einwohner lebten in 5045 Haushalten. Davon waren 1468 Singlehaushalte, 1424 Paare ohne Kinder und 1600 Paare mit Kindern, sowie 421 Alleinerziehende und 102 Wohngemeinschaften.
Einwohnerentwicklung
Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 2011: 7620 evangelische (= 63,0 %), 1540 katholische (= 12,7 %), 680 freikirchliche (= 5,7 %), 120 orthodoxe (= 1,0 %), 320 andersgläubig (= 2,7 %), 1810 sonstige (= 14,9 %) Einwohner
Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Gladenbach erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Gladenbach 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 32,0 12 32,7 12 31,3 12 45,7 17 50,9 19 43,8 16 25,2 9 29,4 11 36,5 13 37,8 14 34,8 13 34,6 13 Bürgernah Gladenbach Bürgernah Gladenbach 20,2 8 – – – – – – – – – – 13,6 5 27,0 10 25,0 9 6,3 2 6,5 2 7,5 3 vor 2026: Junge Liste/Bündnis 90/Die Grünen (JL/Grüne) 9,1 3 10,9 4 7,3 3 10,2 4 4,4 2 5,6 2 ÜPL Überparteiliche Liste – – – – – – – – 3,4 1 8,5 3 Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 55,9 48,1 47,8 47,5 49,6 59,9
Bürgermeister
Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Gladenbach neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und neun weitere Stadträte angehören.Stadt Gladenbach: Magistrat Bürgermeister ist seit dem 1. Oktober 2014 der parteiunabhängige Peter Kremer. Er wurde als Nachfolger von Klaus-Dieter Knierim (CDU), der nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 25. Mai 2014 im ersten Wahlgang bei 53,7 Prozent Wahlbeteiligung mit 59,3 Prozent der Stimmen gewählt. Eine Wiederwahl folgte, pandemiebedingt verschoben, im November 2020.Votemanager: Bürgermeisterstichwahl Stadt Gladenbach 2020 - hessenschau: Bürgermeister-Stichwahl am 22. November 2020 in Gladenbach Durch die verschobene Wahl verschob sich der Beginn der Amtszeit auf den 1. März 2021.
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: nur Einzelergebnis 2014 ist archiviert - Votemanager: Wahltermine Stadt Gladenbach, seit 1995 2014–2027 Peter Kremer - Oberhessische Presse, 21. April 2020: Gladenbach wählt wohl im November: „Am 30. September endet die Amtszeit von Gladenbachs Bürgermeister Peter Kremer. Wer danach auf dem Chefsessel im Rathaus sitzt, wird wohl am 1. November oder am 14. März entschieden.“ - Amtseinführung und Verpflichtung in der Sitzung der Gemeindevertretung am 18. Februar 2021; Protokoll zu TOP 7: „Der wiedergewählte Bürgermeister, Peter Kremer, erhält vom 1. Stadtrat Armin Becker die Ernennungsurkunde für seine zweite Amtszeit, die am 01. März 2021 beginnt.“ 2002–2014 Klaus-Dieter Knierim (CDU) 1990–2002 Klaus Bartnik (SPD) 1978–1990 Siegfried Dellnitz (CDU) 1951–1978 Karl Waldschmidt (CDU) Am Ende des Zweiten Weltkriegs zogen am 28. März 1945 amerikanische Truppen in Gladenbach ein, verhafteten den amtierenden Bürgermeister Jäger und setzten den Deutsch-Amerikaner Schmitz kommissarisch ein. Am 16. August 1945 ersetzten sie diesen durch Ernst Leinbach I, der nach den Kommunalwahlen in Hessen 1946 am 11. März 1946 zum Bürgermeister gewählt wurde und dieses Amt bis zu seinem Tod im Mai 1951 innehatte.
Wappen und Flagge Durch den erfolgten Zusammenschluss der „alten“ Stadt mit 13 weiteren Gemeinden zur neuen Stadtgemeinde Gladenbach im Zuge der Hessischen Gebietsreform machte die Kommune von der Möglichkeit Gebrauch und bekam am 19. Juli 1974 durch das Hessische Ministerium des Innern die Weiterführung des Wappens der alten Stadt genehmigt (für Details zum Wappen siehe im Ortsartikel).
Gleiches gilt für die Bannerflagge der Stadt, deren Weiterführung am 4. September 1975 genehmigt wurde. Eine amtliche Hissflagge führt die Stadt nicht.
Städtepartnerschaften Gladenbach unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft: Monteux, Provence-Alpes-Côte d’Azur, Frankreich (seit 1987) Bad Tabarz, Thüringen, Deutschland (seit 1991) Niemcza (Nimptsch), Woiwodschaft Niederschlesien, Polen (seit 1998) Londerzeel, Flandern, Belgien (seit 2010)
Gerichtszuständigkeiten Für Gladenbach sind das Amtsgericht Biedenkopf und das Landgericht Marburg zuständig. Bis 1968 bestand ein eigenes Amtsgericht, das Amtsgericht Gladenbach.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|hochkant|Koppeturm bei Erdhausen
Evangelische Pfarrkirche (ehemals St. Martin) ursprünglich romanische flachgedeckte Pfeilerbasilika aus fünf schmalen Langhausjochen mit einem Chorquadrat. Altes Pfarrhaus am Bornrain, stattlicher Fachwerkbau von 1607 Am westlichen Stadtrand von Gladenbach befindet sich die Ruine der Burg Blankenstein. Eine ehemalige Hügelburg die vermutlich im 12. Jahrhundert erstmals errichtet wurde. Im Ortsteil Rachelshausen befindet sich eine 1617 erbaute Fachwerkkapelle. Die Kapelle wurde in zweigeschossiger Rähmbauweise auf einem Steinsockel errichtet. Sie trägt einen achteckigen Dachreiter. Die Kapelle dient heute der evangelischen Gemeinde als Kirche. Südlich von Erdhausen befindet sich auf dem hohen Berg Koppe eine Schutzhütte sowie der 1987 errichtete „Koppeturm“.
Regelmäßige Veranstaltungen Gladenbacher Kirschenmarkt (erstes Juli-Wochenende) Gladenbacher Brunnenmarkt (dritter Sonntag im Oktober)
Filmkunst Im Gemeindegebiet, südlich von Mornshausen, fand 1822 der Postraub in der Subach statt, der die Grundlage des Fernsehfilms Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach von Volker Schlöndorff darstellt. Die bewusst dialektgefärbte Sprache der Schauspieler hat jedoch wenig Ähnlichkeit mit dem örtlich gesprochenen Dialekt (Hinterländer Platt).
Wirtschaft und Infrastruktur Flächennutzung Das Gemeindegebiet umfasst 2015 eine Gesamtfläche von 7228 Hektar, davon entfallen in ha auf:Hessisches Statistisches Informationssystem (Hesis) In: Statistik.Hessen. Nutzungsart 2011 2015 Gebäude- und Freifläche 447 462 davon Wohnen 272 274 Gewerbe 37 51 Betriebsfläche 23 10 davon Abbauland 0 0 Erholungsfläche 43 43 davon Grünanlage 23 24 Verkehrsfläche 480 483 Landwirtschaftsfläche 3082 3072 davon Moor 0 0 Heide 0 0 Waldfläche 3081 3089 Wasserfläche 40 39 Sonstige Nutzung 33 24
Industrie Ein wichtiger Industriebetrieb Gladenbachs ist die WESO-Aurorahütte im Stadtteil Erdhausen. Im Jahr 2023 beschäftigte sie über 470 Mitarbeiter.
Gegründet 1324 als Nickelschmelze, wurde sie 1887 in eine Eisengießerei umgewandelt. Hergestellt wurden vor allem Herde, Öfen und andere Gegenstände aus Gusseisen. In diesem Jahr übernahm sie Johann Dietrich Wehrenbold zusammen mit seinem Sohn Johannes. Seitdem firmiert sie als WESO-Aurorahütte.