Twice, at Least ist ein Musikalbum von Uwe Oberg. Die am 7. Dezember 2012 in der Wiesbadener Musik- & Kunstschule und am 3. März 2015 in der Musikbibliothek Wiesbaden entstandenen Aufnahmen erschienen 2015 auf Leo Records.

Hintergrund Twice, at Least besteht aus zwei Live-Mitschnitten, in denen Eigenkompositionen Obergs mit Bearbeitungen von Musik Thelonious Monks und anderen (Steve Lacy, Carla Bley, Annette Peacock) vermischt werden. In seinem Essay im Booklet zu Twice, at Least schreibt Oberg über den anhaltenden Einfluss des brillanten, eigenwilligen Pianisten Paul Bley, um die Bedeutung der Wiederholung in seinem eigenen Spiel zu erläutern.

Titelliste Uwe Oberg: Twice, at Least (Leo CD LR 733) Chant II / Kelvin (Uwe Oberg) 11:58 Touching (Annette Peacock) 7:08 Enzym & Eros (Variations) (Uwe Oberg) 6:22 Magnetic Wood / Blues (Steve Lacy, Uwe Oberg) 10:55 King Korn (Carla Bley) 5:37 Brilliant Corners / Twiyed Place (Thelonious Monk, Oberg) 9:28 Pannonica (Thelonious Monk) 5:07

Rezeption mini|Thelonious Monk (1961) Uwe Oberg gehöre zu jenen Musikern, die ihr Handwerk neu erfinden, meint Franpi Barriaux (Citizen Jazz). Zu diesen „kleinen Chemikern, die Standards sezieren“ – nicht, um ihre Tonleitern zu wiederholen oder um in einigen Hommagen [an Musiker] zu erinnern, sondern um zu versuchen, ihre Mechanismen zu entschlüsseln. Das habe man bereits auf „Work“, seinem vorherigen Soloalbum, erlebt, auf dem er unter anderem „Pannonica“ neu interpretiert hatte. Auf „Twice, at Least“ sei immer noch der Titel von Thelonious Monk zu finden. Er werde nun ausgedehnt, verliere sich in der Schwebe und im Echo-Pedal, dann tauche das Thema nach und nach auf, „als würde es einen dichten Nebel durchdringen“. Einfach gespielt, fast schon nackt, offenbare es die ungeheure Leidenschaft des Deutschen für die Monk’sche Grammatik, die sich auch auf dem intensiven „Twiyed Place“ wiederfinde, einer Art „Played Twice“, das rückwärts abgespielt wird, so wie andere es tun, um die Funktionsweise von technischen Geräten zu beobachten.

Obergs Duoalbum mit Silke Eberhard (Turns) hatte seine Vorliebe für die Musik von Carla Bley unterstrichen, so Barriaux weiter; wie schon bei Turns werde auch auf diesem Soloalbum „King Korn“ hier gründlich durchleuchtet, wobei jedoch eine gewisse Zurückhaltung und Ehrfurcht gewahrt bleibe. Die linke Hand klinge fest, kantig und lasse die rechte in völliger Freiheit umherstreifen. Doch wie bei Oberg üblich, würde man zu Steve Lacy zurückkehren, seiner großen Leidenschaft. Im Zentrum des Albums, durchdrungen von den gedämpften Rhythmen des präparierten Klaviers, tauche „Blues“ auf, eine kristallklare Interpretation, deren hämmernde Akkorde umso mehr Kraft entfalten, als sie das Ergebnis einer akribischen, ja fast hartnäckigen Konstruktion sind, die sich von Komplexität niemals einschüchtern lässt. Ein Soloalbum von großer Eleganz von einem Pianisten, der sich als unverzichtbarer Improvisator in der europäischen Szene etabliert habe.

Dies sei eine „lyrische und zugleich experimentelle“ Solo-Klavieraufnahme eines deutschen Pianisten, der Stücke von Steve Lacy über Thelonious Monk bis hin zu Annette Peacock dekonstruiert, wobei auch Einflüsse von Künstlern wie Paul Bley und John Cage zu erkennen seien, meint Selwyn Harris in Jazzwise. mini|Uwe Oberg (2017) Wie auf dem Album Work verbinde Oberg auf Twice, at Least gekonnt Eigenkompositionen mit einfallsreichen Interpretationen von Werken jazzmusikalischer Rebellen – Lacy, Thelonious Monk, Ornette Coleman, John Coltrane, Charles Mingus, Carla Bley und Annette Peacock, schrieb Peter Margasak (Chicago Reader) in einer Doppelrezension der beiden Soloalben Obergs. Dieser habe die Geschichte des Jazz vollständig verinnerlicht und bringe seine eigene, introspektive Sichtweise ein. In seiner Version von Peacocks „Touching“ – einem Stück, das ursprünglich von Bley aufgenommen wurde – würden seine melancholischen Klänge ein Gleichgewicht zwischen zarter Melodie und vieldeutiger Harmonie schaffen, „das wie der Atem nach einem Lauf mal an- und mal abebbt“. Wenn Oberg zum Abschluss von „Twice, at Least“ Monks „Pannonica“ spielt, beschwöre er ein Bild von Erik Satie herauf, der dieses Stück interpretiere. Er würde es zudem meisterhaft verstehen, das Potenzial seines Instruments voll auszuschöpfen, was man am Eröffnungsstück des Albums, „Chant II/Kelvin“, deutlich hören könne. Dieses Interesse erkläre auch seinen Einsatz der Mbira in „Magnetic Wood“, wo er Klänge erzeuge, die dem perkussiven Klirren ähneln, das er beim Herumklimpern im Inneren des Klaviers erzeugt.

Oberg schaffe eine offene Solostruktur, in der Raum sowohl für verspielte Gedanken als auch für das Offenlegen kraftvoller Emotionen besteht, meint Dan Bergsagel (London Jazz News). Oberg verfolge einen einzigartigen Ansatz: mal zurückhaltend, mal unberechenbar oder klassisch. Hier spiele ein Pianist, der sich mit einer Hand auf den Tasten und der anderen im Inneren seines Flügel-Monsters ebenso wohlfühle wie beim feinfühligen, regelkonformen Spiel mit beiden Händen. Diese geduldigen, suchenden freien Improvisationen würden sich zu einem sehr lohnenden Hörerlebnisn entwickeln.

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Einzelnachweise

Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album 2015 Kategorie:Livealbum Kategorie:Uwe Oberg